Deutschland

Trotz explodierender Energiekosten und Engpässe: Mittelstandsverband BVMW setzt auf Optimismus

Die KfW hat sich Ende 2021 zwar sehr skeptisch gezeigt. Doch die Mittelstandsvereinigung BVMW bleibt nach eigenen Angaben optimistisch – trotz Corona-Pandemie, Lieferengpässen, Rohstoffknappheit und explodierenden Energiekosten.
03.01.2022 13:30
Aktualisiert: 03.01.2022 13:30
Lesezeit: 2 min
Trotz explodierender Energiekosten und Engpässe: Mittelstandsverband BVMW setzt auf Optimismus
Der deutsche Mittelstand steht wie ein Feld in der Brandung. Das sagt zumindest der BVMW. (Foto: dpa) Foto: Eddy Lemaistre

Der deutsche Mittelstand ist gespalten: Während die Unternehmen, die von der KfW Ende 2021 befragt worden sind, sehr skeptisch die Lage beurteilen, bleiben die Firmen des BVMW positiv gestimmt: Dies zeigt die aktuelle Unternehmerumfrage 2021/22 des BVMW. Daran haben sich vom 2.-21. Dezember 2021 bundesweit über 2.000 Unternehmerinnen und Unternehmer aller Branchen beteiligt. Im Mittelpunkt stehen die Corona-Pandemie, Lieferengpässen, Rohstoffknappheit und explodierenden Energiekosten.

Demnach ist die große Mehrheit der BVMW-Mittelständler im Blick auf die eigene Geschäftslage zuversichtlich. Mehr als die Hälfte schätzen die eigene Geschäftslage als gut oder sehr gut ein, knapp ein Drittel als befriedigend. Zudem rechnen vier von fünf Unternehmen damit, dass sich die Geschäftslage im kommenden Jahr gleichbleibend oder sogar günstiger entwickeln wird. Weniger zuversichtlich sind die Unternehmerinnen und Unternehmer mit Blick auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Mehr als die Hälfte erwartet in den kommenden zwölf Monaten eine Rezession. Dies steht in starkem Kontrast zu Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die für 2022 von Wirtschaftswachstum ausgehen.

Bei den wirtschaftspolitischen Aufgaben, die von der neuen Bundesregierung vorrangig angepackt werden sollten, ergibt sich ein ähnliches Bild wie in den Vorjahren. So messen fast 85 Prozent dem Bürokratieabbau oberste Priorität bei. Knapp 59 Prozent fordern, dass die Sozialabgaben nicht weiter erhöht werden sollen. Gut jeder zweite Mittelständler mahnt verkürzte Planungs- und Genehmigungsverfahren und eine Senkung der Unternehmenssteuern an. Eine Senkung der Energiekosten sehen fast 60 Prozent als zweitwichtigste Aufgabe an.

„Explodierende Energiekosten treiben immer mehr Mittelständler an den Rande des Ruins. Mehr als 90 Prozent rechnen damit, dass die Preise für Energie in Zukunft sogar noch weiter steigen werden. Die Politik zeigt dem Mittelstand bisher die kalte Schulter. Es ist daher höchste Zeit, dass Robert Habeck als neuer Wirtschaftsminister eingreift. Um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen zu sichern, muss als erster Schritt die Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau gesenkt werden“, erklärt Der BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger.

Die Bundesregierung müsse erkennen, dass die Lage am Energiemarkt ihre Klimaziele unterläuft, so Jerger. Mehr als 86 Prozent der Mittelständler nennen ihr eigenes Verantwortungsgefühl als Hauptgrund, Nachhaltigkeit im Unternehmen umzusetzen. Gleichzeitig sehen sich über 50 Prozent nicht imstande, die weiter steigenden Energiepreise zu schultern. „Der Mittelstand will die Klimaziele erreichen, ohne die Unterstützung der Politik wird dies aber nicht gelingen“, warnt Jerger.

Die Verzweiflung vieler Unternehmer bei der Energiefrage spiegelt sich auch in der Debatte zum Thema Kernenergie. Vier von zehn Mittelständlern fürchten durch Atomausstieg und beschleunigten Kohleausstieg um die Versorgungssicherheit ihres Betriebs. Fast 57 Prozent befürworten daher eine Laufzeitverlängerung für die bestehenden Kernkraftwerke. „Wenn die Ampel-Koalition die Akzeptanz der Energiewende im Mittelstand retten will, sollte sie schleunigst den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben“, betont Jerger.

Bei der Sonntagsfrage erreichen FDP (35,6 Prozent / 2020: 20,8 Prozent) und Union (25,6 Prozent / 2020: 43,3 Prozent) zusammen eine deutliche Mehrheit. Es folgen Grüne (11,9 Prozent / 2020: 13,2 Prozent), AfD (8,2 Prozent / 2020: 7,6 Prozent) und SPD (7,5 Prozent / 2020: 3,2 Prozent). Klarer Verlierer ist wie schon im Vorjahr die Linke (1,5 Prozent / 2020: 2,5 Prozent). „Um das Vertrauen der Unternehmer zu gewinnen, muss die neue Bundesregierung den warmen Worten für den Mittelstand im Koalitionsvertrag nun auch Taten folgen lassen. Unsere Unternehmerumfrage gibt die Agenda für 2022 vor“, so Der Mittelstand.BVMW-Bundesgeschäftsführer Markus Jerger.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...