Unternehmen

320.600 Techniker fehlen: Deutscher Fachkräftemangel erreicht neuen Höhepunkt

Vor allem in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) wächst die Nachfrage auf Rekordniveau. Mit der Hauptgrund: die demografische Entwicklung.
24.05.2022 15:49
Aktualisiert: 24.05.2022 15:49
Lesezeit: 2 min
320.600 Techniker fehlen: Deutscher Fachkräftemangel erreicht neuen Höhepunkt
ohne die Zuwanderung würden dieses Jahr im Mint-Bereich sogar 600.000 Fachkräfte fehlen. (Foto: dpa)

Das Thema Fachkräftemangel bereitet den deutschen Firmen zunehmend Probleme. Mit dem Umbau der Wirtschaft vor allem im Energiebereich wächst die Nachfrage nach Personal in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (Mint) auf Rekordniveau. Diese Fachkräftelücke lag im April bei 320.600 und damit rund doppelt so hoch wie vor Jahresfrist, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Mint-Report hervorgeht, den das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) zweimal jährlich erstellt.

KfW: "Fachkräftemangel erreicht neuen Höhepunkt"

"In den letzten Jahren sind die Beschäftigungszahlen und Engpässe in den Bereichen Energie/Elektro und IT besonders stark gestiegen." IW-Experte Axel Plünnecke sagte, ohne die Zuwanderung in den vergangenen Jahren würden im Mint-Bereich bereits 600.000 Fachkräfte fehlen. Wie aus getrennten Daten der KfW-Förderbank und des Ifo-Instituts hervorgeht, beklagten im April 44 Prozent der befragten Unternehmen, dass fehlende Fachkräfte sie in ihrer Geschäftstätigkeit behinderten.

"Damit erreicht der Fachkräftemangel einen neuen Höhepunkt", erklärte die KfW. Alle Wirtschaftszweige seien stärker betroffen als noch bei der Umfrage im Herbst 2021. Spitzenreiter bleibe der Dienstleistungssektor, in dem aktuell jedes zweite Unternehmen über fehlendes Fachpersonal klage (48 Prozent). Das Verarbeitende Gewerbe erreicht demnach mit 40 Prozent den höchsten Anteil betroffener Firmen seit 30 Jahren.

Fachkräftemangel wegen demografischer Entwicklung

Größtes Risiko für das Geschäft deutscher Unternehmen sind wegen des Ukraine-Kriegs derzeit zwar steigende Energie- und Rohstoffpreise, zeigt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter rund 25.000 Firmen. Das zweitgrößte Problem in den meisten Branchen ist allerdings der Fachkräftemangel. Denn wegen der demografischen Entwicklung wird dies laut DIHK "eine der wesentlichen strukturellen Herausforderungen für die Unternehmen werden".

Industrievertreter sorgen sich vor allem um das Personal von morgen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. "Der Mint-Nachwuchs droht immer weniger zu werden", warnte Geschäftsführerin Indra Hadeler vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall. "Die negativen Effekte der pandemiebedingten Schulschließungen auf die Mint-Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler und der Rückgang der Mint-Studienanfängerzahlen hinterlassen tiefe Spuren."

Trotz des fatalen Fachkräftemangels lassen die entsprechenden Konzepte, die der demografischen Entwicklung entgegenwirken könnten, nach wie vor auf sich warten. Auch in den vergangenen Wahlkämpfen war Bevölkerungsentwicklung kaum ein Thema. Stattdessen setzt man scheinbar auf ein "Weiter so".

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street stürzt wegen Inflationshoch ab
10.06.2026

Turbulenzen an den US-Börsen: Erfahren Sie, welche Faktoren die Anleger in Alarmbereitschaft versetzen und warum nicht alle Aktien dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Perlon-Gruppe: Deutscher Weltmarktführer geht an China
10.06.2026

Die deutsche Chemie ist in einer schwierigen Lage, geplagt von hohen Kosten, schwachem Weltmarkt und chinesischer Konkurrenz. Ein...

DWN
Politik
Politik Bürgerkrieg in Belfast: Tödliche Messerattacken erschüttert das Vereinigte Königreich
10.06.2026

Ein sudanesischer Asylbewerber hat in Belfast einen Mann niedergestochen. Daraufhin kommt es zu schweren Ausschreitungen. Der erneute...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Personalabbau bei Chemieriese Evonik: 1.850 Arbeitsplätze fallen weg
10.06.2026

Deutschlands Industrie baut weiter ab: Der Essener Chemiekonzern Evonik streicht 1.850 Stellen bis Ende 2026. Die Krise der deutschen...

DWN
Politik
Politik Infrastruktur-Sondertopf: Investitionen laufen nur schleppend an
10.06.2026

Mit einem 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf will die Bundesregierung den jahrelangen Investitionsstau in der deutschen Infrastruktur...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeldzinsen: Sparkassen und Volksbanken zahlen zu wenig Zinsen für Tagesgeld
10.06.2026

Sparer erhalten bei Sparkassen und Volksbanken oft deutlich weniger Zinsen als bei überregionalen Banken, zeigt eine Analyse des...

DWN
Politik
Politik FDP-Chef Kubicki rechnet mit Merz ab: “Erwartungsmanagement ist unterirdisch“
10.06.2026

In der ARD-Sendung Maischberger warf Kubicki dem CDU-Chef vor, "unglaublich schlecht" zu kommunizieren. Seine Kritik fällt deutlich aus...

DWN
Politik
Politik Energiewende auf der Kippe? Koalition in schwierigen Verhandlungen über Energiepaket
10.06.2026

Bei einem Energiekongress in Berlin geht es um strittige Vorhaben der Koalition. Die Fraktionschefs von SPD und Union setzen...