Wirtschaft

Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet

Der Iran-Krieg erhöht den Druck auf Energiepreise, Finanzmärkte und globale Kapitalströme. Welche Märkte, Branchen und Regionen sind besonders betroffen, sollte sich der Konflikt länger hinziehen?
10.03.2026 13:34
Lesezeit: 4 min
Spannungen im Persischen Golf: Wie der Iran-Krieg die Energiemärkte belastet
Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und erhöht damit die Risiken für Finanzmärkte und energieabhängige Volkswirtschaften weltweit (Foto: dpa) Foto: Christoph Schmidt

Finanzmärkte reagieren auf neue geopolitische Risiken

Auf Szenarien früherer Krisen lässt sich derzeit kaum noch setzen. „Krieg schafft keine Gewinner. Er schafft nur relative Verlierer“, sagte Que Nguyen, Chief Investment Officer bei Research Affiliates, laut Bloomberg. Der Energiesektor sei bislang der einzige Bereich gewesen, der Investoren eine gewisse Stabilität geboten habe.

In der Woche bis zum 7. März erlebten Aktien und Anleihen ihre schwächste Entwicklung seit dem Zollschock des Jahres 2025. Für Aktien war es sogar die schlechteste Woche seit Oktober 2025. Gleichzeitig sprang der Ölpreis auf über 90 Dollar je Barrel und verzeichnete damit den stärksten wöchentlichen Anstieg seit dem Jahr 1982.

Zusätzliche Unsicherheit brachte der am 6. März veröffentlichte amerikanische Arbeitsmarktbericht. Die Daten fielen schwächer aus als erwartet und verstärkten die Sorge vor einer Abschwächung der US-Wirtschaft. Gleichzeitig treiben die Spannungen im Nahen Osten die Energiekosten deutlich nach oben.

Diese Kombination erhöht den Druck auf die Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Steigende Energiepreise könnten den Inflationsdruck wieder verstärken und mögliche Zinssenkungen erschweren. Für die Finanzmärkte entsteht damit ein schwieriges Umfeld aus geopolitischer Eskalation und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Zweifel an alten Krisenmustern wachsen

Bereits vor Beginn des Krieges hatte sich die Stimmung an den Technologiemärkten eingetrübt. Aktien vieler Softwareunternehmen gerieten unter Druck, weil Investoren erste Zweifel an der Dynamik des KI-Booms entwickelten und die Bewertungen zunehmend hinterfragten.

Der Krieg im Nahen Osten hat diese Sorgen nicht beseitigt, sondern lediglich überlagert. Analysten warnen laut Bloomberg, dass Investoren weiterhin zu stark auf Muster früherer geopolitischer Krisen setzen und deshalb mögliche Risiken unterschätzen.

In früheren Konflikten galten Staatsanleihen als sicherer Hafen, während Inflation meist nur vorübergehend anstieg. Die aktuelle Marktentwicklung deutet jedoch darauf hin, dass diese Annahmen diesmal nicht automatisch gelten müssen.

Die Entwicklung wichtiger Börsenindizes verdeutlicht diese Unsicherheit. Der slowenische Leitindex SBI TOP verlor 5,27 Prozent, während der S&P 500 um zwei Prozent nachgab. Auch der Nasdaq sank um 1,2 Prozent und spiegelte die wachsende Vorsicht vieler Investoren wider.

Verluste an den wichtigsten Börsen

Auch andere wichtige Börsenindizes gerieten unter Druck. Der Dow Jones verlor drei Prozent, während der globale MSCI World um 3,29 Prozent nachgab. Der europäische Euro Stoxx 600 fiel sogar um 4,77 Prozent.

Beim Goldpreis kam es zu einem Rückgang um 2,1 Prozent auf 5.171 Dollar je Unze. Bitcoin legte dagegen um 4,1 Prozent zu und erreichte 67.997 Dollar. Diese Entwicklung zeigt, dass Investoren zunehmend nach alternativen Anlageformen suchen.

Viele klassische Schutzanlagen konnten die erwartete Stabilität nicht bieten. Die aktuellen Marktbewegungen verdeutlichen, dass geopolitische Konflikte heute deutlich komplexere Auswirkungen auf Finanzmärkte haben als in früheren Krisen.

US-Aktien zeigen relative Widerstandskraft

Während Investoren in Europa und in Schwellenländern besonders nervös auf die amerikanischen und israelischen Luftangriffe reagierten, hielten sich die Verluste an den US-Börsen in Grenzen. Amerikanische Aktien gaben in der Woche bis zum 7. März insgesamt um weniger als ein Prozent nach.

