Finanzen

Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab

Die Gründer von Biontech treten ab und starten ein neues Biotech-Unternehmen. Für die Biontech-Aktie beginnt eine neue Phase, geprägt von Forschung und Innovation.
10.03.2026 12:16
Lesezeit: 4 min
Biontech-Aktie: Gründer Sahin und Türeci verlassen Konzern, Aktie stürzt ab
Das Professorenpaar, Gründer und Vorstandsvorsitzende des Unternehmens BioNTech, Ugur Sahin (l) und Özlem Türeci stehen bei der Verleihung des Deutschen Nationalpreises 2025 auf der Bühne im französischen Dom am Gendarmentmarkt in Berlin. (Foto: dpa) Foto: Annette Riedl

Biontech-Gründer verlassen Unternehmen: Neues Kapitel für Biontech und Biontech‑Aktie

Sahin und Türeci waren die prägenden Gesichter von Biontech – dem Unternehmen, das gemeinsam mit dem Partner Pfizer die erste Zulassung für einen Corona‑Impfstoff erhielt. Nun wagt das Forscher‑Ehepaar erneut einen Neuanfang – ein Schritt, der auch Anlegerinnen und Anleger der Biontech‑Aktie beschäftigt.

Die Impfstoff‑Pioniere und Biontech‑Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das in der Corona‑Pandemie weltbekannt gewordene Unternehmen verlassen und eine neue Firma gründen. Die Eheleute scheiden spätestens Ende 2026 aus, wenn ihre aktuellen Dienstverträge enden, teilte Biontech in Mainz mit. Diese Personalentscheidung hat unmittelbar Auswirkungen auf die Bewertung und Marktwahrnehmung der Biontech‑Aktie.

Ihr neues Biotechnologie‑Unternehmen soll sich der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA‑Basis widmen. Anteilseigner von Biontech bleiben sie dennoch: Aktuell halten sie nach Unternehmensangaben rund 15 Prozent. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das: Die Sahin‑ und Türeci‑Beteiligung bleibt ein stabiler Faktor für die Zukunft der Biontech‑Aktie.

Marktreaktion: Biontech‑Aktie zeigt aktuelle Bewegung

Die BioNTech-Aktie verliert 11,23 Prozent. Nach dem gestrigen kleinen Plus von 0,29 Prozent geht es heute deutlich nach unten – Anleger fragen sich, ob jetzt ein Einstieg lohnt oder besser abgewartet wird.

Der heutige Kursrückgang setzt den Abwärtstrend der vergangenen Monate fort. In den letzten drei Monaten haben Aktionäre 6,29 Prozent verloren.

Allein seit letzter Woche ist die Aktie um 15,63 Prozent gefallen, im Monatsvergleich beträgt das Minus 16,36 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Defizit auf 4,74 Prozent.

Rechte und Technologien fließen in neues Unternehmen

Geplant ist, Rechte und mRNA‑Technologien in das neue Unternehmen einzubringen. Im Gegenzug erhält Biontech eine Minderheitsbeteiligung an der neuen Firma sowie Lizenzgebühren. Außerdem sind Meilensteinzahlungen vereinbart worden, sodass Biontech bei Erreichen bestimmter Entwicklungsschritte Geld von der neuen Firma bekommt. Eine bindende Vereinbarung hierzu soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 abgeschlossen werden, erklärte Biontech – ein Element, das auch die künftige Entwicklung der Biontech‑Aktie beeinflussen kann.

Von Krebstherapien zum Corona‑Impfstoff

Sahin und Türeci gründeten Biontech 2008 mit dem Ziel, Krebstherapien auf mRNA‑Basis zu entwickeln. Während der Corona‑Pandemie wurden alle Kapazitäten in Mainz kurzfristig auf die Entwicklung eines mRNA‑Vakzins gegen Covid‑19 konzentriert – mit Erfolg. Das Unternehmen gewann das Wettrennen gegen zahlreiche Mitbewerber und erhielt gemeinsam mit dem US‑Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Corona‑Impfstoff. Dieser Erfolg war ein entscheidender Treiber für das Wachstum der Biontech‑Aktie.

Auszeichnungen und Milliardengewinne

Biontech verdiente in der Folge Milliarden und baute kräftig aus. Sahin und Türeci erhielten zahlreiche renommierte Auszeichnungen, darunter 2021 das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und 2022 gemeinsam mit ihrer einstigen Weggefährtin und späteren Nobelpreisträgerin Katalin Karikó den Paul‑Ehrlich‑ und Ludwig‑Darmstaedter‑Preis, einen der bedeutendsten Medizinpreise Deutschlands.

