Deutschland

Linke fordert Ende der Energie-Sanktionen gegen Russland

Als erste Partei fordert die Linke ein Ende der Energie-Sanktionen. Bayerns Ministerpräsident spricht von einer existenziellen Notlage Deutschlands.
23.06.2022 14:59
Aktualisiert: 23.06.2022 14:59
Lesezeit: 2 min
Linke fordert Ende der Energie-Sanktionen gegen Russland
Gasbehälter der örtlichen Stadtwerke stehen in Köln-Mülheim. (Foto: dpa) Foto: Oliver Berg

Der Linken-Politiker und Vorsitzende des Bundestags-Ausschusses für Klimaschutz und Energie, Klaus Ernst, fordert ein Ende der Energie-Sanktionen gegen Russland. "Die Bundesregierung sollte anerkennen, dass ein kurzfristiger Verzicht auf russische Energie die russische Armee nicht bremst und der eigenen Bevölkerung und Unternehmen massiv schadet", erklärt Ernst. "Wir brauchen keine Sanktionspolitik, die nur Symbolcharakter hat und die eigenen Beschäftigten, Rentner und Familien zu Leidtragenden macht."

Es könne nicht angehen, "dass die Bundesregierung monatelang an der Sanktionsschraube im Energiesektor dreht und sich nun wundert, dass Russland seinerseits seine Lieferungen wohl drosselt".

Söder: Deutschland steuert auf existenzielle Notlage zu

Wegen der sich zuspitzenden Gas-Krise in Deutschland fordert CSU-Chef Markus Söder von der Bundesregierung mehr Anstrengungen zur Sicherstellung der hiesigen Energieversorgung. «Es droht eine existenzielle Gas-Notlage», sagte der bayerische Ministerpräsident am Donnerstag beim Besuch eines Gasspeichers im Münchner Umland. Die Ausrufung der Alarmstufe Gas wegen der deutlich verringerten Lieferungen aus Russland komme «hoffentlich nicht zu spät» und zeige, dass alle Bemühungen, Ersatzlieferanten zu finden, nicht funktioniert hätten. «Es ist ein Zeichen dafür, dass die Lage viel ernster ist, als gedacht.»

Söder rief den Bund auf, die Gasspeicher jetzt zu befüllen. «Eine Regierung muss dafür sorgen, dass genügend Essen und warme Wohnungen und die Versorgung für die Arbeitsplätze da ist. Das ist die Grundaufgabe des Staates und die fordern wir ein», sagte er.

Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, und in der Folge auch nur ein Betrieb wegen Gasmangels abgeschaltet werden, sei dies «eine absolute Katastrophe. Da sind Tausende von Arbeitsplätzen betroffen. Also wir marschieren da tatsächlich auf eine Form von Deindustrialisierung zu», sagte Söder weiter.

Alle Formen von Energie müssten jetzt genutzt werden. Dazu gehöre neben allen Erneuerbaren auch «absolut die Kernenergie». Der Atommeiler Isar II müsse zumindest so lange betrieben werden, wie es die Brennstäbe hergeben würden. Gut organisiert sei dies fast bis Mitte nächsten Jahres möglich. «Das heißt, all diese Argumente, die vom Bund ins Feld geführt werden, greifen nicht. Es handelt sich am Ende nicht um eine technische, sondern um eine rein politische Entscheidung.»

Bayern werde seinerseits seinen Beitrag leisten - etwa für mehr Wind. Es dürfe aber nicht so sein, «dass wir zu den jetzigen Energieprobleme noch zusätzliche bei uns schaffen», sagte Söder. Er kündigte an, in der kommenden Woche einen Krisenstab Energie einrichten zu wollen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Uneinigkeit in der EU: Sanktionspaket gegen Russland gerät ins Wanken
19.02.2026

Die EU verhandelt ein neues Sanktionspaket gegen Russland, doch wirtschaftliche Eigeninteressen einzelner Mitgliedstaaten bremsen die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street schiebt Unsicherheit beiseite und legt zu
18.02.2026

Die US-Aktienmärkte schlossen den Tag im Plus. Der S&P 500 stieg um 0,56 %, der Nasdaq Composite um 0,78 % und der Dow Jones Industrial...

DWN
Technologie
Technologie Ostsee-Stromprojekt: Baltic-German PowerLink geplant
18.02.2026

Das Ostsee-Stromprojekt zwischen Deutschland, Lettland und Litauen nimmt konkrete Formen an. Mit dem Baltic-German PowerLink entsteht ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Dürr-Aktie springt nach Quartalszahlen deutlich an – jetzt Dürr-Aktie kaufen?
18.02.2026

Der Dürr-Aktienkurs ist nach überraschend starken Quartalszahlen nach oben geschossen. Vor allem der Nettogewinn überzeugt Investoren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Steuerstreit: Koalition ringt um Spitzensteuersatz – Deutschland bisher im Mittelfeld
18.02.2026

Der Steuerstreit zwischen CDU und SPD spitzt sich in Zeiten schwacher Konjunktur und angespannter Haushaltslage zu. Setzt die Koalition auf...

DWN
Politik
Politik Autonome Kampfdrohnen: Elon Musk steigt in Pentagon-Innovationswettbewerb ein
18.02.2026

Elon Musk bindet SpaceX und xAI in ein sensibles Pentagon-Projekt zur Entwicklung autonomer Kampfdrohnen ein. Welche sicherheitspolitischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Handelspolitik: Regierung prüft Anpassungen bei Stahl- und Aluminiumzöllen
18.02.2026

Die US-Regierung signalisiert Bereitschaft, den Anwendungsbereich und die Durchsetzung der Stahl und Aluminiumzölle anzupassen, hält...

DWN
Finanzen
Finanzen Brüsseler Personalpoker: Spekulationen um vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Lagarde
18.02.2026

Christine Lagarde könnte die EZB vor Ende ihrer Amtszeit verlassen. Hintergrund sind offenbar Sorgen, dass nach den Wahlen in Frankreich...