Finanzen

DWN-Wochenausblick: Krieg in der Ukraine bringt Landwirtschafts-Aktien in Wallungen

Lesezeit: 2 min
21.03.2022 13:25  Aktualisiert: 21.03.2022 13:25
Die Börsen holen in der laufenden Woche etwas Luft. Eine Branche interessiert derzeit die Anleger besonders.
DWN-Wochenausblick: Krieg in der Ukraine bringt Landwirtschafts-Aktien in Wallungen
Am 24. März wird ein besonderer Dax-Konzern ganz wichtige Zahlen vorlegen. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Das deutsche Leitbarometer hat am Montag zum Wochenstart eine Verschnaufpause eingelegt und pendelte bis 14 Uhr bei Werten um 14.400 Punkten herum. Der Dax hatte in der vergangenen Woche satte sechs Prozent zugelegt, nachdem er zuvor durch den Krieg in Osteuropa bis auf 12 438 Zähler eingekracht war und ein neues Zwischentief erreicht hatte.

Durch die Preisexplosion für Dünger und Saatgut sind Aktien in den Fokus gerückt, deren Unternehmen aus der Agrarindustrie stammen. Ganz wichtig: Belarus und Russland steuern ein Drittel zur Weltproduktion von Kalisalz bei, das die Grundlage für die Produktion von Dünger bildet. Deshalb wirken sich die Sanktionen des Westens gegen diese beiden Länder besonders auf die Produzenten dieser Industrie aus.

Dazu zählt die Aktie des Kasseler Herstellers K+S (ISIN: DE000KSAG888), das bis 14 Uhr 6,6 Prozent auf 27,02 Euro gewann. Der Kurs ist bereits in den vergangenen zwölf Monaten durch die Decke gegangen: So haben die Anleger auf dem Chart einen riesigen Satz um 215 Prozent gesehen. In den vergangenen drei Jahren ist K+S um mehr als 50 Prozent gestiegen. Experten gehen davon aus, dass der Kurs noch weiteres Potenzial hat, weil das Embargo des Westens gegen Russland und Belarus zu einer Verknappung der Düngemittel in Westeuropa führen. Dadurch dürften die Preise noch weiter klettern.

K+S hält an Prognose fest

Der Düngemittel-Produzent K+S hat Anfang März die Anleger damit positiv überrascht, dass das Unternehmen seine Prognose bekräftigt hat – dem Krieg in Osteuropa zum Trotz. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem Anstieg des operativen Ergebnisses auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Es dürfte sich damit im Vergleich zum Vorjahreswert mehr als verdoppeln. „Mit der genannten Bandbreite würden wir das bisher beste Ergebnis unserer Firmengeschichte erwirtschaften. Selbst mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und der damit verbundenen Dynamik bei den Absatzpreisen sowie den Energierisiken halten wir an dieser Prognose fest,“ sagte Burkhard Lohr, Vorsitzender des Vorstands.

Davon dürften auch die Dividenden profitieren. Der Vorstand wird für 2021 der Hauptversammlung ein Volumen von 0,20 Euro vorschlagen. Für 2022 wird der Hersteller wohl 0,88 Euro je Anteilsanschein ausschütten, schätzen die Analysten. Wiederum zwölf Monate später werden die Aktionäre wahrscheinlich 0,89 Euro erhalten. Doch 2024 wird es wohl wieder Rückgänge geben, glauben die Experten. Denn dann können die Anleger nur noch mit 0,32 Euro rechnen.

KWS SAAT nimmt seine Erwartungen zurück

Darüber hinaus gehörte das Papier von KWS SAAT (ISIN: DE0007074007) zu den Gewinnern am Montag. So hat der Kurs 1,5 Prozent auf 66,20 Euro zugelegt. Die Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten neun Prozent eingebüßt. In den vergangenen drei Jahren hat es eine Steigerung um 13 Prozent gegeben.

