Deutschland

Juwelendiebstahl von Dresden: Die Beute bleibt unauffindbar

Mehr als zwei Jahre liegt der spektakuläre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden schon zurück. Noch immer ist unklar, wie der Einbruch in das berühmte und bisher als „begehbarer Tresor“ Museum möglich war – und wo die kostbare Beute ist.
22.01.2022 09:56
Aktualisiert: 22.01.2022 09:56
Lesezeit: 2 min
Juwelendiebstahl von Dresden: Die Beute bleibt unauffindbar
Das Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD). (Foto: dpa) Foto: Sebastian Kahnert

Mehr als zwei Jahre liegt der spektakuläre Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe Dresden schon zurück. Noch immer ist unklar, wie der Einbruch in das berühmte und bisher als „begehbarer Tresor“ geltende barocke Schatzkammermuseum möglich war - und wo die kostbare Beute ist. Mit Spannung wird der Prozess gegen sechs Beschuldigte am Landgericht der Elbestadt erwartet, der am kommenden Freitag (28. Januar) beginnt. Die Große Strafkammer verhandelt wegen des Alters zweier Angeklagter zur Tatzeit als Jugendkammer und im besonders gesicherten Saal des Oberlandesgerichts. Sie hat sich auf Monate eingestellt und bis Ende Oktober zunächst 64 Tage terminiert, Fortsetzung möglich.

Es war eine Minutensache: Zwei Männer dringen am Morgen des 25. November 2019 ins Residenzschloss ein, schlagen mit einer Axt Löcher in eine Vitrine und reißen 21 Schmuckstücke heraus. Laut Anklage erbeuteten die Beschuldigten über 4300 Diamanten und Brillanten im Gesamtversicherungswert von mindestens 113,8 Millionen Euro - und verursachten Sachschäden von gut einer Million Euro. Der Kunstdiebstahl machte auch international Schlagzeilen und schockte nicht nur die Museumswelt.

Entsprechend hoch ist das Medieninteresse. Auch die Zahl der Verfahrensbeteiligten macht den Prozess besonders: allein 14 Verteidiger - Anwälte aus Dresden, Leipzig, Berlin, Hannover und Hamburg -, drei Staatsanwälte, Dutzende Zeugen.

Nach Überzeugung der Ermittler geht der Coup auf das Konto von Mitgliedern eines arabischstämmigen Berliner Clans, der auch im Zusammenhang mit dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Bode-Museum in Berlin 2017 steht. Die bis zum Sommer 2021 nach und nach gefassten Verdächtigen sind drei Brüder und deren Cousins. Die Staatsanwaltschaft ist sicher, dass die unmittelbar Tatbeteiligten angeklagt sind: wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.

Sie wirft ihnen auch vor, vor dem Einbruch einen Stromkasten in Schlossnähe sowie ein Fluchtauto in der Tiefgarage eines Wohnhauses in Brand gesetzt und damit den möglichen Tod von darüber schlafenden Menschen in Kauf genommen zu haben. Und sie sollen bewaffnet gewesen sein. Besonders pikant: Gegen zwei von ihnen lief zur Tatzeit der Prozess wegen der Goldmünze am Berliner Landgericht. Sie waren noch auf freiem Fuß. Im Februar 2020 wurden sie zu je viereinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt und sind inzwischen rechtskräftig hinter Gittern - und ihre mutmaßlichen Komplizen in Untersuchungshaft.

DNA-Spuren aus Autos und vom Tatort, Videos, Daten und Zeugenaussagen stützen den Ablauf der Tat, von dem die Staatsanwaltschaft ausgeht. „Das Verbrechen ist insoweit aufgeklärt“, sagt ein Sprecher. Die Sonderkommission „Epaulette“, benannt nach einem der prominenten Beutestücke, ermittelt weiter zu den Hintergründen des dreisten Coups.

