Politik

Putin: Werden Waren- und Energieströme nach Asien, Afrika und Südamerika umleiten

Russlands Präsident Wladimir Putin hat eine weitreichende wirtschaftliche Umorientierung seines Landes angekündigt.
22.06.2022 15:00
Aktualisiert: 22.06.2022 15:51
Lesezeit: 2 min
Putin: Werden Waren- und Energieströme nach Asien, Afrika und Südamerika umleiten
2019: Cyril Ramaphosa (l-r), Präsident von Südafrika, Narendra Modi, Premierminister von Indien, Xi Jinping, Präsident von China, Wladimir Putin, Präsident von Russland, und Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, winken Fotografen zu. (Foto: dpa) Foto: Eraldo Peres

Brasilien und Indien statt EU und Großbritannien: Russland wird seine Waren- und Energieexporte nach den Worten von Präsident Wladimir Putin wegen der westlichen Sanktionen in große Schwellenländer umleiten. In einer Videoansprache beim Wirtschaftsforum der fünf großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika (Brics) sagte Putin am Mittwoch: "Die Präsenz Russlands in den Brics-Ländern nimmt zu, und die Exporte von russischem Öl nach China und Indien haben deutlich zugelegt".

Russland hat nach chinesischen Angaben im Mai so viel Öl in die Volksrepublik verkauft wie noch nie und ist damit zum größten Öl-Lieferanten des bevölkerungsreichsten Landes der Welt aufgestiegen. Man spreche über eine verstärkte Präsenz chinesischer Autos auf dem heimischen Markt sowie über die Eröffnung indischer Supermarktketten, sagte Putin.

Indien hatte die Einfuhren russischen Erdöls und Kohle seit Jahresbeginn vervielfacht. Indischen Regierungsdaten zufolge stieg der Wert der indischen Ölimporte aus Russland zuletzt binnen Jahresfrist um mehr als das 31-Fache auf 2,22 Milliarden Dollar. In der gleichen Periode kletterte der Wert der indischen Einfuhren von Kohle und damit zusammenhängenden Erzeugnissen um mehr als das Sechsfache auf 331,17 Millionen Dollar.

Russland arbeite zudem gemeinsam mit seinen Brics-Partnern an alternativen Mechanismen für internationale Finanzabrechnungen, nachdem sein Land wegen des Einmarsches in die Ukraine weitgehend vom internationalen Zahlungsnetzwerk Swift abgeklemmt worden ist. "Das russische Finanzdatensystem ist offen für die Verbindung mit den Banken der Brics-Länder", sagte Putin. Das sogenannte Mir-Zahlungssystem baue seine Präsenz aus. "Wir prüfen die Möglichkeit der Schaffung einer internationalen Reservewährung auf der Grundlage eines Korbes von Brics-Währungen", sagte Putin.

Chinas Präsident Xi Jinping rief auf der selben Veranstaltung zu mehr internationaler Zusammenarbeit auf und kritisierte die westlichen Sanktionen gegen Russland. "Die Ukraine-Krise ist ein Alarmsignal für die Welt", sagte Xi per Videoansprache. "Die Fakten haben wieder einmal bewiesen, dass Sanktionen ein zweischneidiges Schwert sind." Xi rief zu einer stärkeren Koordinierung der Konjunkturpolitik auf. Damit könne verhindert werden, dass sich der weltweite Aufschwung verlangsame oder gar unterbrochen werde. Die großen Industrieländer sollten eine "verantwortungsvolle" Wirtschaftspolitik betreiben.

Lesen Sie dazu: Washington darf künftig US-Unternehmen China-Geschäft verbieten - was bedeutet das für Europa?

Argentinien: Bedürfnisse der Schwellenländer werden missachtet

Argentinien will im internationalen Dialog die Kräfte der Schwellenländer bündeln. "Die Bedürfnisse der Schwellenländer werden seit Jahrzehnten missachtet", sagte der argentinische Außenminister Santiago Cafiero Mitte Mai bei einem virtuellen Treffen der Außenamtschefs der BRICS-Staaten. "Wir müssen die Interessen unserer Länder in das Zentrum internationaler Gespräche und Verhandlungen rücken."

Zu den BRICS-Staaten der aufstrebenden Volkswirtschaften gehören Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Gemeinsam stehen sie für 42 Prozent der Weltbevölkerung und 24 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Argentinien möchte Mitglied der BRICS-Staaten werden. Präsident Alberto Fernández wird auf Einladung von China am virtuellen BRICS-Gipfel am 24. Juni teilnehmen.

Lesen Sie dazu: Argentinien schließt sich Chinas Neuer Seidenstraße an

"Auch wenn wir es gerade mit einer weltweiten Krise zu tun haben, sind die Schwellen- und Entwicklungsländer stärker von dem historischen Anstieg der Lebensmittel-, Düngemittel- und Energiepreise sowie dem erhöhten finanziellen Druck betroffen, da wir nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um diese neuen Herausforderungen in so kurzer Zeit zu bewältigen", sagte Cafiero. "Es besteht die ernste Gefahr, dass sich die Kluft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern weiter vergrößert."

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