Deutschland

Mieten bezahlbarer geworden? Mieterbund widerspricht Eigentümern

Der Deutsche Mieterbund widerspricht dem Eigentümerverband Haus & Grund, wonach Mieten in den vergangenen Jahren bezahlbarer geworden sind.
25.01.2022 14:21
Aktualisiert: 25.01.2022 14:21
Lesezeit: 2 min
Mieten bezahlbarer geworden? Mieterbund widerspricht Eigentümern
Blick auf sanierte Altbauten. Selbst die Corona-Krise hat den Immobilienboom in Deutschland bisher nicht zum Erliegen gebracht. (Foto: dpa) Foto: Carsten Rehder

Wohnen zur Miete ist einer Studie des Eigentümerverbands Haus & Grund zufolge in den vergangenen Jahren bezahlbarer geworden - und zwar auf dem Land und in den Großstädten. Im Zeitraum 2015 bis 2020 seien die Löhne im Schnitt um 11,3 Prozent gestiegen, Bestandsmieten aber lediglich um 6,0 Prozent und Neuvermietungen um 6,6 Prozent, teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit. Der Deutsche Mieterbund hielt dem entgegen, die durchschnittliche Lohnentwicklung allein sei nicht aussagekräftig genug. „Menschen mit weniger prall gefülltem Geldbeutel haben nichts davon, wenn Gutverdiener mehr verdienen"“ sagte Mieterbund-Präsident Lukas Siebenkotten.

Haus&Grund-Präsident Kai Warnecke betonte, die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP müsse ihre Politik zielgenauer ausrichten. Vor allem der soziale Wohnungsbau müsse wiederbelebt werden. Die Ampel-Koalition will, dass über vier Jahre 1,6 Millionen Wohnungen gebaut werden. Das sei ein sehr pauschales Ziel. „Das bringt uns nicht voran.“ Vielmehr müsse die Bundesregierung bestimmten Personengruppen helfen, die Probleme hätten, ihre Mieten zu stemmen. „Dazu zählen insbesondere Alleinerziehende, alleinstehende Rentner sowie Studenten.“

Regeln zum Schutz von Mietern seien dringend erforderlich, nicht nur für einzelne Gruppen, forderte Mieterbund-Präsident Siebenkotten. „Mittlerweile muss jeder vierte Haushalt in den deutschen Großstädten mehr als 40 Prozent für die Miete ausgeben. Bei zwölf Prozent der Haushalte beträgt der Mietanteil sogar mehr als die Hälfte des Einkommens.“ Dies sei eine alarmierende Tendenz, die arm mache und zur Verschuldung beitrage. Jüngste Zahlen für 2021 unterstrichen die rasante Entwicklung zu steigenden Mieten. Im Bestand seien sie im Vergleich zu 2020 um 4,1 Prozent angezogen, bei Neubauten habe das bundesweite Plus bei sieben Prozent gelegen - also deutlich oberhalb der Inflationsrate von 3,1 Prozent.

Laut der Studie des Eigentümerverbands ist das Wohnen bei den Bestandsmieten nur in vier Landkreisen teurer geworden, in 19 nahezu gleich geblieben und in 378 sind die Löhne schneller gestiegen. Bei Neuvermietungen sei das Wohnen in 300 Kreisen erschwinglicher geworden, in 55 teurer und in 46 weitgehend unverändert. In den sieben größten Städten Deutschlands seien die Löhne jeweils stärker gestiegen als die Mieten, in München und Berlin besonders deutlich. „Berlin holt gewaltig auf“, sagte Warnecke mit Blick auf die Einkommen. Das stehe im Gegensatz zur gefühlten Situation: „Das meiste Wehklagen kommt ja aus Berlin.“

Der Verband hat nach eigenen Angaben den Zeitraum 2015 bis 2020 unter die Lupe genommen, weil es in dieser Zeit besonders viele Klagen gegeben habe, dass die Mieten explodierten. Bei der Lohnentwicklung hat Haus & Grund auf Daten der Bundesagentur für Arbeit zu sozialversicherungspflichtigen Bruttoarbeitsentgelten zurückgegriffen und den Mittelwert für Vollzeitbeschäftigte genommen.

Am erschwinglichsten ist demnach das Wohnen von 2015 bis 2020 zur Bestandsmiete in der Uckermark geworden, bei Neuverträgen ist es der Landkreis Vorpommern-Greifswald. Für Bestandsmieter hat sich die Lage in Göttingen am schlechtesten entwickelt. Bei Neuverträgen hat sich das Wohnen vor allem in bayerischen Landkreisen deutlich verteuert, im Verhältnis zu den Löhnen am stärksten in Kempten und Landsberg am Lech.

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