Deutschland

Agrarministerkonferenz: Mit viel Zündstoff im Gepäck

Auf der morgigen Agrarministerkonferenz gilt es einige strittigen Fragen zu klären, um künftig massive Bauernproteste in Deutschland zu vermeiden.
27.07.2022 12:45
Lesezeit: 2 min
Agrarministerkonferenz: Mit viel Zündstoff im Gepäck
Sind sich nicht in allen Punkten einig: Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (links) und Joachim Rukwied, Präsident des deutschen Bauernverbandes. (Foto: dpa) Foto: Bernd Weißbrod

Offene Fragen rund um die EU-Agrarreform GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) 2023: Wenn Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir Bauernproteste wie sie in den Niederlanden stattgefunden haben, in Deutschland vermeiden will, dann muss er wohl morgen zusammen mit den einzelnen Landesministern auf der Sonderkonferenz Lösungen für die offenen Fragen finden.

Dabei geht es vordergründig um die strittigen Themen der Stilllegung von Ackerflächen, der Fruchtfolge und um Prämien. Schnelle Antworten sind gefordert. „Die Zeit läuft ab“, moniert Joachim Rukwied, der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, „wir brauchen jetzt eine Entscheidung. Jede weitere Verzögerung schadet der Ernährungssicherheit.“

Was die Stilllegung betrifft, schlägt EU-Agrarkommissar Janus Wojciechowski eine befristete Ausnahme vor. Das heißt konkret, dass für 2023 die eigentlich von der Agrarreform neu eingeführte Stilllegung von vier Prozent der Ackerflächen ausgesetzt werden soll.

In Deutschland aber herrscht Uneinigkeit darüber. Özdemir will erstmal den Nutzen gegen die Umweltkosten abwägen, während die Umweltverbände den Landwirtschaftsminister mit einem offenen Brief unter Druck gesetzt haben, die Brachflächen nicht aufzugeben.

Einzelne Bundesländer hingegen, darunter Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen, haben bereits Anfang dieses Monats gefordert, auf eine Zwangsstilllegung zu verzichten.

Bei der Fruchtfolge – darunter versteht man die zeitliche Aufeinanderfolge verschiedener Kulturpflanzen auf einem Feld – erlaubt die EU-Kommission für 2023 den Mitgliedsstaaten noch einmal für ein Jahr Weizen nach Weizen anzubauen. Diese Idee hat Cem Özdemir selbst in Brüssel eingebracht, um in Anbetracht des Ukraine-Konflikts die Getreideproduktion zu maximieren. Das dürfte wohl auch im Sinne der einzelnen Länder sein.

Weiter muss morgen noch der nationale Strategieplan (NSP9) zur Umsetzung der EU-Agrarreform von den Ministern nachgebessert werden. Und für die Eco Schemes „vielfältige Kulturen" fordern unter anderem die verschiedenen Ökoverbände eine Anhebung des Prämiensatzes von aktuell 30 Euro auf mindestens 60 Euro pro Hektar. Mit Eco Schemes werden die ökologischen Regelungen des GAP bezeichnet, dazu gehört, dass jedes EU-Land seinen eigenen nationalen Strategieplan vorlegt, der die einzelnen Umweltmaßnahmen konkretisiert.

Es wird davon ausgegangen, dass Özdemir den Ökoverbänden als Kompensation für einen Teilverzicht auf die Zwangsbrache entgegenkommen wird.

Besonders umstritten ist die Vorgabe von Brüssel zur Selbstbegrünung von nicht-produktiven Flächen. Hier drängt der Bauernverband auf die Möglichkeit zur aktiven Begrünung mit einer leichten Bodenbearbeitung.

Ob die Agrarminister morgen alle strittigen Punkte klären können, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall will der Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir den nachgebesserten deutschen Strategieplan spätestens Anfang September nach Brüssel schicken. (ps)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...