Deutschland

Historische Teuerung: Kraftstoffpreise steigen stärker als während jeder bisherigen Ölkrise

Statistiken geben jetzt Aufschluss darüber, ob Tanken und Heizen inzwischen teurer geworden ist als je zuvor in den vergangenen Jahrzehnten.
21.04.2022 15:58
Aktualisiert: 21.04.2022 15:58
Lesezeit: 1 min
Historische Teuerung: Kraftstoffpreise steigen stärker als während jeder bisherigen Ölkrise
Sowohl während der Ölkrisen der 1970er als auch im Zuge der Finanzkrise 2008 hatten Verbraucher mit stark erhöhten Kraftstoffpreisen zu kämpfen.

Alarmierende Zahlen zum gegenwärtigen Anstieg der Kraftstoffpreise veröffentlichte jüngst das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressemitteilung. So seien Kraftstoffe im März 2022 für private Verbraucher um knapp die Hälfte teurer gewesen, als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt auch aufgrund der steigenden Importpreise für Erdgas.

So soll der Erdgaspreis im März 2021 laut dem statistischen Bundesamt beispielsweise mehr als dreieinhalb Mal so niedrig gewesen sein wie im diesjährigen März. Besonders drastisch erscheint der Anstieg im direkten Vergleich mit Preisanstiegen der vergangenen Jahrzehnte. So seien die Preise an den Tankstellen laut Destatis zuletzt stärker gestiegen, als während der beiden Ölkrisen 1973/1974 und 1979/1980 sowie im Zuge der Finanzmarktkrise 2008/2009.

Mit Preisanstiegen dieses Ausmaßes hat Deutschland nur selten zu kämpfen gehabt

Die Statistiker bilanzieren, die "ohnehin dynamische Entwicklung der Energiepreise im Zusammenhang mit der Corona-Krise" habe sich infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine noch einmal verstärkt. So hätten Verbraucher an deutschen Tankstellen durchschnittlich 41,9 % mehr für Superbenzin und 62,6 % für Diesel gezahlt als ein Jahr zuvor. Insgesamt hätte man bei Kraftstoffen einen Preisanstieg von 47,4 % verzeichnet.

Für leichtes Heizöl hätten private Verbraucherinnen und Verbraucher sogar fast zweieinhalb Mal so viel bezahlen müssen wie im März 2021, also etwa 144,0 % mehr. Mit Preisanstiegen dieses Ausmaßes habe Deutschland im Laufe der Geschichte nur selten zu kämpfen gehabt. Lediglich die Ölkrisen 1974 und 1980 sowie der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 seien mit der jetzige Situation vergleichbar.

Anstieg der Kraftstoffpreise war in den vergangenen Jahrzehnten nie so stark wie zurzeit

Um herauszufinden, ob sich die Lage heute dramatischer gestaltet als damals, haben die Statistiker die Entwicklung der Preise für Erdöl und Mineralölprodukte sowie Erdgas in den vergangenen 50 Jahren untersucht. Ihr Fazit: "Der Anstieg der Kraftstoffpreise im Vorjahresvergleich war in den vergangenen Jahrzehnten nie so stark wie im aktuellen Berichtsmonat März 2022."

Zum Vergleich: Im Zuge der ersten Ölkrise 1973/1974 hätten sich Kraftstoffe binnen eines Jahres um 32 % verteuert, während der zweiten Ölkrise 1979/1980 binnen eines Jahres um 28 %. Infolge der Finanzkrise 2008 wären die Kraftstoffpreise wiederum in etwa sieben Monaten um fast 25 % angestiegen. Dementsprechend kann bei dem aktuellen Preisanstieg von 47,4 % innerhalb eines Jahres tatsächlich von einer historischen Teuerung die Rede sein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Adobe-Alternative kostenlos: Ein verärgerter Kunde fordert den Milliardenkonzern heraus
25.10.2026

Ein Kunde will sein Adobe-Abo kündigen und soll dafür auch noch bezahlen. Seine Rache könnte den Software-Riesen teuer zu stehen kommen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI im Unternehmen: Warum ChatGPT allein noch keine Prozesse automatisiert
25.10.2026

ChatGPT schreibt Texte, fasst Informationen zusammen und spart Mitarbeitern Zeit. Doch wer KI wirklich zur Prozessautomatisierung nutzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
25.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pflege statt Arbeit: Immer mehr pflegende Erwerbstätige gehen Arbeitsmarkt verloren
25.10.2026

Die wachsende Zahl pflegender Angehöriger könnte den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren laut einer Prognose spürbar belasten: Bis 2045...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Umsatzwarnungen: Lindt & Sprüngli entlässt Konzernchef Lechner
25.10.2026

Der Schokohasen-Hersteller leidet unter teuren Kakaopreisen und dem heißen Sommer. Nun soll ein alter Bekannter vorm Weihnachtsgeschäft...

DWN
Politik
Politik Frankreich führt Aufschläge für Medikamente ein. Was bedeutet das für die Preise in Deutschland und für Generika?
25.10.2026

In Frankreich wurde eine neue Vereinbarung mit der Pharmaindustrie über Arzneimittelpreise erzielt, die dazu führen könnte, dass einige...

DWN
Unternehmen
Unternehmen US-Rüstungsfirma Covenant: Protest gegen Marschflugkörper-Produktion ab 2027 in Leipzig
24.10.2026

Die US-Rüstungsfirma Covenant will in Leipzig Marschflugkörper herstellen. Der Standort soll weltweit die größte Basis für Europas...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...