Deutschland

Füllstände in deutschen Gas-Speichern nähern sich wichtiger Marke

Die Füllstände deutscher Gas-Speicher nähern sich einer politisch vorgegebenen Marke. Zugleich erheben Verbände Vorwürfe gegen die Bundesregierung.
12.08.2022 11:00
Aktualisiert: 12.08.2022 11:36
Lesezeit: 2 min

Der registrierte Füllstand der deutschen Gasspeicher hat sich dem ersten Speicherziel von 75 Prozent weiter angenähert. Wie am Freitag aus vorläufigen Daten der europäischen Gasspeicherbetreiber im Internet hervorging, waren die Speicher am Mittwochmorgen zu 74,4 Prozent gefüllt. Das waren etwa 0,6 Prozentpunkte mehr als am Vortag.

Der Füllstand wird immer erst zwei Tage später gemeldet. In den ersten zehn Augusttagen stieg der Füllstand im Schnitt jeden Tag um 0,53 Prozentpunkte. Es ist also möglich, dass seit Mittwochmorgen bereits so viel weiteres Gas eingespeichert wurde, dass die 75-Prozent-Marke bis Freitagmorgen bereits überschritten wurde - trotz der seit Wochen deutlich reduzierten Liefermengen aus Russland.

Eine neue Verordnung sieht vor, dass die deutschen Speicher am 1. September zu mindestens 75 Prozent gefüllt sein müssen. Am 1. Oktober sollen es mindestens 85 Prozent und am 1. November mindestens 95 Prozent sein. Die Speicher gleichen Schwankungen beim Gasverbrauch aus und bilden damit eine Art Puffersystem für den Gasmarkt.

Der größte deutsche Speicher im niedersächsischen Rehden war am Mittwoch zu 52,3 Prozent gefüllt. Seit einigen Wochen kommen dort täglich rund 0,8 Prozentpunkte hinzu. Auf den Speicher entfallen allein rund 18 Prozent der deutschen Speicherkapazität.

Verbände: Bundesregierung tut zu wenig fürs Energiesparen

Die Bundesregierung tut aus Sicht mehrerer Verbände deutlich zu wenig, um den Energieverbrauch zu drosseln und Energie effizienter zu verbrauchen. "Die Bundesregierung hinkt ihren eigenen Zielen nicht nur hinterher, sie handelt ihnen sogar zuwider", bemängelte der geschäftsführende Vorstand des Branchenverbands Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff), Christian Noll, am Freitag in Berlin. Wie schon die schwarz-rote Vorgängerregierung konzentriere sich auch die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP zu einseitig auf die Quellen von Energie und zu wenig auf den Verbrauch.

Das kritisierte auch der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Kai Niebert. Zudem brauche es nicht nur Anreize und Appelle, sondern auch staatliche Vorgaben. Ein befristeter Weiterbetrieb der drei verbliebenen Atomkraftwerke über das Jahresende hinaus sei eine "absolut rechtlich unsichere Scheinlösung", warnte Niebert. Diese trügen nur sechs Prozent zur deutschen Stromversorgung bei - wenn das Brennmaterial länger genutzt würde, sänke dieser Wert auf etwa drei Prozent. Einsparungen in der gleichen Größenordnung ließen sich etwa erzielen, wenn man alle unbenutzten Elektrogeräte nicht mehr in den Standby-Betrieb schicken, sondern ausschalten würde.

Die Energiesparkampagne der Bundesregierung kritisierte Noll als "halbherzig". Sie werde angesichts erneuter Förderkürzungen bei Programmen im Gebäudebereich zudem ad absurdem geführt. Thomas Engelke, Energie- und Bauexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband, erklärte, sein Verband unterstütze die Kampagne zwar weiter, sie gehe aber nicht weit genug und sei zu wenig präsent.

Engelke forderte mit Blick auf die ab Oktober greifende Gasumlage auch weitere Entlastungen für Bürgerinnen und Bürger: "Wir brauchen ein weiteres Hilfspaket, das spätestens zu Beginn der Umlage am Start sein muss." Die Umlage soll Gasimporteuren zugute kommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende Gasmengen aus Russland kaufen müssen, diese Mehrkosten aber bisher nicht weitergeben können. Er rechne dadurch mit Zusatzkosten von 300 bis über 1000 Euro für einen Privathaushalt mit durchschnittlichem Gasverbrauch, sagte Engelke.

Der Geschäftsführer des Energieberaterverbands GIH, Benjamin Weismann, erklärte, die Bundesregierung veranstalte einen "Wärmepumpen-Hype". Diese Geräte seien zwar wichtig, der Einbau mache bei einem schlecht sanierten Gebäude aber wenig Sinn.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Ist die Ära der Niedrigzinsen vorbei? Wie Bull DeFi ungenutzte Ersparnisse in aktive Renditen verwandelt – bis zu 3.700 US-Dollar pro Tag.

Wir beleuchten die unterschiedlichen Mechanismen von Bull Market DeFi im Vergleich zu traditionellen Anlagen – und warum es sich lohnt,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Infineon-Aktie im Fokus: Neuer Rekordumsatz dank KI-Boom
05.08.2026

Der Halbleiterhersteller Infineon hat dank der boomenden Nachfrage für Stromchips für KI-Rechenzentren im dritten Geschäftsquartal einen...

DWN
Politik
Politik Deutsche Bildungsmisere: Warum der Nachwuchs zum Standortrisiko wird
05.08.2026

Seit Jahren gibt es einen regelrechten Sturzflug bei den Lernleistungen an den Schulen. Inzwischen erreichen mehr als ein Drittel der...

DWN
Politik
Politik Teilzeitquote bei Lehrkräften auf Rekordhoch - Jeder Dritte 50 Jahre oder älter
05.08.2026

Rund 44 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland arbeiten in Teilzeit. Zugleich ist mehr als jede dritte Lehrkraft mindestens 50...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Weltbank: Jobrisiko durch KI in einkommensstarken Ländern höher
05.08.2026

Künstliche Intelligenz kann die Produktivität steigern – womöglich so stark, dass bestimmte Arbeitsplätze überflüssig werden. Die...

DWN
Politik
Politik EU-Haushalt 2028–2034: Deutschland soll Europas Rechnung bezahlen
05.08.2026

Zwei Billionen Euro, neue Schulden und ein Machtkampf zwischen Berlin und Paris: Die Verhandlungen über den EU-Haushalt 2028–2034 drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt höher, da Bessent auf baldiges US-Iran-Abkommen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus hindeutet
04.08.2026

Ein überraschender Wendepunkt an den globalen Finanzmärkten sorgt für Aufsehen – erfahren Sie, was die Börsen jetzt antreibt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Marsch in die Flaute drückt Deutschlands Industrie 
04.08.2026

In China braut sich womöglich eine länger anhaltende Krise zusammen. Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft ist das eine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Öl-Aktien: Konzerne kassieren, Deutschlands Wirtschaft zahlt
04.08.2026

Krieg im Nahen Osten, Ölpreise auf Rekordniveau und Milliardengewinne für die Energiekonzerne: Öl-Aktien schlagen 2026 sogar den...