Deutschland

Deutscher Handel mit Osteuropa steigt auf Rekord-Stand

Der Handel zwischen Deutschland und Osteuropa hat 2021 erstmals die Marke von 500 Milliarden Euro geknackt.
10.02.2022 16:55
Aktualisiert: 10.02.2022 16:55
Lesezeit: 2 min
Deutscher Handel mit Osteuropa steigt auf Rekord-Stand
Die Lkw auf der A12 in Richtung polnische Grenze zeigen, dass der Handel mit Osteuropa boomt. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Der Handel zwischen Deutschland und den osteuropäischen Ländern hat 2021 erstmals die Marke von einer halben Billion Euro übertroffen. Die Exporte und Importe mit den insgesamt 29 Ländern erreichten ein Gesamtvolumen von mehr als 502 Milliarden Euro, wie der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft am Donnerstag in Berlin mitteilte. Das entspricht einem Zuwachs von 18,7 Prozent oder rund 80 Milliarden Euro im Vergleich zu 2020. Dabei exportierten deutsche Unternehmen Waren im Gesamtwert von 254 Milliarden Euro in die Region - ein Zuwachs von 18,3 Prozent. Die Importe von dort schnellten um 19,1 Prozent auf 248 Milliarden Euro nach oben.

"Wir alle profitieren von einem engmaschigen Netz an Geschäftsverbindungen und Lieferbeziehungen mit unseren östlichen EU-Nachbarn, aber auch mit wichtigen Partnerländern wie Russland, der Ukraine und Kasachstan", sagte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Oliver Hermes. Dies dürfte nicht durch ungelöste politische Konflikte aufs Spiel gesetzt werden, hieß es angesichts der russischen Truppen an der Grenze zur Ukraine. "Wir brauchen keine Kriegsplanungen und protektionistische Maßnahmen, sondern neue Perspektiven für die Intensivierung unserer Zusammenarbeit", so Hermes.

POLEN NUMMER EINS VOR TSCHECHIEN

Polen ist mit Abstand der wichtigste deutsche Handelspartner in der Region: Der bilaterale Warenaustausch legte 2021 um fast ein Fünftel auf 145,6 Milliarden Euro zu. "Polen füllt die Lücke, die der EU-Austritt Großbritanniens gerissen hat. Das Land ist nach China, den Niederlanden, den USA und Frankreich unser fünftwichtigster Auslandsmarkt und damit längst ein Grundpfeiler der deutschen Außenwirtschaft", sagte Hermes.

Hinter Polen folgt Tschechien an zweiter Stelle. Hier lag das bilaterale Handelsvolumen 2021 mit 97 Milliarden Euro (+16,7 Prozent) nur noch knapp unter der 100-Milliarden-Marke. "Tschechien hat mit seinen knapp elf Millionen Einwohnern eine unglaubliche Erfolgsgeschichte geschrieben und ist vielleicht der größte Hidden-Champion unter den Ost-Ausschuss-Ländern", sagte Hermes.

Wieder an die dritte Stelle im Osthandel hat sich Russland vorgeschoben und damit Ungarn knapp auf den vierten Platz verwiesen. Das Handelsvolumen mit Russland sprang im abgelaufenen Jahr um über 34 Prozent auf nun knapp 60 Milliarden Euro nach oben. "Hier machen sich die zuletzt deutlich gestiegenen Energiepreise bemerkbar", sagte Hermes. "Erfreulich ist, dass umgekehrt auch die russische Nachfrage nach deutschen Gütern um 15 Prozent gestiegen ist."

Mit einem Volumen von 8,5 Milliarden Euro hat auch der deutsch-ukrainische Handel einen neuen Rekord aufgestellt. Erneut wuchsen dabei die Importe aus der Ukraine mit 23 Prozent kräftiger als die deutschen Exporte dorthin (+17,3 Prozent). Dies beweise, dass immer mehr ukrainische Unternehmen auf dem EU-Markt konkurrenzfähig seien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Rallye an der Wall Street endet, da Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis in die Höhe treiben
03.06.2026

Lesen Sie, welche überraschenden Wendungen die Finanzmärkte in Atem halten und warum Anleger jetzt besonders wachsam sein müssen.

DWN
Politik
Politik Österreich und Portugal im UN-Sicherheitsrat, Deutschland nicht - eine historische Niederlage
03.06.2026

Niederlage in New York: Deutschland ist erstmals mit seiner Bewerbung um einen Sitz im mächtigsten UN-Gremium gescheitert. Stattdessen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Hat Deutschland die Lösung für Europas Stromnetz-Krise gefunden?
03.06.2026

Deutschland erlebt einen Solarboom auf Dächern, Balkonen und Parkplätzen. Während Dänemark unter einem überlasteten Stromnetz leidet,...

DWN
Politik
Politik Großbritanniens EU-Rückkehr: Realistische Option oder politischer Wunschtraum?
03.06.2026

Erst galt der Brexit als endgültig, nun spricht ein Labour-Schwergewicht offen von Großbritanniens EU-Rückkehr. Hinter der neuen...

DWN
Politik
Politik Investitionen in die Energiewende: EU-Kommission will mehr Schulden erlauben
03.06.2026

Die EU-Kommission schlägt vor, dass Mitgliedsstaaten für den Wandel zu sauberer Energie mehr Schulden machen dürfen, ohne Strafverfahren...

DWN
Finanzen
Finanzen Steigende Arbeitslosigkeit: Bundesagentur für Arbeit steuert auf Milliardendefizit zu
03.06.2026

Die schwierige wirtschaftliche Lage und der schwache Arbeitsmarkt in Deutschland haben erhebliche Auswirkungen auf den Haushalt der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreis: China bremst, doch die nächste Preiswelle rollt an
03.06.2026

Chinas Ölimporte sind eingebrochen, doch Entwarnung am Ölmarkt wäre riskant. Die Straße von Hormus bleibt blockiert, Washington...

DWN
Politik
Politik Vor Wirtschaftsforum: Selenskyj lobt Drohnenangriff auf Sankt Petersburg
03.06.2026

Russische Behörden haben ukrainische Angriffe gemeldet: Ukrainische Drohnen trafen auch Energie- und Militäranlagen in St. Petersburg....