Deutschland

Deutscher Einzelhandel mit größtem Umsatzeinbruch seit 1994

Im deutschen Einzelhandel ist der Abschwung angekommen, die Umsätze brechen ein.
01.08.2022 09:08
Aktualisiert: 01.08.2022 09:08
Lesezeit: 1 min
Deutscher Einzelhandel mit größtem Umsatzeinbruch seit 1994
Passanten gehen in der Innenstadt von Stuttgart durch die Fußgängerzone. Die Umsätze im Einzelhandel sind im ersten Halbjahr eingebrochen. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Die deutschen Einzelhändler haben ein schwieriges erstes Halbjahr mit hoher Inflation, Corona-Krise und Ukraine-Krieg mit dem stärksten Umsatzeinbruch seit 28 Jahren beendet. Ihr Umsatz fiel im Juni inflationsbereinigt (real) um 8,8 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. "Das ist der größte Rückgang zum Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe 1994", hieß es dazu. Nominal - also nicht preisbereinigt - nahm der Umsatz dagegen nur um 0,8 Prozent ab. "Die Differenz zwischen den nominalen und realen Ergebnissen spiegelt die hohen Preissteigerungen im Einzelhandel wider, die das Konsumklima spürbar beeinträchtigen", erklärten die Statistiker.

Ökonomen sagen dem Einzelhandel anhaltend schwierige Zeiten voraus. "Das war nicht die letzte schlechte Konsumnachricht", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank AG, Alexander Krüger. "Wegen der miserablen Konsumlaune dürfte der Konsumstern fortan weiter sinken. Die Verbraucher kämpfen mit gravierenden Realeinkommensverlusten." Auch die Gasumlage werde Konsumwünsche noch in diesem Jahr beschneiden. "Der Tiefpunkt beim Konsum kommt erst noch", erwartet Krüger deshalb.

Auch im Vergleich zum Vormonat gab es einen Umsatzrückgang: Inflationsbereinigt sanken die Einnahmen um 1,6 Prozent im Vergleich zum Mai. Das kommt überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet. Die Verbraucher gaben dabei 1,6 Prozent weniger für Lebensmittel aus. "Der Rückgang ist vermutlich vor allem den gestiegenen Preisen für Lebensmittel geschuldet", so die Statistiker. Der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren konnte den positiven Trend des bisherigen Jahresverlaufs nicht fortsetzen und nahm im Juni 5,4 Prozent weniger ein als im Vormonat.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mäc-Geiz-Insolvenz sorgt für Unruhe im Discount-Handel – wie es weitergeht
12.05.2026

Die Mäc-Geiz-Insolvenz sorgt für Unruhe im deutschen Einzelhandel. Trotz weiterlaufender Filialen stehen hunderte Arbeitsplätze und...

DWN
Finanzen
Finanzen Verlustvorträge, Mitarbeiterbeteiligung, Nachfolge: Wichtige BFH-Urteile für Unternehmer
12.05.2026

Welche aktuellen Entscheidungen des Bundesfinanzhofs (BFH) sind für Unternehmen besonders relevant? Ein Überblick über wichtige...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ZEW-Konjunkturerwartungen steigen überraschend an: Hoffnungsschimmer für die deutsche Wirtschaft?
12.05.2026

Nach Monaten schwerer Belastungen senden die ZEW-Konjunkturerwartungen wieder positive Signale. Analysten hatten deutlich schlechtere Werte...

DWN
Finanzen
Finanzen Carl Zeiss Meditec-Stellenabbau: Bis zu 1.000 Jobs betroffen – was das für die Aktie bedeutet
12.05.2026

Carl Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte mit einem drastischen Sparprogramm. Der geplante Stellenabbau betrifft bis zu 1.000...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs aktuell um 81.000 Dollar: Zwischen Stabilisierung und neuer Unsicherheit
12.05.2026

Der Bitcoin-Kurs hat sich zuletzt über einer wichtigen Marke behauptet, doch von neuer Euphorie kann keine Rede sein. Zwischen...

DWN
Politik
Politik Militärische Stärke im Ukraine-Krieg: Was Europa von Kiew lernen kann
12.05.2026

Die Ukraine setzt im Krieg gegen Russland zunehmend auf technologische Überlegenheit, eigene Rüstungsstärke und engere europäische...

DWN
Finanzen
Finanzen DroneShield-Aktie mächtig unter Druck: ASIC-Untersuchung erschüttert Anlegervertrauen
12.05.2026

Ein Kurseinbruch von bis zu 15 Prozent, eine Untersuchung der Finanzaufsicht und Fragen zur Unternehmenskommunikation: Die...

DWN
Finanzen
Finanzen Teures Kerosin: Reiche sieht Belastung für Urlaubsreisende
12.05.2026

Urlauber müssen sich als eine Folge des Iran-Krieges künftig auf höhere Flugpreise einstellen. Wie Wirtschaftsministerin Reiche die Lage...