Finanzen

JP Morgan Chef: 2022 wird Fed Zinsen bis zu sieben Mal erhöhen

JP Morgan-Chef Jamie Dimon geh davon aus, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins im aktuellen Jahr um bis zu sieben Mal erhöhen werde. Es sei ein Trugschluss, dass es „irgendwie sanft“ verlaufen werde.
19.01.2022 11:23
Aktualisiert: 19.01.2022 11:23
Lesezeit: 2 min
JP Morgan Chef: 2022 wird Fed Zinsen bis zu sieben Mal erhöhen
JP Morgan gehört zu den stärksten Banken der Welt. (Foto: dpa) Foto: Justin Lane

Der Chef der US-Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, geht davon aus, dass die US-Notenbank Fed den Leitzins im aktuellen Jahr sechs oder sieben Mal anheben wird, um die Wirtschaft zusammenzuhalten. Zuvor hatte die Fed angekündigt, dass es nur vier Zinserhöhungen geben wird. Dimon sagte am 14. Januar 2022 bei einer Telefonkonferenz zu den Zahlen des 4. Quartals 2021:

„Meines Erachtens stehen also ziemlich gute Chancen, dass es mehr als 4 sein werden. Es könnten 6 oder 7 sein. Ich meine, ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der Sie – Paul Volcker (Ex-Notenbankchef, Anm.d.Red.) – an einem Samstagabend den Leitzins um 200 Basispunkte erhöht haben. Und diese ganze Vorstellung, dass es irgendwie sanft sein wird und niemand jemals überrascht sein wird - ich denke, das ist ein Trugschluss.

Und die andere Tatsache ist, dass es durchaus möglich sein kann, dass es sich um Kreditzinsen handelt – und ich bin ein wenig überrascht, wie niedrig sie bleiben. Aber die Kreditzinsen reagieren möglicherweise eher auf das tatsächliche QE und dann auf das QT. Und so wird die Fed irgendwann 100 Milliarden Dollar oder die Zahl, die sie sich im Monat einfallen lässt, abfließen lassen. Und dann sehen Sie vielleicht, dass die Kreditzinsen ein wenig darauf reagieren. Und insbesondere habe ich gerade über Wachstum und Kapitalnachfrage und solche Sachen gesprochen, die tendenziell auch die Zinsen für 10-jährige Anleihen und all das antreiben.“

Die „zu hohe“ Inflationsrate wieder unter Kontrolle zu bringen, ist nach Ansicht eines führenden Mitglieds des US-Zentralbankrats aktuell die „wichtigste Aufgabe“ der Notenbank. Viele Menschen im Land seien wegen der schwindenden Kaufkraft besorgt, erklärte Lael Brainard, die im November von US-Präsident Joe Biden für das Amt der Vizechefin der Notenbank Federal Reserve (Fed) nominiert worden war.

„Unsere Geldpolitik konzentriert sich darauf, die Inflation wieder auf zwei Prozent herunterzubekommen und gleichzeitig einen Aufschwung zu erhalten, von dem alle profitieren“, sagte Brainard einem am Mittwoch von der Notenbank vorab verbreiteten Redetext zufolge. „Das ist unsere wichtigste Aufgabe.“ Sie wollte ihr Statement demnach an diesem Donnerstag zu Beginn einer Anhörung zu ihrer Nominierung im US-Senat vortragen. Brainard ist bereits seit 2014 Mitglied des bis zu siebenköpfigen Direktoriums der Fed.

Die Verbraucherpreise in der weltgrößten Volkswirtschaft steigen seit Monaten rasant an. Im Dezember betrug die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat 7,0 Prozent, wie Daten vom Mittwoch zeigten. Das ist die höchste Teuerungsrate seit dem Jahr 1982.

Die Fed hatte Konjunktur und Märkte wegen der Corona-Krise seit 2020 mit massiven Hilfsprogrammen gestützt. Nach Ansicht vieler Analysten könnte die Zentralbank nun aber angesichts der guten Entwicklung von Arbeitsmarkt und Wachstum ihren Leitzins bereits im März wieder erhöhen. Damit kann die Fed die Inflation bremsen, gleichzeitig wird aber auch die Konjunktur unter der strafferen Geldpolitik leiden. Der Prognose der US-Notenbank vom Dezember zufolge könnte es 2022 bis zu drei Zinsschritte geben. Derzeit befindet sich der Leitzins noch in der extrem niedrigen Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen BYDFi im ausführlichen Test 2026

In deutschsprachigen Krypto-Foren hält sich eine Überzeugung besonders hartnäckig: Börsen ohne KYC-Pflicht sind unseriös, unsicher und...

DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum der Produktivitätsschub ausbleibt
19.04.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant, doch die wirtschaftlichen Effekte bleiben bislang hinter den Erwartungen vieler Unternehmen...

DWN
Finanzen
Finanzen Chips als neue Anlageklasse: Wie GPUs die Finanzmärkte erobern
19.04.2026

Chips und Rechenleistung rücken zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte, da Investitionen in KI-Infrastruktur massiv steigen. Kann die...

DWN
Politik
Politik Staatsschulden: Warum Deutschland über seine Verhältnisse lebt
19.04.2026

Deutschland steckt tief in der Wirtschaftskrise: kaum Wachstum, explodierende Sozialausgaben und eine Politik, die große Reformen scheut...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schweigepflicht im Job: Diese Regeln gelten wirklich
19.04.2026

Ein kurzer Plausch über den Arbeitsalltag wirkt harmlos, kann aber rechtliche Folgen haben. Denn nicht alles darf nach außen dringen....

DWN
Technologie
Technologie KI-Modelle im Visier von Nachahmern: OpenAI, Google und Anthropic bauen Kooperation aus
19.04.2026

Große KI-Unternehmen verstärken ihre Zusammenarbeit, um ihre Technologien vor unbefugter Nutzung und wachsender internationaler...

DWN
Panorama
Panorama Klimaschutz 2030: Deutschland drohen hohe Strafen
19.04.2026

Deutschland hat sein Klimaziel für das Jahr 2025 knapp erreicht, verliert jedoch deutlich an Geschwindigkeit. Die Treibhausgasemissionen...

DWN
Technologie
Technologie Künstliche Intelligenz außer Kontrolle? Forscherin warnt vor gefährlicher Entwicklung
18.04.2026

Künstliche Intelligenz wiederholt bereits bestehende Fehlinformationen und verstärkt vorhandene Ungleichheiten. Am gefährlichsten ist...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt unter Druck: Kosten der Arbeitslosigkeit steigen dramatisch an
18.04.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt steht unter erheblichem finanziellem Druck. Nach aktuellen Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und...