Finanzen

Kleinanleger wollen Silberpreis auf über 1.000 Dollar treiben

Eine kleine Gruppe von Anlegern will den Silberpreis auf über 1.000 US-Dollar treiben, da ihrer Argumentation zufolge die Edelmetall-Preise stark manipuliert seien. Gelingt ihnen der große Coup?
12.02.2022 11:14
Aktualisiert: 12.02.2022 11:14
Lesezeit: 2 min
Kleinanleger wollen Silberpreis auf über 1.000 Dollar treiben
Silberbarren mit einem Gewicht von jeweils 1000 Gramm, aufgenommen am 01.01.2011. Der Silberpreis hat sein historisches Hoch aus dem Jahr 1980 nach vielen Anläufen geknackt. (Foto: dpa) Foto: Wolfgang Hartmann

Kleinanleger auf der Online-Plattform „Reddit“ diskutieren über die Möglichkeit, den Silberpreis in die Höhe zu treiben. Dem „Tagesspiegel“ zufolge handelt es sich dabei um eine Gruppe, die sich „Silberaffen“ nennt. Sie ist auch auf dem Twitter-Kanal „Wall Street Silver“ aktiv.

Die Edelmetall-Aktivisten argumentieren, dass der Silberpreis künstlich unten gehalten wird. JPMorgan und andere US-Großbanken würden den Silberpreis-Markt manipulieren. Tatsächlich musste sich JPMorgan in der Vergangenheit wegen Silberpreis-Manipulationen gerichtlich verantworten.

Die Bank JP Morgan hatte 2020 stillschweigend eine langjährige Klage beigelegt, in der sie beschuldigt wurde, die Edelmetallmärkte mit „Spoofing“-Trades zu manipulieren. Die Bank stimmte zu, eine Strafe in Höhe von 920 Millionen US-Dollar zu zahlen, um staatliche Ermittlungen wegen fragwürdigen Verhaltensweisen auf den Edelmetall- und Treasury-Futures-Märkten beizulegen, so der Sender „CNBC“. Zum Verständnis: Das Ziel von „Spoofing“ ist es, Marktpreise so zu bewegen, dass die bereits bestehenden Positionen des Händlers auf dem Markt finanziell profitieren (…) Drei Kläger hatten J. P. Morgan Chase vorgeworfen, den Silber-Futures-Markt von 2010 bis 2011 durch Spoofing-Geschäfte manipuliert zu haben.

Die „Silber-Affen“ führen aus, dass eine starke Nachfrage den Silberpreis treiben müsste, worauf sie hinarbeiten.

Benjamin Louvet, Fondsmanager bei Ofi Asset Management (Ofi AM), sagt: „Behauptungen, der Silber- oder sogar der Goldpreis sei manipuliert, werden seit Jahren immer wieder laut. Wir haben das nie ernst genommen und nehmen es auch heute nicht ernst.“

Doch Daniel Briesemann, Rohstoffanalyst der Commerzbank, widerspricht dem: „Die seriösen, großen Silber-ETFs melden jeden Tag ihre Silberbestände.“ Er meint, dass die ETFs durch Edelmetalle gedeckt seien. Ein Anstieg des Silberpreises bis Ende 2023 auf 30 US-Dollar hält er für möglich, wobei ein Anstieg auf 1.000 US-Dollar unwahrscheinlich sei, meint er.

Von 1979 bis 1980 versuchten die „Hunt Brothers“ Silber zu horten, um so den Preis manipulieren zu können. Dann ereignete sich am 27. März 1980 der sogenannte „Silver Thursday“. In etwas mehr als einem Kalenderjahr stieg der Silberpreis um 713 Prozent auf knapp 50 US-Dollar pro Unze. Damals wurde behauptet, dass die Hunt Brothers 1/3 des weltweiten Silbers in ihrem Besitz hatten, obwohl der Großteil des Silbers als Future-Kontrakte und nicht nur in physischer Form gehalten wurde. „BullionVault“ wörtlich: „Nelson Bunker Hunt veranlasste bewiesenermaßen seinen Bruder Herbert Hunt zu einer Spekulation, bei der sie zusammen mit Geschäftspartnern aus dem Nahen Osten über 280 Millionen Feinunzen Silber kauften und somit versuchten, den Silberpreis in die Höhe zu treiben.“

Der Silberpreis ist offenbar anfällig für Manipulationen. Während er bisher nahezu künstlich unten gehalten wurde, könnte er in naher Zukunft erneut in die Höhe schießen. Es ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass diesmal nicht in etwa Großbanken eine Silberknappheit herbeiführen, sondern eine Masse von Kleinanlegern. Dadurch könnte dem weißglänzenden Metall vielleicht sein wahrer Marktwert zugeordnet werden.

Allerdings sind Prognosen für den Edelmetallmarkt immer mit Vorsicht zu genießen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...