Diese Entwicklung überrascht viele Marktbeobachter. Im Verlauf des Jahres 2025 hatten zahlreiche Investoren Kapital aus den USA abgezogen und stärker in internationale Märkte umgeschichtet. Analysten der Finanzgruppe BTIG sehen in der aktuellen Entwicklung eine mögliche Einstiegschance.

Ihrer Einschätzung nach könnte der Tiefpunkt an den amerikanischen Börsen bereits erreicht worden sein. „Der Markt hat sein Tief gesehen. Investoren sollten nun wieder offensiver investieren und weniger defensiv agieren“, erklärten die Analysten in einer aktuellen Einschätzung.

Einige Branchen erreichen ihre Talsohle

Nach Einschätzung von BTIG haben mehrere Sektoren am amerikanischen Aktienmarkt bereits ihren Boden gefunden. Dazu zählen Luftfahrtunternehmen, Konsumwerte, Banken, Kryptowährungen sowie Softwareunternehmen.

Auch chinesische Aktien könnten laut den Analysten wieder attraktiver werden. Dagegen erscheinen Energieunternehmen und Hersteller von Basiskonsumgütern aus taktischer Sicht bereits nahe an einem möglichen Höhepunkt.

Der Hintergrund ist der starke Anstieg der Energiepreise. Energieaktien sind im Jahr 2026 infolge des Ölpreissprungs um rund 25 Prozent gestiegen. Aktien von Fluggesellschaften verloren im gleichen Zeitraum etwa 2,5 Prozent. Höhere Treibstoffkosten wirken sich direkt auf die Kostenstruktur der Branche aus.

Kapital könnte in Rohstoffe und Dollar fließen

Sollte sich der Krieg im Iran über längere Zeit hinziehen, könnten besonders europäische und japanische Märkte unter Druck geraten. Diese Märkte wurden zuletzt stark durch steigende Bankaktien gestützt. Michael Hartnett, Chefstratege der Bank of America, erwartet in diesem Szenario eine deutliche Umschichtung globaler Kapitalströme. Investoren könnten verstärkt Kapital in Rohstoffe und in den US-Dollar verlagern.

Gleichzeitig würden Märkte unter Druck geraten, die stark von Energieimporten abhängig sind. Dazu zählen insbesondere Japan, Südkorea sowie große Teile Europas. Diese Entwicklung könnte zu spürbaren Verschiebungen in den internationalen Kapitalströmen führen. Gleichzeitig könnten sich die Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen Regionen weiter vergrößern.

Technologie und Rüstungsindustrie im Vorteil

Von einer solchen Kapitalrotation könnten vor allem amerikanische Technologieunternehmen profitieren. Auch Aktien der internationalen Rüstungsindustrie könnten stärker gefragt sein. Geopolitische Konflikte führen häufig zu steigenden Verteidigungsausgaben. Gleichzeitig profitieren große Technologiekonzerne von ihrer dominierenden Stellung auf den globalen Kapitalmärkten.

Erste Anzeichen für diese Entwicklung sind bereits sichtbar. Europäische und japanische Aktien verzeichneten in der Woche bis zum 7. März ihre schwächste Entwicklung seit April 2025. Damals hatten die von Donald Trump angekündigten Zölle die internationalen Finanzmärkte stark erschüttert. Der aktuelle Konflikt könnte nun ähnliche Verschiebungen auslösen.

Energiepreise werden zum Risiko für Europas Industrie

Eine länger anhaltende Eskalation im Iran hätte erhebliche Folgen für europäische Volkswirtschaften. Besonders betroffen wären Regionen, die stark von Energieimporten abhängig sind. Für Deutschland als exportorientierte Industrienation könnten steigende Ölpreise und volatile Finanzmärkte zusätzliche Belastungen darstellen. Höhere Energiekosten treffen vor allem energieintensive Branchen wie Chemie, Metallindustrie und Transport.

Gleichzeitig könnten einzelne Branchen von der geopolitischen Lage profitieren. Rüstungsunternehmen und Energieproduzenten könnten stärker nachgefragt werden, wenn sich der Konflikt über längere Zeit ausdehnt. Entscheidend wird sein, ob der Konflikt rasch eingedämmt werden kann oder sich zu einer längerfristigen Belastung für Energiepreise, Lieferketten und Weltwirtschaft entwickelt.

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