Unternehmen

Russland-Sanktionen für deutsche Gießereien „wirtschaftlich existenzbedrohend“

Branchenvertreter schlagen Alarm und fordern die Politik zum Handeln auf.
Autor
26.03.2022 11:11
Lesezeit: 2 min
Russland-Sanktionen für deutsche Gießereien „wirtschaftlich existenzbedrohend“
Rund 25 Prozent des in deutschen Gießereien eingesetzten Roheisens wurde bislang aus Russland importiert. (Foto: dpa)

Die Folgen der Sanktionen gegen Russland belasten deutsche Gießereien in „einem noch nie da gewesenen Ausmaß“. Ihre wirtschaftliche Situation sei „mehr als dramatisch“, wie der Bundesverband der Deutschen Gießerei-Industrie (BDG) schreibt. Schon die Corona-Pandemie hätte die Branche stark gebeutelt – und nun folge, anstatt einer zwischenzeitlich angedeuteten Erholung, bereits die nächste große Krise. Zwar würden sich die Auftragsbücher der Betriebe bereits wieder füllen. Doch trotzdem müssten sich einige Unternehmen aufgrund der Auswirkungen der Sanktion gegen Russland vor der Insolvenz fürchten. Die Gründe dafür liegen laut dem BDG vor allem in stark steigenden Energiepreisen und Beschaffungskosten.

So seien die Energiepreise in Deutschland und Europa durch den Ukraine-Krieg auf „ein noch die da gewesenes Höchstmaß“ angestiegen – doch auch zuvor hätten sich die Energiemärkte in Deutschland und Europa im Ausnahmezustand befunden. Für die Energie-intensive Gießerei-Industrie spiele dieser Faktor, so der BDG, besonders im Hinblick auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen eine große Rolle. Weil die enorme Preisentwicklung die Existenz der ganzen Branche in Deutschland gefährde, fordern die Branchenvertreter nun Lösungen seitens der Politik.

Härtefallforderungen sollen kurzfristig helfen, Insolvenzrisiken zu mindern, Soforthilfen in Formen von Zuschüssen oder KfW-Krediten bereitgestellt und Dialoge geführt werden. Darüber hinaus solle die Politik Entlastungen für Unternehmen in Schwierigkeiten vorbereiten und fixe Industriestrom- und Gaspreise prüfen. Vor allem aber fordert der BDG die Aussetzung „staatlich induzierter Belastungen“: „Die Gas- und Strompreise werden in Deutschland durch Abgaben, Umlagen und Steuern erheblich verteuert und sind dadurch bereits seit langer Zeit nicht mehr international wettbewerbsfähig.“ Angesichts der aktuellen Situation „sollten alle staatlichen Belastungen der Energiepreise mindestens bis Ende 2022 vollständig ausgesetzt werden.“

Ähnlich dramatisch schätzt der BDG die Rohstofflage ein: So würden gerade für die Gießerei-Industrie wichtige Rohstoffe wie Aluminium, Nickel, Zink, Magnesium und metallische Einsatzstoffe zu Höchstpreisen verkauft werden. Besonders heftig wären Eisen- und Stahlgießereien betroffen. Das in deutschen Gießereien eingesetzte Roheisen hätte schließlich bislang zu rund 25 Prozent aus Russland gestammt. Lieferfähige Alternativen gäbe es kaum, sodass der weltweite Engpass den Preis verdopple oder sogar verdreifache. Ein Ende der Preissteigerungen sei nicht absehbar – sogar Schrott würde deutlich teurer werden. In Häfen festsitzende Frachter sowie mangelndes LKW-Personal würden zudem für erhöhte Transportkosten sorgen.

Neben den kriegs- und sanktionsbedingten Materialengpässen würden auch der Personalmangel in der eigenen Branche sowie Materialkostensteigerungen, die andere Ursachen haben, die deutschen Gießereien belasten. Aufgrund geringer Umsätze in der Branche würden manche Unternehmer bereits über die Einschränkung oder gar Stilllegung ihrer Produktion nachdenken, wie der BDG schreibt. Schließlich resümieren die Branchenvertreter: „Die Lage für die Gießereien ist fatal: Die wirtschaftlichen Folgen bei bestehenden Verträgen mit den Kunden sind für die Gießereien verheerend.“ Einkaufsentscheidungen der Gießereien basierten zurzeit vordergründig auf Spekulationen. Deshalb sei es besonders wichtig, dass Gießer und ihre Kunden sich „an einen Tisch setzen“, sich eng abstimmen und die wirtschaftlichen Risiken gemeinsam tragen.

Dies diene dem gegenseitigen Verständnis der Geschäftspartner – höchste Priorität hingegen habe die politische „Sicherstellung der Überlebensfähigkeit der Deutschen Gießerei-Industrie“. Ähnliche Töne schlug kürzlich der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff an. Ein Import-Stopp russischen Erdgases würde „direkt zu Produktionsunterbrechungen, Kurzarbeit und gegebenenfalls Beschäftigungsverlusten führen.“ Darüber hinaus würden „dauerhafte Arbeitsplatzverluste und gravierende wirtschaftliche Schäden“ drohen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Chinas Einfluss in Russland: Putin droht der Kontrollverlust im Osten
25.09.2026

Während Putin und Xi demonstrativ Nähe zeigen, verschiebt sich im russischen Fernen Osten das Kräfteverhältnis. Chinesisches Kapital,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: US-Aktien schließen uneinheitlich, während sich die Rendite 10-jähriger Anleihen 5,2 Prozent nähert
24.09.2026

Erfahren Sie, welche Kräfte die Wall Street aktuell in Atem halten und was das für Ihre Anlagen bedeutet.

DWN
Politik
Politik Debatte im Bundestag: Neuer Anlauf für umstrittene Widerspruchsregelung bei Organspenden
24.09.2026

Tausende schwerkranke Patienten warten dringend auf ein Spenderorgan wie eine Niere oder eine Leber. Um die Zahl der Transplantationen zu...

DWN
Politik
Politik Tiefe Gräben beim Staatsvertrauen: Wie die Bürger das politische System bewerten
24.09.2026

Während eine breite Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland nach wie vor auf die Qualität der Demokratie vertraut, offenbart eine neue...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Audi China-Modelle: Diese Elektroautos will Audi in Deutschland stoppen
24.09.2026

Audi entwickelt Elektroautos eigens für China, doch plötzlich stehen sie bei Händlern in Deutschland. Was wie ein Erfolg der eigenen...

DWN
Politik
Politik EuGH-Urteil zu Energiepreisen: Grundsatzentscheidung stärkt Rechte der Verbraucher und widerspricht dem BGH
24.09.2026

Jahrelang zu hohe Beträge für Wärme gezahlt? Nach einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs verjähren...

DWN
Technologie
Technologie Rückgang bei Industrierobotern: Deutschland droht im weltweiten Wettlauf den Anschluss zu verlieren
24.09.2026

Trotz seiner führenden Rolle bei der industriellen Automatisierung in Europa gerät der Standort Deutschland im globalen Vergleich ins...

DWN
Politik
Politik Atempause beim Tanken vorbei? Spritpreise steigen wieder an
24.09.2026

Autofahrer müssen nach einer kurzen Verschnaufpause an den Zapfsäulen wieder mit höheren Ausgaben rechnen. Obwohl Benzin und Diesel im...