Jahre nach der Pandemie sind Gewinn und Umsätze bei Biontech deutlich geschrumpft. Auch wenn das Geschäft mit dem Corona‑Vakzin weiterläuft, steht nun wieder die Forschung an mRNA‑Therapien gegen Krebs und andere Krankheiten im Mittelpunkt – ein zentraler Faktor für die künftige Bewertung der Biontech‑Aktie.

Hoffnungen in der Onkologie

Nach wie vor ist das Vakzin das einzige Biontech‑Produkt am Markt, das kontinuierlich weiterentwickelt wird. Die Zukunftshoffnungen ruhen auf mehreren späten klinischen Studien für Krebspräparate. Biontech peilt bis 2030 mehrere Zulassungsanträge für Onkologie‑Therapien an – ein Szenario, das viele Anlegerinnen und Anleger im Blick haben, wenn sie über die Biontech‑Aktie nachdenken.

Und warum nun der Ausstieg Sahins und Türecis? "Özlem und ich wollen ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten", sagte Sahin in einer Mitteilung. Es sei schon immer ihre Vision gewesen, Wissenschaft in Fortschritte für Patientinnen und Patienten zu überführen. Nun biete sich die Chance, die nächste Generation von Innovationen zu erschließen.

Persönlicher Hintergrund

Sowohl Sahin als auch Türeci sind Kinder türkischer Einwanderer. Sahin zog im Alter von vier Jahren mit seiner Familie nach Köln, wo sein Vater bei Ford arbeitete. Türeci wuchs im niedersächsischen Landkreis Cloppenburg auf, ihr Vater war Arzt in einem katholischen Krankenhaus. Die beiden lernten sich während ihrer medizinischen Ausbildung an der Uniklinik im saarländischen Homburg kennen und gingen später gemeinsam nach Mainz.

Ausstieg nach Curevac‑Übernahme

Die Ankündigung erfolgt einige Monate nach einem großen Deal in der deutschen Biotechnologie‑Branche: Biontech hatte den einstigen Konkurrenten im Rennen um einen Corona‑Impfstoff, das Tübinger Unternehmen Curevac, übernommen. Zuvor hatten Biontech und Curevac ihren Streit um Corona‑Vakzin‑Patente beigelegt.

Nach dem angekündigten Abschied von Sahin und Türeci hat der Aufsichtsrat von Biontech damit begonnen, Nachfolgerinnen und Nachfolgern zu suchen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. Sahin und Türeci hätten im Laufe ihrer Karriere immer wieder ihre Innovationskraft gezeigt, sagte Aufsichtsratschef Helmut Jeggle. Man unterstütze sie bei ihrer Entscheidung, "die Chance zu ergreifen, ihre Stärken und volle Aufmerksamkeit einem neuen Unternehmen zu widmen, um das volle Potenzial von mRNA‑basierten Technologien auszuschöpfen."

Wie das neue Unternehmen heißen, wo es seinen Sitz haben und welche Gesellschaftsform es wählen wird, ist noch nicht bekannt. Sicher ist nur: Es soll keine Tochtergesellschaft von Biontech werden. Für Sahin und Türeci ist es nach Biontech (2008) und Ganymed Pharmaceuticals (2001) die dritte Gründung.

Biontech bleibt stabil

Das Impfstoffgeschäft von Biontech und die Weiterentwicklung der Pipeline mit möglichen neuen Produkten bleiben vom Ausstieg der beiden unberührt, betonte Biontech. Sahin erklärte, dass er und Türeci Biontech in 18 Jahren von einem Start‑up zu einem globalen biopharmazeutischen Unternehmen aufgebaut hätten. Das Unternehmen sei sehr gut positioniert, um sich als kommerzielles Biopharma‑Unternehmen mit mehreren zugelassenen Produkten zu etablieren.

Die Bilanz von BioNTech für das vergangene Jahr zeigt Licht und Schatten: Einerseits hat das Unternehmen mehr Umsatz gemacht: Insgesamt fast 2,9 Milliarden Euro - gegenüber knapp 2,8 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Grund dafür: Im vergangenen Jahr war BioNTech eine potenziell 11,1 Milliarden Dollar schwere Partnerschaft mit dem amerikanischen Pharmaunternehmen Bristol Myers Squibb (BMS) eingegangen. 1,5 Milliarden Dollar als Vorabzahlung sind bereits an die Mainzer geflossen.

Die Zusammenarbeit hat auch die Umsätze von BioNTech gesteigert. Der Nettoverlust von BioNTech hat sich allerdings 2025 nahezu verdoppelt: Von 665 Millionen Euro im Jahr 2024 auf mehr als 1,1 Milliarden Euro 2025.

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