Politik

Italien: Matteo Salvinis „Russen-Gate“

Die italienische Tageszeitung La Stampa deckt einige heikle Gespräche zwischen den italienischen Rechtspopulisten und russischen Regierungsvertretern auf.
Autor
29.07.2022 15:00
Lesezeit: 2 min

Beunruhigende Nachrichten aus Italien: Wie die italienische Tageszeitung La Stampa berichtet, stecke auch Russland hinter dem Sturz der Regierung von Mario Draghi. Stein des Anstoßes sind dabei die Kontakte der rechtspopulistischen Partei der Lega um ihren Leader Matteo Salvini mit Vertretern der russischen Botschaft in Italien.

Im speziellen geht es um Gespräche zwischen Antonio Capuano, dem Berater Salvinis in internationalen Angelegenheiten, und Oleg Kostyukov, einem wichtigen Funktionär der russischen Botschaft in Rom.

Der italienische Geheimdienst

Nach Informationen des Tageblattes ermöglichten es die Aufzeichnungen des italienischen Geheimdienstes eine Reihe von Treffen zwischen Capuano und Kostyukov zu rekonstruieren. Auch hatte der russische Funktionär Anfang Mai eine Reise für den Leader der Lega, Matteo Salvini, organisiert, damit dieser mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zusammentreffen könne. Allerdings hat der Leader der Lega diese Reise nicht angetreten.

Die beanstandeten Gespräche sollen am 27. Und 28. Mai stattgefunden haben, rund eineinhalb Monate vor dem Beginn der Regierungskrise, nachdem Mario Draghi mit Wladimir Putin telefoniert hatte, um den Kreml-Chef dazu zu bewegen, den Export von ukrainischem Getreide freizugeben.

Laut der Aufzeichnungen der Gespräche des italienischen Geheimdienstes, die von der Turiner Tageszeitung gesichtet wurden, habe Kostyukov Capuano gefragt, ob die Minister der Lega beabsichtigten, aus der Regierung Draghi zurückzutreten. Vor dem Hintergrund Moskaus, die italienische Regierung zu stürzen und das eh schon prekäre politische Gleichgewicht in Italien weiter zu destabilisieren.

Matteo Salvini in Erklärungsnot

Während die russische Botschaft die Kontakte nicht leugnet, versucht Matteo Salvini den Kontakt mit der russischen Botschaft herunterzuspielen und betont, dass er und seine Partei stolze Verbündete der freien westlichen Demokratien seien, dass das allerdings nicht hieße, keine guten Beziehungen zu Russland haben zu wollen.

Auf jeden Fall ist Matteo Salvini in die Schusslinie anderer Parteien geraten, die in Anbetracht des Starts der neuen Wahlkampagne für die Wahlen am 25. September eine vollständige Aufklärung dieser Affäre verlangen, die bereits von den Medien als Russland-Gate tituliert wird. Sollten weitere Einzelheiten ans Tageslicht kommen, könnte das ihm und seiner Partei einige Stimmen kosten.

Die zuständige Behörde Italiens, die für die nationale Sicherheit zuständig ist, dementiert mit dem Unterstaatssekretär Franco Gabrielli einstweilen, dass es sich bei den Enthüllungen, um Informationen des Geheimdienstes handele. Allerdings widerlegt die Tageszeitung La Stampa diese Version und bleibt dabei, dass die gesichteten Dokumente eine informelle Zusammenfassung der Arbeit des italienischen Geheimdienstes seien.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kriegskosten explodieren: USA geben bereits 25 Milliarden Dollar im Iran-Konflikt aus
05.05.2026

Der Iran-Krieg wird für die USA zunehmend zur finanziellen Belastung. Erste offizielle Zahlen zeigen das Ausmaß der Kosten und deren...

DWN
Panorama
Panorama Leipzig Amokfahrt: Mutmaßlicher Amokfahrer tötet und verletzt mehrere Menschen
04.05.2026

In der Leipziger Innenstadt ist ein Auto in mehrere Menschen gefahren. Menschen kommen dabei ums Leben. Mindestens drei weitere werden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Wagniskapital: KI-Boom stärkt deutsche Start-ups
04.05.2026

Deutsche Start-ups ziehen wieder mehr Wagniskapital an, angetrieben vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Internationale Investoren...

DWN
Politik
Politik Schwarz-Rot unter Druck: Ein Jahr Merz-Regierung
04.05.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt steht Kanzler Merz unter Druck: Streit in der Koalition, schlechte Umfragen und Reformstau belasten die Regierung...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Integration der Sachsen-Werke verzögert - was das bedeutet
04.05.2026

Bei Volkswagen geraten zentrale Umstrukturierungen ins Stocken, was auch die VW-Aktie beeinflussen könnte. Die geplante Integration der...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
04.05.2026

Die schwarz-rote Regierung gibt bisher kein gutes Bild ab: Anhaltende Konflikte, halbgare Reformen und ausbleibende Antworten auf zentrale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...