Finanzen

Federal Reserve wird erneut von Skandal um Insidergeschäfte erschüttert

Zum dritten Mal innerhalb weniger Monate muss ein ranghoher Funktionär zurücktreten, weil er auf eigene Rechnung Geschäfte gemacht haben soll.
11.01.2022 13:11
Aktualisiert: 11.01.2022 13:11
Lesezeit: 2 min
Federal Reserve wird erneut von Skandal um Insidergeschäfte erschüttert
USA, Washington: Das Federal Reserve Gebäude. (Foto: dpa) Foto: Ting Shen

Am Donnerstag wird die designierte Stellvertreterin von Fed-Präsident Jerome Powell, Lael Brainard, vom Ausschuss angehört. Die langjährige Fed-Direktorin soll den jetzigen Vize Richard Clarida ablösen. Nach einer Affäre um Wertpapiergeschäfte tritt dieser vorzeitig ab. Er werde am 14. Januar seinen Hut nehmen, hieß es am Montag auf der Website.

Claridas Amtszeit läuft erst am 31. Januar aus. Medienberichten zufolge schichtete Clarida im Februar 2020 einen Tag vor einer wichtigen Ankündigung von Fed-Chef Powell sein Portfolio um. Damit besteht der dringende Verdacht, dass der ranghohe Funktionär Insider-Geschäfte tätigte, also sein Wissen um bevorstehende marktbeherrschende Ankündigungen der Notenbank für seine eigene Bereicherung nutzte. Zuletzt hieß es zudem in Medienberichten, Clarida habe Ende Dezember seine finanziellen Angaben korrigiert. Die Vorgänge reihen sich ein in die Affäre um Handelsaktivitäten hochrangiger US-Notenbanker, die 2021 zum Rücktritt von zwei Fed-Führungskräften führte.

Lesen Sie dazu: Federal Reserve wird von Korruption und Insider-Geschäften erschüttert

Biden ist bemüht, bei seiner Nominierungspraxis für vakante Stellen im Direktorium der Fed für mehr Diversität zu sorgen - also mehr Frauen und Angehörige ethnischer Minderheiten zum Zuge kommen zu lassen. Medienberichten zufolge ist die jüngst zur Direktorin bei der Fed Chicago ernannte Ökonomieprofessorin Lisa Cook eine heiße Anwärterin auf einen der Fed-Führungsposten. Zudem könnte die frühere Fed-Direktorin Sarah Raskin an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. Als weiterer Kandidat für einen Direktoren-Posten gilt der afroamerikanische Ökonom Philip Jefferson.

Inflation ist größtes Risiko

Angesichts der immer weiter kletternden Preise in den USA hat Powell der Inflation den Kampf angesagt. "Wir wissen, dass die hohe Inflation ihren Tribut fordert", sagte der Fed-Präsident in einer vorab veröffentlichten Fassung einer für Dienstag geplanten Rede vor einem Senatsausschuss. Die gestiegenen Kosten für Lebensmittel, Wohnung und Verkehr träfen besonders die sozial Schwachen. "Wir werden unsere Instrumente nutzen, um die Wirtschaft und einen starken Arbeitsmarkt zu stützen und um zu verhindern, dass sich die Inflation festsetzt."

An den Märkten wird spekuliert, die Fed könnte schon im März die Zinswende einleiten und sich gegen die stark steigenden Preise stemmen. Die US-Teuerungsrate ist im November auf 6,8 Prozent geklettert - der höchste Wert seit 1982. Für die am Mittwoch anstehenden Daten für Dezember erwarten von Reuters befragte Experten einen Anstieg auf dann 7,0 Prozent. Aus der Corona-Krise resultierende Lieferprobleme, Materialengpässe und geradezu explodierende Energiekosten heizen die Inflation an.

"Die Federal Reserve arbeitet für alle Amerikaner", betonte Powell, der die Fed seit Anfang Februar 2018 führt. Er sei den Prinzipien von Transparenz und klarer Kommunikation verpflichtet und suche aktiv den Austausch mit den Parlamentariern: "Ich verpflichte mich, diese Praxis fortzusetzen, falls ich für eine weitere Amtszeit bestätigt werde." Präsident Joe Biden hat Powell für ein weiteres vierjähriges Mandat nominiert. Der Republikaner muss dabei erneut vom Senat im Amt bestätigt werden. Als Teil des Verfahrens muss er den Abgeordneten des Bankenausschusses dabei Rede und Antwort stehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

 

DWN
Politik
Politik Ungarn gegen Russland: Péter Magyar erklärt Putins Einfluss den Kampf
12.10.2026

Jahrelang galt Ungarn als Putins verlässlichster Verbündeter innerhalb der EU. Jetzt macht ausgerechnet Budapest Front gegen Moskau. Der...

DWN
Politik
Politik Kostenrisiko Rentenreform: Rente verbraucht immer mehr Steuereinnahmen
12.10.2026

Rentenniveaugarantie, Mütterrente und Reformpakete: Warum die Pläne der Regierung für Milliardenrisiken sorgen und der Rechnungshof...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Reichen die außergewöhnlichen Gewinne einiger weniger Giganten aus?
12.10.2026

US-Aktieninvestoren halten es offenbar nicht lange aus, ohne neue Kursrekorde zu erreichen. Die Energiepreise schießen nach oben, während...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Industrieaktien sind heiß, diese Aktie ist der Favorit unter den Goldminen
11.10.2026

Der US-Bullenmarkt feiert nächste Woche sein vierjähriges Bestehen und hat seit dem Tiefpunkt beachtliche 117 Prozent zugelegt. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Boom außer Kontrolle: Diese sechs Gefahren bedrohen die Finanzmärkte
11.10.2026

Der KI-Boom treibt Börsenkurse, Investitionen und Bewertungen seit Jahren nach oben. Doch hinter der Euphorie wächst ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Das neue Projekt der DWN
11.10.2026

Ich möchte Ihnen die faszinierende Geschichte von Investor Toomas vorstellen, die mich dazu inspiriert hat, selbst in die Welt der Börse...

DWN
Finanzen
Finanzen Investment-FOMO: Warum Anleger nicht jedem Trend folgen sollten
11.10.2026

Ich las kürzlich auf Insta: „Stocks that will make you rich before 2027!! (I am only going to say that once!!).“ Drei Aktien von 12...

DWN
Immobilien
Immobilien Sachwert, Ertragswert, Vergleichswert: Wie Profis eine Immobilie bewerten
11.10.2026

Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte sich mit dem Vokabular rund um den Wert der Immobilie auskennen. Was Sachwert, Ertragswert und...