Finanzen

Deutsche Wirtschaft an Lagarde: Brauchen Zinswende nach US-Vorbild

Die deutsche Wirtschaft fordert von der EZB, dass sie nach dem Vorbild der US-Notenbank Fed eine baldige Zinswende einleitet.
27.01.2022 09:43
Aktualisiert: 27.01.2022 09:43
Lesezeit: 1 min

Nach der Ankündigung einer Zinswende der US-Notenbank Fed sieht die deutsche Wirtschaft angesichts der hohen Inflation jetzt auch die Europäische Zentralbank (EZB) am Zug. „Die EZB muss nun dringend nachziehen um den Zweitrundeneffekten, insbesondere einer Lohn-Preis-Spirale, entgegenzutreten“, sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. „Es ist an der Zeit, die expansive Geldpolitik endlich zu beenden, auch wenn dies perspektivisch zu höheren Zinsen für die Staatshaushalte führt.“ Es sei schließlich nicht Aufgabe einer Zentralbank, marode Staatshaushalte zu sanieren. Die Politiker in Europa müssten ihre Hausaufgaben selbst machen. Dazu gehöre auch, die Staatsausgaben endlich auf den Prüfstand zu stellen.

„Viele deutsche Unternehmen hoffen jetzt auf ein wohldosiertes und zugleich klares Zinssignal der EZB“, sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Bei den sprunghaft gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen handele es sich zwar vornehmlich um importierte Preistreiber. „Jetzt kommt es darauf an, dass sich daraus keine Inflationsspirale entwickelt“, sagte Treier. „Denn das ist gefährlicher Sprengsatz für jede Volkswirtschaft – insbesondere für unsere.“

Wenn diese Preissteigerungen weiterhin von der Geldpolitik ignoriert würden, schwäche das den Euro im Vergleich zum Dollar. „Denn die höheren US-Zinsen ziehen Kapital in die Vereinigten Staaten und den Dollarkurs nach oben“, sagte DIHK-Experte Treier. „Eine ungünstige Euro-Kursentwicklung könnte die importierte Inflation weiter anfachen.“ Deshalb wäre das Gebot der Stunde aus Sicht der deutschen Wirtschaft, seitens der EZB jetzt ein klares Signal zu senden und im Jahresverlauf eine maßvolle Zinserhöhung einzuleiten.

Angesichts der hohen Inflation will die US-Notenbank rasch die Zinswende einleiten und danach die aufgeblähte Bilanz eindampfen. Die Federal Reserve erklärte am Mittwochabend, eine Erhöhung der Zinsen sei bald angebracht. Laut Fed-Chef Jerome Powell stehen die Währungshüter für eine Straffung im März bereit, wenn es die Bedingungen erfordern. Weitere Anhebungen im Laufe des Jahres dürften folgen. Die EZB kommt nächsten Donnerstag zu ihrer ersten Zinssitzung in diesem Jahr zusammen. Ihre Präsidentin Christine Lagarde schließt bislang eine Abkehr von der Nullzinspolitik noch in diesem Jahr aus.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Tanken in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...

DWN
Politik
Politik Moskau bestätigt Kriegsziel nach Angriff auf Fabrik: Ukraine entwaffnen
11.03.2026

Nach einem ukrainischen Angriff mit mehreren Toten reagiert Moskau – und macht auch Großbritannien Vorwürfe. Kremlsprecher Dmitri...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Fehlentscheidungen im Recruiting: Warnsignale im Bewerbungsprozess früh erkennen
11.03.2026

Unternehmen stehen zunehmend vor der Herausforderung, neue Mitarbeiter nicht nur fachlich, sondern auch in ihrer Motivation und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tiefer Fall der Luxusmarke: Porsche meldet drastischen Gewinneinbruch um 91,4 Prozent
11.03.2026

Verkaufsminus in China, Verbrenner-Comeback, Gewinne in Trümmern: Für die Luxusmarke Porsche war 2025 ein Jahr zum Vergessen. Das zeigt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsratswahl 2026: Millionen Beschäftigte wählen – Gewerkschaften unter Druck
11.03.2026

Der Wahlkampf um neue Betriebsräte läuft auf Hochtouren: Sie gehören zu den größten Abstimmungen in Deutschland. Doch was können die...

DWN
Politik
Politik Trumps widersprüchliche Signale im Iran-Krieg: Märkte schwanken zwischen Hoffnung und Risiko
11.03.2026

Die widersprüchlichen Signale aus Washington und Teheran sorgen an den Finanzmärkten für große Unsicherheit über den weiteren Verlauf...