Politik

Proteste gegen die Krone: Großbritanniens Einfluss in der Karibik schmilzt rasant

Die Karibikreise von Prinz William und seiner Frau läuft nicht nach Plan. Beide werden dort mit den Sünden des britischen Kolonialismus konfrontiert. Londons Einfluss auf die Länder der Region schwindet zusehends.
25.03.2022 11:00
Aktualisiert: 25.03.2022 11:30
Lesezeit: 3 min
Proteste gegen die Krone: Großbritanniens Einfluss in der Karibik schmilzt rasant
Prinz William (r), Herzog von Cambridge, nimmt an einem Abendessen teil, zu dem Patrick Allen (l), Generalgouverneur von Jamaika, im King's House in Kingston geladen hat. (Foto: dpa) Foto: Toby Melville

Der britische Prinz William (39) und seine Frau, Herzogin Kate (40), sind auf den Bahamas eingetroffen. Die Inselgruppe ist die letzte Station der gut einwöchigen Karibiktour des Paares, bei der die Adligen bereits Belize und Jamaika besucht hatten. Sie wurden am Donnerstag von Premierminister Philip Davis empfangen. Sie reisen im Auftrag von Williams Großmutter Queen Elizabeth II. (95), die in den drei ehemaligen Kolonien noch immer das Staatsoberhaupt ist und in diesem Jahr ihr 70. Thronjubiläum feiert.

Die Besuche gelten als mediale und politische Charmeoffensive, nachdem sich der Karibikstaat Barbados im vergangenen Jahr von der britischen Krone getrennt hatte und zur Republik geworden war. Doch neben jubelnden Untertanen trafen William und Kate in den ehemaligen Kolonien auch auf Ablehnung und Forderungen nach einer Entschuldigung und Reparationen für durch die Briten begangenes Unrecht durch Sklaverei und Unterdrückung.

Auch auf den Bahamas traf der Besuch teilweise auf Kritik. In einer Mitteilung der Organisation The Bahamas National Reparations Committee hieß es: „Die Monarchie hat unser Land und unsere Leute jahrhundertelang geplündert und gebrandschatzt und uns mit einem Scherbenhaufen unterentwickelt zurückgelassen.“

Proteste in Belize

In Belize musste wegen Protesten sogar der Besuch auf einer Kakaofarm abgesagt werden. Hintergrund war ein Landkonflikt zwischen Anwohnern und einer Naturschutzorganisation, deren Schirmherr William ist.

Wegen „sensiblen Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Gemeinschaft in Indian Creek“ wurde der Besuch „an einen anderen Ort verlegt“, wie der Kensington-Palast bestätigte.

Medienberichten zufolge hatten Bewohner des Dorfes gegen den geplanten Besuch demonstriert. Auf Bildern waren Menschen mit Plakaten zu sehen, auf denen unter anderem stand: „Prinz William, verlasse unser Land.“ Der Protest richtete sich den Berichten zufolge dagegen, dass für den Besuch eine Kakaofarm ausgesucht worden war, die Verbindungen zu Flora and Fauna International (FFI) hat.

Zwischen der Naturschutzorganisation, deren Schirmherrschaft William übernommen hat, und der lokalen indigenen Bevölkerung herrscht ein Landkonflikt. „Sie müssen verstehen, dass dies Teil des kolonialen Erbes ist“, sagte Ortsvorsteher Mateo Chub dem lokalen TV-Sender Channel 5. Auch gab es laut den Berichten Ärger darüber, dass der Hubschrauber der Royals ohne Absprache mit der Gemeinde auf dem lokalen Fußballplatz landen sollte.

Das Paar sollte stattdessen einen Schokoladenproduzenten besuchen, wie die BBC berichtete. Auf Bildern, die der Kensington-Palast veröffentlichte, war zu sehen, wie das Paar bei strahlendem Sonnenschein mit militärischen Ehren in dem kleinen Karibikstaat empfangen wurde. Im Wind flatterte dazu die königliche Standarte - eine Erinnerung daran, dass William und Kate im Auftrag von Queen Elizabeth II. unterwegs sind.

Jamaika deutet Abschied von der Monarchie an

In Jamaika handelte sich der Zweite in der britischen Thronfolge Kritik ein, als er bei einer Rede zwar Bedauern über die Sklaverei äußerte, sich aber nicht zu einer Entschuldigung durchringen konnte.

William hat auf der Jamaika-Reise über Sklaverei gesprochen und die Praxis scharf verurteilt. „Ich möchte meine tiefe Trauer zum Ausdruck bringen. Sklaverei war abscheulich“, sagte der 39-Jährige bei einer Abendveranstaltung in der jamaikanischen Hauptstadt Kingston. „Sie hätte nie stattfinden sollen.“ Er stimme mit seinem Vater, dem britischen Thronfolger Prinz Charles überein, der im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Barbados gesagt hatte, „die entsetzliche Grausamkeit der Sklaverei“ werde immer ein Schandfleck der Geschichte sein.

Ein Vertreter einer jamaikanischen Rastafari-Gruppe sagte der Nachrichtenagentur PA zufolge: „Wir können nur Menschen vergeben, die anerkennen, dass das, was sie getan haben, falsch war und bereit sind, die Verletzung des von ihnen begangenen Unrechts wiedergutzumachen.“ Auch bei anderen Protesten hatten Hunderte Menschen Reparationen gefordert.

Im Rahmen des Besuchs hatte Jamaikas Premierminister Andrew Holness eine Lossagung des Landes von der britischen Krone angedeutet. „Wir ziehen weiter“, sagte er in Hinblick auf die jamaikanische Geschichte, neben William stehend, in der Hauptstadt Kingston vor Journalisten.

„Jamaika ist in den letzten 60 Jahren gewachsen und gereift, und mit dieser Reife ist der Wunsch nach vollständiger politischer Unabhängigkeit und Selbstbestimmung aufgekeimt“, schrieb Holness dazu auf Twitter. Der Karibikstaat feiert im August 60 Jahre Unabhängigkeit. „Ich habe dem Herzog gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass es in dieser Hinsicht unvermeidlich ist, dass wir uns darauf zubewegen, eine Republik zu werden und damit den Willen des jamaikanischen Volkes und unsere Ambitionen, ein unabhängiges, entwickeltes und wohlhabendes Land zu werden, zu erfüllen.“

Holness hatte bereits im Dezember gesagt, Jamaika müsse eine Republik werden. Wenige Tage zuvor hatte Barbados - ebenfalls eine karibische Ex-Kolonie Großbritanniens, die in den 1960er Jahren unabhängig geworden war - sich von der britischen Monarchie losgesagt und zu einer Republik erklärt.

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