Deutschland

Rheinmetall-Geschäfte boomen: Jetzt will der Rüstungskonzern als sozial nachhaltig eingestuft werden

Die Folgen des Kriegs in Osteuropa und die verteidigungspolitische "Zeitenwende" der Bundesregierung geben dem größten deutschen Rüstungskonzern einen Extra-Schub. Jetzt will das Unternehmen sogar als sozial nachhaltig klassifiziert werden.
10.05.2022 17:26
Aktualisiert: 10.05.2022 17:26
Lesezeit: 2 min
Rheinmetall-Geschäfte boomen: Jetzt will der Rüstungskonzern als sozial nachhaltig eingestuft werden
Der Panzer- und Artillerie-Hersteller Rheinmetall geht davon aus, dass er sein Geschäft mit der Bundeswehr künftig verdoppelt. Auf Friedensdemos kriegt das Unternehmen dafür beizeiten auch Gegenwind. (Foto: dpa) Foto: Federico Gambarini

Der Waffenfabrikant Rheinmetall hat vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs seine Ambitionen untermauert, sein Geschäft auf ein neues Niveau hochzuhieven. Allein mit der Bundeswehr will der Konzern sein Geschäft verdoppeln.

Schon 2021 ein "Rekordjahr" für die Rheinmetall

Zuletzt habe man pro Jahr etwa zwei Milliarden Euro vom Bund bekommen, künftig dürften es mindestens vier Milliarden Euro pro Jahr werden, sagte Rheinmetall-Chef Armin Papperger am Dienstag in Düsseldorf bei der Hauptversammlung des Rüstungskonzerns. Voraussetzung hierfür sei, dass der Anteil an den jährlichen Bundeswehr-Investitionen mindestens gleich bleiben werde. Davon ist der Manager überzeugt. Schon im vergangenen Jahr machte die Firma glänzende Geschäfte – ein "Rekordjahr" für die Rheinmetall, sagte Papperger. Dieser Aufschwung soll sich nun beschleunigen.

Kurz nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine hatte Rheinmetall eine Liste von Rüstungsgütern vorgelegt, deren Auslieferung relativ kurzfristig starten und sich je nach Produkt bis zu 10 Jahre hinziehen könnte. Angeboten werden zum Beispiel Panzer, Militär-Lkw, Flugabwehr-Türme und Munition.

Rheinmetall-Chef spricht von einer "neuen Ära der Verteidigungspolitik"

Als Folge von Russlands völkerrechtswidrigem Angriffskrieg will die Bundesregierung deutlich mehr Geld für die Bundeswehr bereitstellen als bisher – ein sogenanntes Sondervermögen über gut 100 Milliarden Euro soll Defizite der Armee beseitigen. Die Nato-Vorgabe, der zufolge Mitgliedsstaaten mindestens zwei Prozent der Wirtschaftsleistung für die Verteidigung ausgeben sollten, soll künftig eingehalten werden – das war jahrzehntelang nicht der Fall. Papperger sprach von einer "neuen Ära der Verteidigungspolitik".

Auch Polen, Rumänien, Lettland und andere Nato-Staaten wollen mehr in ihre Streitkräfte investieren. «Wir stehen in der westlichen Welt - also dort, wo wir als Rheinmetall im Wesentlichen zuhause sind – am Beginn eines beschleunigten Marktwachstums.» Man sehe über Deutschland hinaus «internationale Potenziale und teilweise sehr konkrete Projekte, die unsere Wachstumsdynamik zusätzlich unterstützen». Als Beispiel nannte er einen unlängst verkündeten, 850 Millionen Euro schweren Munitionsvertrag mit Ungarn.

Rheinmetall will Klassifizierung der Rüstungsbranche als sozial nachhaltig

Mit Blick auf ein EU-Regelwerk, das in Brüssel in Vorbereitung ist und Investitionen in die Nachhaltigkeit unterstützen soll, forderte Papperger eine Klassifizierung der Rüstungsbranche als sozial nachhaltig – würde dies passieren, hätten Rüstungskonzerne einen besseren Stand am Kapitalmarkt. Seine Forderung erklärte Papperger mit folgenden Worten: "Nachhaltigkeit kann und wird es immer nur dort geben, wo Sicherheit gewährleistet wird; und Sicherheit kann nur dort gewährleistet werden, wo es Wehrhaftigkeit, wo es Verteidigungsfähigkeit gibt."

