Finanzen

EZB sendet Signale für Zinserhöhung bereits im Juli

Von der EZB kommen zahlreiche Signale, dass sie angesichts der hohen Inflation eine erste Zinserhöhung bereits im Sommer durchführen könnte.
21.04.2022 11:59
Lesezeit: 1 min

"Ich sehe keinen Grund, warum wir unser Programm zum Kauf von Vermögenswerten nicht im Juli auslaufen lassen sollten", sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Aus heutiger Sicht sei dann auch eine Zinserhöhung im Juli möglich.

Etwa zeitgleich zu de Guindos hat sich auch EZB-Ratsmitglied Pierre Wunsch ganz ähnlich geäußert. Ein Zinsschritt im Juli sei "sicherlich ein Szenario, das ich in Betracht ziehen würde", sagte der Präsident der belgischen Notenbank ebenfalls in einem Bloomberg-Interview. Voraussetzung sei aber "eine weitere Inflationsüberraschung".

Ausschlaggebend für die Signale auf eine Zinserhöhung im Sommer dürfte die hohe Inflation im gemeinsamen Währungsraum sein. Im März ist die Inflationsrate nach revidierten Daten vom Donnerstag mit 7,4 Prozent auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung gestiegen. Die Teuerung liegt damit viel höher als das von der EZB angepeilte Inflationsziel. Die Notenbank strebt mittelfristig eine Inflationsrate von 2 Prozent an.

Bereits am Mittwoch hatte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gesagt, dass die EZB angesichts der hohen Inflation ihre Zinsen schon im Sommer anheben könnte. Erste Zinsschritte seien zu Beginn des dritten Quartals möglich, sagte Nagel am Rande der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. Das wäre im Juli. Auch Martins Kazaks, EZB-Ratsmiglied und Präsident der lettischen Zentralbank hält eine Zinserhöhung im Juli für möglich.

Bisher wurde eine Zinserhöhung in der Eurozone an den Finanzmärkten im Herbst erwartet. Mit den Hinweisen auf einen früheren Zinsschritt verstärkte sich am Devisenmarkt die Nachfrage nach dem Euro. Der Kurs der Gemeinschaftswährung legte deutlich zu und konnte wieder über die Marke von 1,09 US-Dollar steigen.

Zuvor hatte die unterschiedliche Ausrichtung der Geldpolitik zwischen den USA und der Eurozone die Gemeinschaftswährung noch stark belastet und der Euro war Mitte des Monats zum Dollar auf den tiefsten Stand seit Frühjahr 2020 gefallen. Während die US-Notenbank Fed die geldpolitische Wende vollzogen und im März eine erste Zinserhöhung beschlossen hat, wurde der Euro durch das Zögern der Europäischen Zentralbank belastet.

Derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz der EZB, zu dem sich die Banken Geld bei der Notenbank leihen können, bei Null Prozent. Der Leitzins befindet sich seit dem Frühjahr 2016 auf dem Rekordtief an der Nullmarke. Der Zinssatz für Einlagen bei der EZB liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent. Banken müssen mit den Negativzinsen also eine Art Gebühr zahlen, die inzwischen viele Geldhäuser an ihre Kunden weitergeben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Micron führt Chip-Rallye an, während Wall Street leicht zulegt
01.10.2026

Überraschende Impulse an der Wall Street – Erfahren Sie, welche Kräfte den Markt heute bewegten.

DWN
Politik
Politik Frankreichs Schüler rebellieren: Knapp 2.000 Festnahmen bei Schulprotesten in Frankreich
01.10.2026

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude, zu wenig Lehrer und angekündigte Sparmaßnahmen in der...

DWN
Politik
Politik Innenministerkonferenz ändert Regeln: Bundesländer wollen mit Mehrheit gegen AfD entscheiden
01.10.2026

Die Innenministerkonferenz (IMK) verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Aus Angst vor der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
01.10.2026

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Tierhandelsriese Fressnapf legt Pläne offen: Schnelles Wachstum in Polen
01.10.2026

Polen gehört zu den wichtigsten Märkten der Fressnapf-Gruppe, dem europäischen Marktführer im Zoofachhandel. Die zum Konzern gehörende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der schrumpfende Riese: Warum Deutschlands Arbeitsmarkt vor einer historischen Trendwende steht
01.10.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt galt über Jahre hinweg als Fels in der Brandung. Trotz globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Softwaretochter Cariad vor massivem Stellenabbau
01.10.2026

Volkswagen stellt seine Softwarestrategie weiter auf den Prüfstand. Bei Cariad droht ein neuer Stellenabbau, während Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
01.10.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...