Politik

Bauernaufstand in Holland eskaliert: Polizisten schießen auf Traktor – Proteste vor Polizeistation

Nachdem die niederländische Regierung vergangene Woche die Düngeregelungen aus Umweltschutzgründen verschärfte, warnten Bauern vor einer weiteren Eskalation der Proteste. Inzwischen kam es sogar zu Schüssen seitens der niederländischen Polizei.
07.07.2022 10:00
Lesezeit: 2 min
Bauernaufstand in Holland eskaliert: Polizisten schießen auf Traktor – Proteste vor Polizeistation
Die Auseinandersetzungen im Zuge der Proteste der niederländischen Bauern reißen nicht ab. Im Gegenteil: die Fronten verhärten sich zunehmend. . (Foto: dpa)

Die Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei im Zuge der Bauernproteste gegen die neuen Nitrat-Regelungen der niederländischen Regierung, die für knapp 30 Prozent der holländischen Bauernhöfe den Existenzverlust bedeuten könnten, eskalieren zunehmend. Ein auf Twitter kursierendes Video zeigt, wie Polizisten Schüsse auf einen Traktor in ihrer unmittelbaren Nähe abfeuern.

Polizei spricht von bedrohlicher Situation für Polizisten

Die Bilder der Schüsse auf der Demonstration gegen die Umweltschutzmaßnahme der niederländischen Regierung eroberten die sozialen Medien im Sturm. Laut Angaben der niederländischen Polizei hätten Demonstranten in Traktoren versucht, Polizisten anzufahren und so eine bedrohliche Situation geschaffen, weshalb ein Polizist einerseits Warnschüsse, aber auch gezielte Schüsse auf einen der Traktoren abgefeuert habe. Zudem seien drei Personen festgenommen worden.

Inzwischen habe die Rijksrecherche, eine polizeiliche Sondereinheit unter Kontrolle der niederländischen Staatsanwaltschaft, eine Untersuchung hinsichtlich der Schüsse eingeleitet, wie die "NL TIMES" berichtet. Dabei handle es sich laut der Online-Plattform jedoch um eine Standardprozedur, die immer dann eingeleitet würde, wenn es zu Schüssen seitens der Polizei komme.

Schüsse lösen heftige Debatten auf Twitter aus

Auf Twitter wird derweil heftig debattiert, inwiefern die Schüsse tatsächlich notwendig gewesen seien, zumal auf den bislang veröffentlichten Videos lediglich zu sehen ist, wie ein Traktor an zwei Polizisten vorbeifährt und daraufhin angeschossen wird. Darauf, dass einer der Schüsse den Traktor getroffen haben soll, weist ein ebenfalls auf Twitter kursierendes Foto hin.

Auch Maarten Brink von der niederländischen Polizeigewerkschaft ACP hat die Bilder gesehen. Die "NL TIMES" zitiert Brink mit der Aussage, dass die Videos jedoch nicht die Situation zeigen würden, die ihnen vorausgegangen sei. Ihm zufolge griffen Beamte "niemals einfach zur Schusswaffe", die Waffe sei immer nur die letztmögliche Maßnahme.

Niederländischer Strafrechtler fordert "gute Untersuchung" der Schüsse

Den niederländischen Strafrechtler Christian Flokstra zitiert das Online-Portal mit der Aussage, dass das Video Fragen über die Notwendigkeit der Schüsse aufwerfe, weswegen "eine gute Untersuchung" folgen müsse. Er zeigte sich besorgt darüber, dass das niederländische Parlament bald über ein 34-Sekunden-Video debattieren müsse. Viele Twitter-Nutzer bestreiten, genauso wie viele der niederländischen Bauern, die Authentizität der Aussage der Polizei.

Darüber hinaus verleihen die Bauern ihren Warnungen vor einer weiteren Eskalation der Lage Ausdruck. So kommentierte die Bauerninitiative Argactie das Filmmaterial von dem Vorfall auf ihrer Facebook-Seite laut "NL TIMES" wie folgt: "Und immer noch weigert sich Minister Van der Wal zu reden... Müssen erst Menschen sterben?"

Bauerninitiative Argactie: "Sind Landwirte gefährliche Kriminelle?"

Zudem habe die Initiative betont, dass der Vorfall anders hätte enden können, wenn die Kugel etwas mehr nach links oder rechts abgefeuert worden wäre. "Sind Landwirte gefährliche Kriminelle oder was?", fragt die Gruppe. Wenige Tage zuvor hatten protestierende Bauern bereits ein Güllefass vor dem Haus der niederländischen Umweltministerin entleert, Straßensperren errichtet und Polizeiautos angegriffen.

Während sich die niederländische Politik schockiert über die Ausmaße der Demonstrationen zeigt, verweisen Bauernvertreter, welche die Regierung im Vorhinein bereits vor einer Verschärfung der Nitrat-Regelungen gewarnt hatten, auf die existenzbedrohende Situation, in welche die niederländische Regierung knapp 30 Prozent der Bauern versetze.

++Update++

Die drei festgenommenen Männer sollen sich laut Informationen der niederländischen Zeitung "de Gelderlander" nach wie vor in Polizeigewahrsam befinden. Am Mittwoch soll es darum vor der Polizeistation in Leeuwarden Proteste seitens der Bauern gegeben haben, welche die Version der Geschichte, die die Polizei verbreitet, ebenfalls nach wie vor dementieren. Die Polizei sei nicht bedroht worden, betonen die Bauern.

Laut einem Tweet soll es sich bei einem der festgenommenen Demonstranten um einen 16-Jährigen handeln: "Eine große Gruppe von Bauern hat sich auf der Polizeistation in Leeuwarden versammelt, um Jouke, 16jähriger Bauer, zu befreien, auf den gestern die Polizei geschossen hatte und der derzeit von ihr festgehalten wird." Die Mutter des Jungen erklärte gegenüber "de Gelderlander", dass ihr Sohn nicht auf die Polizei habe zu-, sondern nur um den Hang herumfahren wollen.

++Update Ende++

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