Doch hier reagierte der Vorstand vollkommen anders auf den Krieg als die Führung von K+S: So nahm das Unternehmen seine Prognose zurück. Das Umsatzwachstum dürfte 2021/2022 mit sechs bis acht Prozent jeweils drei Prozentpunkte unter dem bisherigen Ziel liegen, erklärte die Führungsriege. Vom erzielten Umsatz sollen nun acht bis Prozent als Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) bleiben. In einer kurz zuvor präsentierten Vorhersage war der Vorstand noch von einer Marge von zehn Prozent ausgegangen. „Die Prognosen stehen unter dem Vorbehalt einer weiteren Zuspitzung des Konflikts und beruhten auf aktuellen Wechselkursrelationen“, erklärte das Management.

Die Rücknahme der Prognose wirkt sich allerdings nicht negativ auf die Zahlung der Dividende aus: So wird der Vorstand für 2022 0,86 Euro ausschütten, nachdem er für das vergangene Jahr bereits 0,80 Euro gezahlt hat. 2023 wird das Volumen wohl bei 0,93 Euro liegen, während es 2024 wahrscheinlich 0,94 Euro betragen wird. Damit rechnen die Analysten.

Allerdings stehen in der laufenden Woche nicht nur landwirtschaftliche Aktien im Mittelpunkt, sondern auch ein Papier aus dem Dax. Dabei müssen sich die Anleger den 24. März in ihrem Terminkalender festhalten. Dann wird HeidelbergCement seine Zahlen für das vierte Quartal vorlegen. Die Fachleute rechnen mit einem Plus je Aktie von 1,91 Euro. Zwölf Monate zuvor hatte der Gewinn je Anteilsschein noch bei 1,81 Euro gelegen. Fürs Gesamtjahr rechnen die Analysten mit einem Plus von 8,28 Euro. 2023 dürfte das Volumen wohl bei 8,98 Euro liegen, glauben die Experten.


Mehr zum Thema:  

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik Reservisten-Präsident und Militärexperte Patrick Sensburg: „Die Ukraine braucht Langstreckenwaffen“
23.06.2024

Seit Ende Mai ist es der Ukraine erlaubt, mit westlichen Waffen Ziele in Russland zu beschießen. Im DWN-Interview erklärt Patrick...

DWN
Finanzen
Finanzen Sterben der Bankfilialen: Ein stiller Vorbote für das Ende des Bargelds?
23.06.2024

In Deutschland schrumpft das Netz der Bankfilialen dramatisch. Diese Entwicklung wirft nicht nur Fragen zur Zukunft des Bargelds auf,...

DWN
Immobilien
Immobilien Berlin wächst: Neue Hochhäuser am Gleisdreieck erweitern City am Potsdamer Platz
23.06.2024

Über Jahrzehnte lag das Gleisdreieck im städtischen Niemandsland von West-Berlin. Mit dem Fall der Mauer und der Bebauung des...

DWN
Technologie
Technologie Der Europäische Erdgasmarkt bleibt volatil – auch wegen neuer Abhängigkeiten
23.06.2024

Europa hat sich von Russlands Energiemonopol gelöst und Versorgungsalternativen gefunden. Auch deshalb bleibt die heimische Gasversorgung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Energiewende: Deutsche Wirtschaft durch Regularien und Bürokratie ausgebremst
23.06.2024

Bürokratie und ständig wechselnde Regularien erschweren deutschen Unternehmern die Energiewende im eigenen Betrieb – insbesondere die...

DWN
Politik
Politik Israel und Hisbollah: Ein größerer Krieg und seine möglichen Konsequenzen
23.06.2024

Der letzte große Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah liegt mittlerweile 18 Jahre zurück. Doch die aktuellen Grenzscharmützel, die...

DWN
Politik
Politik Appell an Scholz: Gewerkschaften und Sozialverbände fordern Milliardeninvestitionen
23.06.2024

Wohlfahrts- und Sozialverbände, die Gewerkschaft Verdi und das Kampagnennetzwerk Campact fordern den Bund zu Milliardeninvestitionen in...

DWN
Technologie
Technologie Fünf Jahre E-Scooter in Deutschland - Eine Bilanz
23.06.2024

E-Scooter sind für kurze Strecken gedacht. Doch häufig werden die elektrischen Tretroller auch auf Geh- und Radwegen abgestellt - oder in...