Politik

Russland verhängt Einreiseverbote gegen Japans Regierung

Hochrangige Minister und der japanische Premier dürfen Russland nicht mehr betreten.
05.05.2022 11:06
Lesezeit: 1 min
Russland verhängt Einreiseverbote gegen Japans Regierung
Japans Premierminister Fumio Kishida. (Foto: dpa) Foto: Rodrigo Reyes Marin

Russland hat als Antwort auf Sanktionen ein Einreiseverbot für 63 Japaner verhängt, unter ihnen auch Premier Fumio Kishida. „Die Regierung von F. Kishida hat eine beispiellose antirussische Kampagne gestartet und erlaubt sich eine unzulässige Rhetorik gegenüber der Russischen Föderation, unter anderem mit Verleumdungen und direkten Drohungen“, begründete das russische Außenministerium am Mittwoch in einer Stellungnahme die Einreiseverbote. Tokio zerstöre mit seinen Handlungen die „gutnachbarschaftlichen Beziehungen“ und schädige die Wirtschaft und das Image Russlands, hieß es weiter. Besonders kritisierte Russland, dass Japan das ukrainische Azov-Battallion kürzlich von einer Liste neonazistischer Organisationen genommen hatte.

Neben dem japanischen Premierminister tauchen weitere Mitglieder der Regierung, unter ihnen Außenminister Yoshimasa Hayashi, Verteidigungsminister Nobuo Kishi, Finanzminister Shunichi Suzuki sowie Parlamentarier und andere Politiker, aber auch Besitzer von Medien und Journalisten auf der Schwarzen Liste auf. Das Einreiseverbot gilt auf unbestimmte Zeit.

Nach dem von Präsident Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine hat sich Japan an den Sanktionen gegen Russland beteiligt. Gleichzeitig verschärften sich die Spannungen beider Nachbarländer im Streit um die vier südlichsten Kurileninseln Etorofu (russ. Iturup), Kunashiri (Kunaschir), Shikotan (Schikotan) und Habomai (Chabomai). Moskau hat im März die Gespräche über eine Teilrückgabe der Inselgruppe aufgekündigt. Tokio hat diese Inseln daraufhin im April erstmals seit Jahren wieder als „illegal okkupiert“ bezeichnet.

Die Eskalation im Verhältnis zu Russland birgt für Japan gewisse Risiken. Das Land ist extrem auf Energie-Importe aus dem Ausland angewiesen, zu denen russische Energieträger einen bedeutenden Anteil beisteuern. Derzeit entfallen 4 Prozent der Ölimporte, 9 Prozent der Gasimporte und 11 Prozent der Kohleimporte Japans auf Russland.

US-Präsident Biden sagte in Washington, er werde diese Woche mit den G7-Staaten über weitere mögliche Strafmaßnahmen sprechen. „Wir sind immer offen für zusätzliche Sanktionen“, sagte er. Zur G7-Gruppe gehören neben den USA, Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Japan.

Als Reaktion auf die Ausweisung russischer Diplomaten hatte Russland Ende April seinerseits Vertreter aus Japan und Norwegen des Landes verwiesen. Acht japanische Diplomaten müssten Moskau bis zum 10. Mai verlassen, teilte das russische Außenministerium damals mit. Japan habe sich auf die Seite der Ukraine gestellt, unterstütze sie politisch, wirtschaftlich und militärisch und habe acht russische Diplomaten ausgewiesen, hieß es zur Begründung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street gibt nach, während die Anleiherenditen sinkentitle
29.09.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Impulse die US-Märkte im späten Handel bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...