Es gibt den Verdacht, dass die Täter Insiderwissen hatten, und Vorwürfe, Wachpersonal habe mit Unterlagen zu Räumlichkeiten und Sicherheitssystem geholfen oder aktiv den Einbruch begünstigt. Hinreichenden Tatverdacht gegen vier Wachmänner gibt es bisher nicht. Vier andere Männer, Deutsche und Polen, die den Tatort ausgespäht hatten und an der Vorbereitung beteiligt gewesen sein könnten, wurden befragt. Und die Soko sucht weiter nach den gestohlenen Preziosen, in den Diamant- und Brillantgarnituren in der Vitrine sind Lücken gelassen für den Fall der Rückkehr.

„Wir tun alles Menschenmögliche, sie zurückzubringen“, sagt der Oberstaatsanwalt. Man sei weiter zuversichtlich. „Bisher wurden keine Hinweise für eine Zerstörung oder für den Verkauf gefunden“, begründet Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) die Hoffnung. Prominente Fälle zeigten, dass Jahre vergehen könnten bis zur Aufklärung solcher Straftaten. Noch immer ist eine Belohnung von 500 000 Euro ausgesetzt, auch für Hinweise, die zum Auffinden der Beute führen. Auch die eine Million Euro von privaten Kunstfreunden in Berlin steht noch bereit. Reden könnte sich auch für die Angeklagten auszahlen. „Die Rückgabe der Schmuckstücke könnte bei der Strafzumessung berücksichtigt werden“, sagt der Oberstaatsanwalt.

Auch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien hofft „selbstverständlich, dass die gestohlenen Schmuckstücke wieder auftauchen“, wie ein Sprecher sagt. Sie werde den Prozess „mit großem Interesse verfolgen“. Wichtig seien vor allem „die sorgfältige Aufklärung des Geschehens und die Lehren, die daraus für die Sicherheit der Museen in der Zukunft gezogen werden könnten“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

DWN
Panorama
Panorama Homeoffice einrichten: So gelingt der perfekte Heimarbeitsplatz
05.06.2026

Das Homeoffice gehört für viele Beschäftigte längst zum Alltag. Doch ein improvisierter Arbeitsplatz kann schnell zur Belastung werden....

DWN
Politik
Politik Söder contra Pistorius: Bundeswehr-Umbau sorgt für bayerischen Protest
05.06.2026

CSU-Chef Markus Söder kritisiert Pläne von Verteidigungsminister Boris Pistorius zur Reform regionaler Bundeswehr-Strukturen scharf. In...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Misere Ausbildungsmarkt: Weniger Ausbildungsplätze trotz steigender Nachfrage
05.06.2026

Der Anteil der Betriebe, die noch ausbilden, hat 2025 einen neuen Tiefpunkt erreicht. Der Rückgang des Angebots an Ausbildungsstellen...

DWN
Politik
Politik Umfrage beziffert wackelige Zukunft: Deutsche zweifeln an Koalition und Sozialpolitik
05.06.2026

Das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der Politik schwindet massiv: Fast drei Viertel der Deutschen bezweifeln laut dem aktuellen...

DWN
Technologie
Technologie Appell an die Tech-Riesen: Anthropic fordert globale KI-Pause
05.06.2026

Der OpenAI-Rivale Anthropic plädiert überraschend für eine kontrollierte Pause bei der Entwicklung extrem leistungsstarker Künstlicher...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Belügt Putins Generalstab den Kremlchef über die Front?
05.06.2026

Eine geleakte Karte aus dem russischen Verteidigungsministerium wirft neue Fragen über Putins Informationslage im Ukraine-Krieg auf....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nach Drohnenangriffen: Moskau muss erstmals Einbruch der Ölförderung einräumen
05.06.2026

Die ukrainischen Angriffe auf die russische Energie-Infrastruktur zeigen Wirkung: Vize-Regierungschef Alexander Nowak hat beim...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gigant der Meere: Ein Blick an Bord der LNG-Tanker für Deutschlands Gasversorgung
05.06.2026

Um den weltweiten Bedarf zu decken, transportieren riesige Spezialschiffe verflüssigtes Erdgas über die Ozeane. Einer dieser Giganten,...