Unternehmen

VW-Konzern verdoppelt den Gewinn - trotz Chipkrise, Corona und Ukraine

Der VW-Konzern ist mit starken Zahlen ins Jahr gestartet. Trotz weltwirtschaftlicher und geopolitischer Probleme hat sich sein Gewinn verdoppelt.
04.05.2022 12:04
Aktualisiert: 04.05.2022 12:04
Lesezeit: 2 min
VW-Konzern verdoppelt den Gewinn - trotz Chipkrise, Corona und Ukraine
Beim VW-Konzern sprudeln die Erträge. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Ein gutes Geschäft vor allem mit den besonders profitablen Oberklasse-Marken hat den VW-Konzern zum Jahresbeginn durch die angeschlagene Autokonjunktur getragen. Die Wolfsburger verdienten im ersten Quartal trotz eines insgesamt erheblichen Verkaufsrückgangs fast doppelt so viel wie Anfang 2021.

Neben dem weltweiten Chipmangel belastet auch der Krieg in der Ukraine die Lieferketten, hinzu kommen neue Corona-Lockdowns in China. Bisher stemmt sich Europas größter Autobauer noch erfolgreich gegen die verschiedenen Krisen: Das Ergebnis nach Steuern stieg zwischen Januar und März im Jahresvergleich von 3,4 auf 6,7 Milliarden Euro.

Der Dax-Konzern hatte bereits Eckdaten zum Verlauf im Tagesgeschäft vorgelegt, die er am Mittwoch ergänzte. Vor Zinsen und Steuern sowie Sondereinflüssen aus der Dieselaffäre legte der Betriebsgewinn von 4,8 auf 8,5 Milliarden Euro zu. Verantwortlich dafür waren vor allem Absicherungsgeschäfte, deren Wert angesichts anziehender Rohmaterial- und Energiepreise bilanziell anzog. Aber auch im eigentlichen Geschäft lief es dank höherer Verkaufspreise der teureren Marken gut.

Obwohl die VW-Gruppe aufgrund der Halbleiterkrise gut ein Fünftel weniger Fahrzeuge auslieferte und knapp 12 Prozent weniger Autos fertigte, erhöhte sich der Umsatz leicht um 0,6 Prozent auf 62,7 Milliarden Euro. Eine Rolle spielte dabei allerdings auch die Übernahme des US-Lkw-Herstellers Navistar, der nun in den Zahlen enthalten ist. Die Jahresprognosen bestätigte das Management.

Mit Blick auf die kommenden Monaten ist die Vorsicht jedoch groß. So könne man die «konkreten Auswirkungen der jüngsten Entwicklungen im Russland-Ukraine-Konflikt oder der Covid-19-Pandemie auf das Geschäft des Konzerns, auf die Weltwirtschaft und das Wachstum der Branche noch nicht abschließend beurteilen», hieß es. Vorstandschef Herbert Diess sprach von «beispiellosen Herausforderungen» für Volkswagen.

In der Versorgung sowohl mit Mikrochips als auch mit verschiedenen Grundressourcen ruckelt es weiter erheblich, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine Ende Februar verschärfte sich die Lage noch. Und im wichtigsten Einzelmarkt China führten neue harte Corona-Restriktionen dazu, dass die Bänder bei VW für längere Zeit stillstehen mussten. Es drohen zusätzliche Produktionsstopps.

Außerdem kostet Energie immer mehr. «Die Gefahr für Europa ist schon riesengroß», sagte Diess jüngst bei einer Veranstaltung der «Wolfsburger Allgemeinen Zeitung» und «Wolfsburger Nachrichten». «Die Inflation, die dadurch entsteht, kann Europa destabilisieren.»

Die Oberklasse-Töchter und «anhaltende Kostendisziplin» stabilisieren den Konzern, während das Massengeschäft mit der Kernmarke Volkswagen besonders von der schwierigen Geschäftslage betroffen ist. Der Umsatz in der sogenannten Volumengruppe, zu der auch Skoda, Seat und die leichten Nutzfahrzeuge gehören, ging von 27,4 auf 24,4 Milliarden Euro zurück.

Vor Sonderfaktoren gelang noch ein Betriebsergebnis von 900 Millionen Euro, nach 1,4 Milliarden Euro Anfang 2021. Die Marke VW Pkw allein rutsche beim Umsatz von 17,6 auf 14,9 Milliarden Euro ab, ihr Ergebnis konnte sie von 490 auf 513 Millionen Euro ausbauen.

Die Markengruppe Premium mit Audi, Bentley und Lamborghini legte beim bereinigten operativen Ergebnis von 1,5 auf 3,5 Milliarden Euro zu, der Umsatz blieb in etwa stabil. Porsche verdiente im laufenden Geschäft mit 1,4 Milliarden Euro ebenfalls mehr (Vorjahresquartal: 1,2 Milliarden Euro), der Umsatz stieg von 7,0 auf 7,3 Milliarden Euro. Haupttreiber hierfür seien «höhere Ergebnisbeiträge» gewesen.

Der Konzern leitete zuletzt größere Mengen der verfügbaren Chipbestände zu den gewinnstärkeren Marken und in Elektromodelle um. Auch die Verknappung der Automenge treibt die Neu- und Gebrauchtwagenpreise.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Telekom testet Quantentechnologie: Glasfasernetz in Berlin im Praxiseinsatz
25.04.2026

Ein Berliner Experiment bringt Quanten-Teleportation erstmals über ein Telekom-Glasfasernetz in eine reale Infrastruktur und markiert...

DWN
Politik
Politik Energieanalyst Demostenes Flores: Europa wird beim Iran-Krieg den Preis zahlen
25.04.2026

„Wir befinden uns in einer Art drittem Weltkrieg in Etappen“, warnt der Energieanalyst Demostenes Floros über den aktuellen Konflikt...

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...