So eine Haltung stößt auch auf Kritik. Friedensaktivisten werfen der Firma vor, ein Profiteur des Ukraine-Kriegs zu sein. Während der Hauptversammlung bezogen rund 50 Demonstranten vor der Firmenzentrale Stellung und schwenkten Regenbogenfahnen als Zeichen des Friedens. Einer der Demonstranten war als personifizierter Tod verkleidet, und zwar als Skelett mit Sichel.

Aktivisten kritisieren Russland-Geschäfte Rheinmetalls

Die Friedensaktivisten kreiden dem Rüstungsunternehmen zum Beispiel an, dass es vor etwa einem Jahrzehnt ein Gefechtsübungszentrum nach Russland verkaufen wollte. Die Bundesregierung stoppte dies 2014 wegen Russlands Annexion der Krim. Barbara Hoppe von der Menschenrechtsorganisation Urgewald warf dem Konzern in einer Mitteilung vor, keineswegs ein "edler Sicherheitsgarant" zu sein. Nur das Veto der Bundesregierung habe damals verhindert, "dass seitdem nicht jährlich 30 000 russische Soldaten mit Rheinmetall-Technik für den Krieg geübt haben beziehungsweise noch üben".

Warum hatte Rheinmetall überhaupt zunächst eine Ausfuhrgenehmigung für den damaligen Russland-Deal bekommen, die erst später revidiert wurde? "Deutschland wollte Russland zum damaligen Zeitpunkt – vor der Krim-Krise – ausbilden", um Moskau im Anti-Terror-Kampf zu stärken. "Aus heutiger Sicht war es die richtige Entscheidung, dass wir nicht geliefert haben", sagte Papperger bei dem Aktionärstreff.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Bulthaup: Brauchen wir noch Küchen im Zeitalter künstlicher Intelligenz?
20.03.2026

Der Name Bulthaup steht seit Jahrzehnten für Luxus-Küchen aus Deutschland. In Zeiten der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz...

DWN
Politik
Politik Krieg gegen Iran: Wie erfolgreich ist Israels Strategie? Und was ist das Ziel?
20.03.2026

Der Konflikt zwischen Israel, Iran und der Hisbollah erreicht eine neue Eskalationsstufe. Militärische Erfolge stehen wachsenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Gilt Gold noch als sicherer Hafen?
20.03.2026

Am Freitag ist der Goldpreis erneut in die Verlustzone gerutscht. Bei Anlegern sollten nun die Alarmglocken schrillen: Wenn der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg treibt Kosten in die Höhe: Fluggesellschaften erhöhen Ticketpreise
20.03.2026

Steigende Treibstoffkosten und ein spürbarer Rückgang im Tourismus infolge des Iran-Kriegs setzen die Flugbranche unter erheblichen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Neue Ifo-Studie: Paare im Homeoffice bekommen mehr Kinder – was wirklich dahintersteckt
20.03.2026

Wer regelmäßig im Heimbüro arbeitet, zeugt mehr Nachwuchs – zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Team von Wissenschaftlern....

DWN
Finanzen
Finanzen Unser neues Magazin ist da: Vermögen aufbauen statt verwalten – Strategien für die nächste Dekade
20.03.2026

Über Jahrzehnte galt eine einfache Regel: Wer spart, sorgt vor. Doch in einer Welt aus Inflation, niedrigen Realzinsen und...

DWN
Politik
Politik Nahost-Konflikt: Keine Entspannung im Iran-Krieg in Sicht – Spannungen und wirtschaftliche Risiken nehmen zu
20.03.2026

Auch Wochen nach Beginn der Angriffe ist kein Ende des Iran-Kriegs in Sicht. Militärische Schläge, geopolitische Spannungen und...

DWN
Finanzen
Finanzen Fuchs-Aktie überzeugt trotz Gegenwind: Dividende steigt – was Anleger jetzt wissen müssen
20.03.2026

Anleger blicken gespannt auf die Fuchs-Aktie: Der Schmierstoffhersteller steigert Umsatz und Gewinn leicht und hebt die Dividende an....