Deutschland

Benzin und Diesel in Deutschland so teuer wie nie

Noch vor eineinhalb Jahren war die Fahrt zur Tankstelle so billig wie lange nicht mehr. Jetzt ist sie so teuer wie nie. Superbenzin der Sorte E10 hat seinen alten Rekordstand aus dem Jahr 2012 übertroffen, Diesel ist schon länger auf Rekordniveau.
02.02.2022 11:47
Lesezeit: 2 min
Benzin und Diesel in Deutschland so teuer wie nie
11.11.2015, Bayern, Kaufbeuren: Hinter einer Zapfpistole sind an einer Tankstelle Benzinpreise zu sehen. Benzin und Diesel, Heizöl, Gas und Strom werden immer teurer. (Foto: dpa) Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Superbenzin der Sorte E10 ist in Deutschland so teuer wie nie. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Dienstags kostete ein Liter 1,712 Euro, wie der ADAC am Mittwoch mitteilte. Damit übertraf der Preis das bisherige Allzeithoch von 1,709 Euro vom 13. September 2012. Diesel kostete 1,640 Euro pro Liter - auch dies ist ein Rekord. Der Kraftstoff hatte in den vergangenen Monaten aber bereits immer wieder Höchststände erreicht. Binnen Wochenfrist hat E10 damit 3,1 Cent pro Liter zugelegt, Diesel 2,9 Cent.

Die Spritpreise steigen nach einer kurzfristigen Erholung im Herbst vergangenen Jahres seit Wochen an. Treiber ist vor allem der Ölpreis. Dahinter stecken wirtschaftliche und politische Faktoren: Das Angebot ist knapp und die Nachfrage solide. Zudem sorgen die politischen Spannungen an der russisch-ukrainischen Grenze für einen kräftigen Risikoaufschlag auf dem Ölmarkt. Russland ist einer der größten Erdölförderer der Welt.

„Viele Autofahrer machen sich wegen der aktuellen Preisentwicklung große Sorgen“, sagt Jürgen Albrecht, Kraftstoffmarkt-Experte des ADAC. Doch wie es weiter gehe, sei extrem schwierig vorherzusagen. Es gebe zu viele Faktoren, die Einfluss auf den Preis haben. „Das sind neben der Nachfrage auch internationale Krisen wie derzeit in der Ukraine, der Dollarkurs, Spekulation und natürlich der weitere Verlauf der Corona-Pandemie.“

Es gebe aber auch Faktoren, die einen weiteren Anstieg auf lange Sicht eher bremsen würden, sagt Albrecht. „So macht ein hoher Ölpreis Fracking finanziell wieder interessanter, was für mehr Angebot sorgt. Und es wäre auch nicht im Interesse der Opec+, auf Dauer einen zu hohen Ölpreis zu haben.“ Und zumindest bei Diesel kommt in den nächsten Monaten hinzu, dass der saisonale Effekt, dass dieser Kraftstoff im Winter wegen seiner Ähnlichkeit zum Heizöl teurer ist, nachlassen dürfte.

Insgesamt sei die Wahrnehmung der Spritpreise derzeit stark von der Entwicklung der vergangenen zwei Jahre geprägt, sagt Albrecht. Vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie hatte es sehr niedrige Preise gegeben. Vergleicht man dagegen mit den alten Höchstständen aus dem Jahr 2012, ergibt sich fast Preisstabilität. Dahinter steckt, dass der Ölpreis seit jeher volatil ist und so auch die Spritpreise mit auf eine Berg- und Talfahrt schickt.

Ein großer Teil des Kraftstoffpreises an der Zapfsäule sind Steuern und Abgaben. Bei Super E10 sind das auf dem aktuellen Preisniveau gut 27 Cent Mehrwertsteuer, knapp 65,5 Cent Energiesteuer sowie der Kohlendioxid-Preis, der bei E10 ohne Mehrwertsteuer je nach wirklicher Biospritbeimischung zwischen 6 und 7 Cent ausmacht. Weil ein Teil dieser Werte konstant ist, bremst dies die Entwicklung der Spritpreise im Vergleich zum Ölpreis ab.

Wie stark die steigenden Kosten an der Zapfsäule einen Autofahrer treffen, hängt vor allem von seinem Auto, seiner Fahrleistung und der Frage ab, mit welchen Spritpreisen man vergleicht. Legt man beispielsweise Super E10, 12 000 Kilometer im Jahr und einen Verbrauch von 7,5 Litern pro 100 Kilometern zugrunde, wären es im Vergleich zum Durchschnittspreis des Januar 2020 - also vor Corona - monatliche Mehrkosten von gut 23 Euro. Vergleicht man dagegen mit dem Tief im April und Mai, sind es bei gleicher Fahrleistung mehr als 40 Euro pro Monat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Immobilien
Immobilien Ruheständler im Osten haben weniger im Portemonnaie
01.09.2026

Im Osten reicht das Einkommen im Ruhestand etwas weniger weit – und Eigentum ist seltener. Besonders bei der Wohnsituation zeigt sich ein...

DWN
Politik
Politik Deutschland entkommt russischem Gas und landet in der nächsten Falle
01.09.2026

Deutschland hat sich vom russischen Pipelinegas gelöst und setzt nun stark auf Flüssiggas. Doch inzwischen kommt ein Großteil des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose 2029: Wall Street hält 300.000 US-Dollar für den Bitcoin-Kurs für möglich
01.09.2026

Steigende Renditen am Anleihemarkt, hohe Staatsschulden und neue Eingriffe der US-Regierung lassen Anleger wieder nach Alternativen suchen....

DWN
Politik
Politik So blickt das Ausland auf die Wahl in Sachsen-Anhalt: Die AfD erschüttert Deutschland
01.09.2026

Sachsen-Anhalt steht vor einer Wahl, deren Folgen weit über das Bundesland hinausreichen könnten. Eine außergewöhnlich starke AfD, eine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Ölpreis steigt nach erneuten Feindseligkeiten zwischen USA und Iran
31.08.2026

Geopolitische Spannungen und Zinsängste rütteln die Märkte auf – welche Aktien jetzt dennoch zulegen können.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Google-Suche: EU zwingt den Tech-Giganten Alphabet zum Kurswechsel
31.08.2026

Google lockert in Europa eine umstrittene Regel, die Medien mit kommerziellen Partnerinhalten in der Suche empfindlich treffen konnte. Der...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt: AfD vor Wahlsieg – welche Regierung ist möglich?
31.08.2026

Die AfD liegt in Sachsen-Anhalt klar vorn, ihr Spitzenkandidat mobilisiert Tausende und setzt auf Emotionen. Während die CDU um Anschluss...

DWN
Technologie
Technologie Hohe Preise, große Hoffnungen: Wie Foldables Smartphone-Innovationen prägen
31.08.2026

Der Smartphone-Markt sucht seit Jahren nach dem nächsten großen Sprung. Samsung glaubt, ihn in faltbaren Geräten und KI gefunden zu...