Technologie

US-Regierung forciert Handelskrieg gegen China

Die US-Regierung verstärkt die Abkopplung von China auf dem Hochtechnologiesektor. Auch für Europa birgt der Feldzug Risiken.
10.10.2022 10:00
Aktualisiert: 10.10.2022 10:19
Lesezeit: 2 min
US-Regierung forciert Handelskrieg gegen China
Ein Halbleiter-Wafer in einem Gelbraum. Die US-Regierung verstärkt ihre technologische Abkopplung von China. (Foto: dpa) Foto: Christoph Schmidt

Die US-Regierung will die technologischen und militärischen Fortschritte Chinas mit einer Reihe von weitreichenden Exportbeschränkungen ausbremsen. Mit den neuen Regeln für die Ausfuhrkontrolle soll China unter anderem der Zugang zu bestimmten Halbleiter-Chips verwehrt werden, die mit US-Geräten weltweit produziert werden.

Die Maßnahmen sollen nach Angaben der US-Regierung vom Freitag mit sofortiger Wirkung angewendet werden. Demnach dürfen die Chip-Zulieferer KLA, Lam Research and Applied Materials keine Anlagen mehr an chinesische Werke liefern, die fortschrittliche Logikchips herstellen. Die Schritte der US-Regierung könnten nach Einschätzung von Experten die chinesische Chipindustrie um Jahre zurückwerfen.

Der US-Halbleiter-Verband Semiconductor Industry Association begrüßte die Ankündigung. Auch andere Länder sollten sich an den US-Vorschriften beteiligen, um die Wirkung der Maßnahmen zu verstärken.

Loyalität mit „Halbleitergeschmack“

Die Autoren des aktuellen Hellmeyer-Reports stellen in ihrem Kommentar grundsätzliche Fragen zu den jüngsten Maßnahmen der US-Regierung:

Man gewöhnt sich so zügig an neue Parameter. Wird eigentlich noch die Frage gestellt, ob diese US-Maßnahmen überhaupt mit dem internationalen Regelwerk der WTO im Einklang stehen? Das Regelwerk der WTO und die Schiedsgerichtsbarkeit bilden das Skelett der globalen Wirtschaftswelt aus. Wie sieht ein Körper ohne Skelett aus? Oder sind rechtsstaatliche Strukturen im globalen Wirtschaftsverkehr für uns in Europa mittlerweile so irrelevant wie sie offensichtlich in den USA sind, obwohl unser export- und importseitiges Wirtschaftssystem von dieser Rechtsstruktur elementar abhängig ist?

Gibt es in Brüssel, Berlin oder in Paris noch konsequentes Denken, das eigenen Interessen Rechnung trägt? Seitdem die USA die Struktur der Schiedsgerichtsbarkeit der WTO zerstörten (gesetzesbasierte Ordnung), verfügen sie Sanktionen bar aller Grundlagen im Rahmen der jetzt angewandten US regelbasierten Ordnung („America first“) und führen immer offener Wirtschafts- und Finanzkriege. Wann ist Europa dran?

Ist der US-Versuch, jetzt im Rahmen der europäischen Versorgungskrise deutsche Unternehmen zu Produktionsstättenverlagerungen zu animieren, nicht auch Teil dieser Politik? Sich seitens der USA dabei dann gleichzeitig auf westliche Werte in seinem unilateralen Anspruch zu berufen, erscheint ambitioniert zu sein. Das Schweigen Europas zu den hybriden Kriegen der USA in den Sektoren Finanzen und Wirtschaft, das eigenen Interessen zuwider läuft, ist recht ohrenbetäubend.

Dieser neuerliche Schritt der USA steht im Kontext mit der massiven Subventionspolitik (52 Mrd. USD-Programm), um Produktionsstätten im Halbleitersektor in die USA zu holen. Das gilt insbesondere für Produktionen aus Taiwan (u.a. TSMC). Taiwan stellt noch 64% des weltweiten Halbleitermarktes. Mit dieser US-Politik wird die Wirtschaft Taiwans in Teilen perspektivisch entkernt, denn die starke Position am Halbleitermarkt macht Taiwan für den Westen „noch“ so interessant.

Sieht man in Taipeh die Risiken der Produktionsstättenverlagerung klar und eindeutig oder schaut man durch eine vom Westen gefärbte rosarote Brille, was die Zukunftsfähigkeit der eigenen Ökonomie, die Bedeutung des Standorts für den Westen (USA) als auch die aus diesem Aspekt gegebene westliche Loyalität anbetrifft, die derzeit noch einen unverkennbaren deutlichen „Halbleitergeschmack“ aufweist. Westliche Loyalitäten haben unter Umständen kurze Halbwertzeiten und binden sich bisweilen an Nutzen und nicht Werten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase: Warum Anleger wieder an die nächste Wunderwelt glauben
03.07.2026

Erst kaufen Kleinanleger Chipaktien auf Kredit, dann sammelt SpaceX Milliarden ein, obwohl das Unternehmen weiter Verluste schreibt. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis startet gut in den Juli: Erholung oder nur eine Atempause vor neuen Kursverlusten?
03.07.2026

Ist der diesjährige Ausverkauf lediglich eine starke Korrektur nach einem außergewöhnlichen Anstieg oder der Beginn einer längeren...

DWN
Immobilien
Immobilien Explosionsartige Mietsteigerungen: Wie Sie sich gegen den Mietenwahnsinn wehren können
03.07.2026

Die Wohnkosten in Deutschlands Großstädten kennen seit Jahren nur eine Richtung: steil nach oben. Eine aktuelle Auswertung des Deutschen...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 32: Die Woche im Rückblick – KW 27
03.07.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Eilantrag in Karlsruhe: Linke will neues Heizgesetz im Bundestag blockieren
03.07.2026

Die Linke-Fraktion zieht vor das Bundesverfassungsgericht, um die geplante Verabschiedung des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes vorerst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Silberstreif am Horizont: Dienstleister in der Eurozone überraschen positiv
03.07.2026

Die Stimmung im Dienstleistungssektor der Eurozone hat sich im Juni deutlicher aufgehellt als von Experten prognostiziert. Dank eines...

DWN
Finanzen
Finanzen Wall Street im KI-Rausch: US-Techriesen hängen Deutschland ab
03.07.2026

Die Dominanz der USA an den globalen Aktienmärkten nimmt drastisch zu. Angetrieben vom anhaltenden KI-Boom besetzen amerikanische Konzerne...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Experten-Interview: Führungskräfte scheitern oft beim Aufbau eines starken Teams – sie kennt das Rezept
03.07.2026

Vanessa Druskat ist Psychologin, Spitzenforscherin, Autorin und Expertin dafür, wie man ein dysfunktionales Team am Arbeitsplatz wieder...