Wirtschaft

Der starke Dollar belastet die Luftfahrt

Der starke Dollar wird für die internationale Luftfahrtbranche zu einem ernsten Problem.
18.10.2022 09:00
Lesezeit: 2 min

Der starke US-Dollar übt neuen Druck auf die schwachen Bilanzen global aktiver Fluggesellschaften aus und treibt die Kosten vom Treibstoff bis hin zu den von Flugzeugen selbst schnell in die Höhe. Die Dollar-Stärke hat in diesem Jahr zu einem deutlichen Rückgang des Wechselkurses verschiedener Weltwährungen, vom Pfund über den Euro bis zum Yen, geführt.

Der US-Dollar-Index, der den Kurs der Währung im Vergleich zu seinen wichtigsten Konkurrenten abbildet, wurde kürzlich in der Nähe eines 20-Jahres-Hochs gehandelt. Trotz zügelloser Inflation und gebremstem Wachstum wird der Dollar immer stärker. Seit Mai letzten Jahres ist er gegenüber dem Yen um ungefähr 28% und gegenüber dem Pfund um ungefähr 20% gestiegen. Und im Vergleich zum Euro hat er um 19% aufgewertet und damit erstmals seit 2002 die Parität erreicht. Derzeit müssen für einen Euro nur noch etwa 97 Cent gezahlt werden.

Dollar-Druck

Wie die Financial Times berichtet, stellt dies eine besondere Herausforderung für Fluggesellschaften dar, weil sie ihre Einnahmen in Landeswährungen erzielen, aber einen Großteil ihrer Kosten in US-Dollar bezahlen. „Ein starker Dollar ist sehr schwierig für die Luftfahrtindustrie im Allgemeinen,“ so Ryanair-Chef Michael O'Leary. „Als ob wir nicht schon genug Herausforderungen hätten, mit Corona, dem Krieg in der der Ukraine und dem Ölpreis.“

Das bedeutet, dass Fluggäste finanziell noch stärker belastet werden könnten, da die Fluggesellschaften versuchen, die steigenden Kosten über die Ticketpreise weiterzugeben. Nach zwei Jahren von Corona-Grenzbeschränkungen sind Flugpreise bereits stark angestiegen. Die britische Verbraucherorganisation „Which?“ berichtet, dass Flüge im Vereinigten Königreich für die Herbstferien bereits 42 Prozent teurer sind, verglichen mit demselben Zeitraum im Jahr 2019.

Die meisten Fluggesellschaften haben Währungsabsicherungen abgeschlossen, um die schlimmsten Auswirkungen des starken US-Dollars abzufedern. Die steigenden Kosten stellen viele Airline-Chefs jedoch vor die schwierige Entscheidung, wie viele Flugzeuge in diesem Winter eingesetzt werden sollen, da die Luftfahrtbranche weltweit wegen der Covid-Pandemie große Verluste hinnehmen musste.

Laut dem Fluggesellschaften-Verband International Air Transport Association (IATA) wird die Branche in diesem Jahr voraussichtlich 10 Milliarden Dollar verlieren und damit die Nettoverluste in den letzten drei Jahren auf 190 Milliarden Dollar erhöhen.

Mögliche Gewinner

Nur die US-Fluggesellschaften werden in diesem Jahr wahrscheinlich einen Gewinn erwirtschaften. David Yu, Berater für Luftfahrtfinanzierung und Professor für Finanzen an der New York University Shanghai, sagte der starke Dollar würde sich definitiv negativ auf die Rentabilität der meisten anderen Fluggesellschaften auswirken. „Es wird mit Sicherheit ein harter Winter werden“, so Yu.

Zu den typischen Betriebskosten, die von den Airlines in Dollar bezahlt werden, gehören Kerosin und die Instandhaltung und Überholung von Flugzeugen. Nach Angaben der IATA belaufen sich diese auf etwa 40 Prozent der Ausgangskosten der Fluggesellschaften.

Darüber hinaus werden auch die Investitionsausgaben der Fluggesellschaften in Dollar getätigt. Sie zahlen in der US-Währung, wenn sie ihre Flugzeuge kaufen, selbst bei europäischen Luftfahrtriesen wie Airbus. Außerdem zahlen Unternehmen, die ihre Flugzeuge nicht kaufen, sondern nur leasen, in Dollar.

Chris Tarry vom Luftfahrtberatungsunternehmen Ctaira fasste zusammen: „Der US-Dollar ist halt die Währung der Luftfahrt, in guten sowie in schlechten Zeiten.“

Buchungen trotzdem stark

Trotz steigender Kosten für Ticketpreise boomte die Nachfrage nach Reisen im vierten Quartal dieses Jahres. Laut Branchen-Experten ist dies ein Zeichen wie wichtig Urlaub und Reiseerlebnisse in der Post-Corona-Ära für viele Menschen sind.

Und International Airlines Group, der Eigentümer von British Airways sowie easyJet hat letzte Woche für den Winter eine solide Nachfrage nach Flügen vorausgesagt, trotz der sich eintrübenden globalen Wirtschaftsaussichten. Die britisch-spanische Airline-Gruppe, zu der auch Aer Lingus und Iberia gehören, sagte, es gebe trotz der Lebenshaltungskostenkrise „keine Anzeichen für eine Schwäche bei Buchungen“, berichtet die Financial Times.

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Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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