Politik

Verfassungskrise in Pakistan: Ministerpräsident wirft USA vor, seinen Sturz zu betreiben

Die Atommacht Pakistan steht wahrscheinlich vor politischen Umwälzungen.
08.04.2022 10:00
Aktualisiert: 08.04.2022 10:00
Lesezeit: 1 min
Verfassungskrise in Pakistan: Ministerpräsident wirft USA vor, seinen Sturz zu betreiben
Pakistans Ministerpräsident Imran Khan. (Foto: dpa) Foto: K.M. Chaudary

Nach einem Urteil des Obersten Gerichts in Pakistan steht Ministerpräsident Imran Khan vor einem Machtverlust durch ein Misstrauensvotum. Das Gericht erklärte am Donnerstag die jüngste Auflösung des Parlaments für ungültig und kündigte an, dieses solle in zwei Tagen wieder zusammentreten. Das durch die Auflösung gestoppte Misstrauensvotum gegen den Regierungschef werde stattfinden. Khan kündigte auf Twitter an, weiter kämpfen zu wollen. Am Freitag will er sich an die Nation wenden. Khan hat im Parlament keine Mehrheit, seit sein wichtigster Verbündeter die Regierungskoalition verließ. Er hat versucht, mit einer Auflösung der Legislative dem Misstrauensantrag der Opposition zuvorzukommen. Der Streit stürzte die Atommacht in eine Verfassungskrise.

Khan hat den USA vorgeworfen, seinen Sturz zu betreiben, was die Regierung in Washington zurückweist. Nach den Äußerungen Khans kam es in Pakistan gleichwohl zu anti-amerikanischen Protesten.

Der 69-jährige Regierungschef steht unter anderem wegen einer schlechten Wirtschaftslage in der Kritik. Die Oppositionsparteien hatten ein Misstrauensvotum gegen den früheren Cricket-Spieler auf den Weg gebracht und Khan aufgefordert, noch vor der Abstimmung zurückzutreten. Der Vize-Parlamentspräsident stoppte das Votum jedoch, und Khan veranlasste Präsident Arif Alvi, das Parlament aufzulösen. Er forderte eine Neuwahl.

Sollte Khan das Misstrauensvotum verlieren, könnte die Opposition ihren eigenen Ministerpräsidenten stellen und bis August 2023 regieren. Shehbaz Sharif - Mitglied einer einflussreichen politischen Dynastie - erklärte nach dem Urteil, er sei von der Opposition dazu ausgewählt worden. Diese will nach früheren Angaben die Wahl zwar vorziehen, jedoch vorher durch neue Gesetze dafür sorgen, dass sie frei und fair verläuft. Der Wahlkommission zufolge könnte eine Abstimmung frühestens Oktober stattfinden.

Unklar blieb, wie das Militär reagiert. Es hat seit der Unabhängigkeit 1947 drei Mal eingegriffen, um zivile Regierungen zu stürzen. Beobachter haben erklärt, die Armee habe für Khan seit seiner Wahl 2018 zwar Sympathien gehegt. Die Unterstützung habe jedoch nachgelassen. In Pakistan hat noch nie ein gewählter Regierungschef eine komplette Amtszeit absolviert.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ripple startet RWA-Strategie, AMT DeFi-Verträge für erneuerbare Energien gehen live – XRP beginnt einen neuen Aufwärtszyklus

Mit der beschleunigten Einführung der RWA-Strategie (Real World Assets) durch Ripple entwickelt sich die Blockchain-Branche von reinem...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreisgrenze: EU senkt Preisobergrenze für russisches Öl ab 1. Februar
17.01.2026

Der Westen zieht die Daumenschrauben bei russischem Öl weiter an: Ab Februar sinkt die Preisobergrenze erneut. Ziel ist es, Moskaus...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldanlage 2026: Welche Assets Anleger und Sparer im Blick behalten sollten
17.01.2026

2026 bringt Anlegern neue Unsicherheiten – und neue Chancen. Zwischen schwankenden Börsen, geopolitischen Risiken und persönlichen...

DWN
Immobilien
Immobilien Risiken für Hausbesitzer: Top-Ökonom Asmussen warnt vor Preisschock bei Versicherungsprämien
17.01.2026

Extreme Wetterereignisse verändern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Europa und belasten zentrale Sicherungssysteme. Warnt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW Research: Ausgaben bei Forschung und Entwicklung stagnieren – Deutschlands Vorsprung schmilzt
17.01.2026

Deutschland zählt noch immer zu den größten Forschungsnationen – doch der Vorsprung schmilzt. Während andere Länder ihre...

DWN
Finanzen
Finanzen PayPal-Datenschutz: In drei Schritten zu mehr Privatsphäre beim Bezahlen
17.01.2026

PayPal weiß oft mehr über Ihre Zahlungen, als Ihnen lieb ist – und diese Informationen können für Werbung genutzt werden. Wer seine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Drogeriemarkt DM expandiert: Omnichannel-Strategie treibt Auslandsgeschäft an
17.01.2026

Der DM-Konzern treibt den Ausbau seines Auslandsgeschäfts trotz hoher Anlaufkosten gezielt voran. Geht die Skalierungsstrategie des...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Eberswalder Wurst: Fleischriese Tönnies macht Traditionsbetrieb dicht – warnendes Lehrstück für andere Unternehmen
16.01.2026

Mit der Schließung der Eberswalder Wurstwerke verschwindet ein weiterer DDR-Traditionsbetrieb. Das Werk im brandenburgischen Britz wird im...

DWN
Politik
Politik Trump setzt sich durch: Wie die Abstimmung im US-Senat den Kongress spaltet
16.01.2026

Donald Trump demonstriert erneut, wie eng seine Machtbasis im US-Kongress weiterhin ist, selbst bei umstrittenen außenpolitischen Fragen....