Politik

In Krisen- und Kriegszeiten: Strategische Partnerschaften auf Konfrontationskurs

Während in der Ukraine Krieg herrscht, werden weltweit Militärmanöver abgehalten und internationale Koalitionen geschmiedet.
Autor
30.08.2022 16:00
Lesezeit: 2 min
In Krisen- und Kriegszeiten: Strategische Partnerschaften auf Konfrontationskurs
Diese Woche startet das Militär-Manöver "Wostok 2022" mit mehr als 50.000 Soldaten (Foto: dpa) Foto: Sergei Grits

Kriegsszenarien, soweit das Auge reicht: Es fühlt sich an, als würde die Welt langsam aus den Fugen geraten, während weltweit Waffensysteme verschoben, Krieg geführt wird und Manöver abgehalten werden.

Mit Schauplätzen, die sich wie Erdplatten verschieben, und im Mittelpunkt die drei Großmächte USA, China und Russland. Und dabei auf der Suche nach internationalen Koalitionen und mit dem Anspruch legitimer Machtansprüche die Welt ins Wanken bringen und die Angst nach weltweiten Konflikten anheizen.

Meerenge zwischen Taiwan und China

So haben nach der großangelegten chinesischen Machtdemonstration in der Meerenge zwischen Taiwan und China, die Streitkräfte Südkoreas und der USA ein elf Tage andauerndes Manöver begonnen. Und erst vor zwei Tagen durchquerten US-Kriegsschiffe die Taiwanstraße, darum bemüht, es so aussehen zu lassen, als würden die Kreuzer USS „Antietam“ und „USS „Chancellorsville“ im Einklang mit dem Völkerrecht eine routinemäßige Durchfahrt durch die Taiwanstraße durchführen.

Gleichzeitig plant der US-Präsident Joe Biden vor dem Hintergrund der Spannungen mit China, Taiwan mit Waffen im Wert von rund 1,1 Milliarden Dollar zu beliefern. Eine entsprechende Vorlage über die Lieferung von 60 Schiffsabwehr-Raketen und 100 Luft-Luft-Raketen soll dem Kongress vorgelegt werden.

Allerdings: Nicht genug damit. Auch der kleine Inselstaat Taiwan selbst scheint von den ständigen Provokationen Chinas genug zu haben. Und droht seinerseits Berichten der Taiwan News zufolge, in Zukunft unbemannte Luftfahrzeuge, sprich chinesische Drohnen, die nicht auf Warnungen reagieren, abzuschießen.

"Wostok 2022"

Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin hingegen scheint es kein Problem zu sein, Krieg in der Ukraine zu führen, und gleichzeitig ein Manöver im fernen Osten Russlands abzuhalten. Das am Donnerstag startende Manöver „Wostok 2022“ führt mehr als 50.000 Soldaten aus Russland, China, Indien, Belarus, Tadschikistan und der Mongolei zusammen.

Dabei sind die chinesischen Truppen bereits im Gebiet Primorje angekommen. Die Übungen finden in Sibirien, im Fernen Osten, im Ochotskischen und im Japanischen Meer statt. Insgesamt seien mehr als 5.000 Waffen und militärische Technik im Einsatz, darunter 140 Flugzeuge, Drohnen und 60 Schiffe. Mit dem Ziel, Stärke zu demonstrieren und vor allem die militärische Macht Russlands zu unterstreichen.

Zwar hat Japan im Vorfeld gegen die Manöver protestiert und Russland aufgefordert, auf Übungen in der Nähe der Südkurilen zu verzichten, wurde aber vom Kreml-Chef nicht erhört. Erst Ende Juli hatte Waldimir Putin eine neue Marinedoktrin unterzeichnet, die die Grenzen und Interessenzonen Russlands auf See großräumig definiert.

Und auch in der Arktis, die jetzt auch die NATO stärker ins Visier nehmen will, plant Moskau seine Präsenz auszubauen. Konkret: Auf den Inseln im Nordpolarmeer und im Arktischen Ozean. Nicht zuletzt deshalb, will Putin die Zahl der zivilen und militärischen Kräfte auf über zwei Millionen aufstocken.

Drohnen aus dem Iran

Nicht mit von der Partie bei dem großangelegten Manöver „Wostock 2022“ ist der Bündnispartner Iran. Dagegen hat der islamischen Staat, trotz Warnungen der USA, Russland Hunderte iranische Drohnen geliefert, die im Angriffskrieg gegen die Ukraine eingesetzt werden sollen. Darunter unbemannte Luftfahrzeuge der Serien Mohajer-6 und Shahed. Sie sollen den Russen mehr Möglichkeiten geben, tiefer in ukrainischen Gebieten einzugreifen.

Allerdings, so zumindest berichtet die Washington Post, hätten die Russen technische Probleme mit den iranischen Drohnen, die zum Teil fehlerhaft sein sollen. Es gäbe zahlreiche Pannen, teilten Mitglieder des Weißen Hauses unter Berufung auf Erkenntnisse von US-Geheimdiensten mit. Auch würden russische Soldaten im Iran Schulungen zum Einsatz der Drohnen erhalten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Der wachsende Trend zu flexiblen Konsumausgaben bei deutschen Verbrauchern

Deutsche Haushalte verändern ihr Ausgabeverhalten grundlegend. Wo früher feste Sparpläne und monatliche Budgets den Alltag bestimmten,...

DWN
Politik
Politik Städtetags-Präsident warnt Bundesregierung: "Stimmung in den Rathäusern explosiv"
12.08.2026

Die Kommunen stehen finanziell unter Druck. Die Stimmung in den Rathäusern sei noch nie so schlecht gewesen, heißt es vom Städtetag. Er...

DWN
Technologie
Technologie ChatGPT & Co: Welche Risiken Unternehmen im E-Commerce drohen
12.08.2026

Die Spielregeln im Handel ändern sich radikal: Kunden verlagern ihre Suche in KI-Interfaces, Kaufentscheidungen treffen bald autonome...

DWN
Politik
Politik Geheimdienst-Reform: BND und Verfassungsschutz bekommen mehr Macht
12.08.2026

Die geplante Reform der Geheimdienste soll laut dem CDU-Politiker Henrichmann mehr Befugnisse bringen: Nachrichtendienste sollen künftig...

DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (08/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen
12.08.2026

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

DWN
Politik
Politik Ölmarkt unter Druck: USA bremsen ukrainische Angriffe im Schwarzen Meer
12.08.2026

Die Ukraine trifft mit ihren Drohnenangriffen einen empfindlichen Nerv des russischen Ölgeschäfts. Doch nun greift Washington ein, denn...

DWN
Politik
Politik Rente und Pension im Vergleich: Wie groß die Unterschiede wirklich sind
12.08.2026

Die Renten sind im Schnitt deutlich niedriger als die Beamtenpensionen. Eine neue Auswertung aus dem Bundestag zeigt erhebliche...

DWN
Technologie
Technologie Ifo: Deutsche Unternehmen erwarten sinkende Löhne durch KI
12.08.2026

Die Betriebe gehen sehr viel häufiger von einem Rückgang als von einem Anstieg der Löhne in den kommenden fünf Jahren aus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflationsschock durch Energiepreise - Leben wird immer teurer
12.08.2026

Nach dem Auslaufen des Tankrabatts hat sich das Leben in Deutschland sprunghaft verteuert. Im Juli kletterte die Inflationsrate auf 2,8...