Politik

Lagebericht Ukraine: Russland bombardiert Energie-Infrastruktur mit „Kamikaze-Drohnen“

Die russische Armee greift bei ihren Angriffen auf Ziele in der Ukraine in großem Umfang auf sogenannte Kamikaze-Drohnen zurück.
18.10.2022 10:00
Aktualisiert: 18.10.2022 10:40
Lesezeit: 2 min
Lagebericht Ukraine: Russland bombardiert Energie-Infrastruktur mit „Kamikaze-Drohnen“
Feuerwehrleute arbeiten nach dem Beschuss auf Gebäude durch eine Drohne. (Foto: dpa) Foto: Roman Hrytsyna

Russland hat seine Drohnen- und Raketenangriffe auf Ziele in der Ukraine fortgesetzt. Am Dienstag gab es im ganzen Land immer wieder Luftalarm. Unter anderem in den Regionen Charkiw, Dnipropetrowsk und Mykolajiw war laut den Behörden die Luftverteidigung aktiv. An vielen Orten, unter anderem auch in der Hauptstadt Kiew, schlugen Raketen und Drohnen ein. Moskau intensivierte zuletzt seine Angriffe mit Kampfdrohnen iranischer Bauart. Teheran bestreitet entsprechende Lieferungen an Moskau.

Energie-Infrastruktur im Visier

Laut Selenskyj richteten die russischen Angriffe der vergangenen Tage schwere Schäden in der Energie-Infrastruktur an. 30 Prozent der ukrainischen Kraftwerke seien seit dem 10. Oktober zerstört worden, twitterte der Präsident. Auch britische Militärexperten vermuteten, dass sich Russlands jüngste Angriffswelle vor allem gegen das Energienetz der Ukraine richte. Verhandlungen mit Russlands Präsident Wladimir Putin lehnt Selenskyj weiter ab: Es geben „keinen Raum mehr“ dafür.

Seit dem Beginn der großflächigen russischen Angriffe vor mehr als einer Woche sind in der Ukraine mehr als 70 Menschen getötet und mehr als 240 verletzt worden, wie ein Sprecher der Zivilschutzbehörde mitteilte. Beschädigt worden seien zudem insgesamt mehr als 380 Gebäude, darunter rund 240 Wohnhäuser. In Kiew starben am Dienstag mindestens drei Menschen - Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur - wie Bürgermeister Vitali Klitschko bekanntgab. In der Region Mykolajiw wurde bei nächtlichem Raketenbeschuss ein Wohnhaus getroffen, unter den Trümmern wurde die Leiche eines Mannes entdeckt.

In der Stadt Charkiw berichtete Bürgermeister Ihor Terechow von zwei Explosionsserien innerhalb von fünf Minuten. Im Gebiet Dnipropetrowsk wurden in Kriwyj Rij und in der Gebietshauptstadt Dnipro Explosionen gemeldet. In Schytomyr hätten Raketen Energieinfrastruktur getroffen. Die ukrainischen Streitkräfte wehrten nach eigenen Angaben mehrere Angriffe ab. Kiew fordert vom Westen noch mehr Flugabwehrsysteme.

Die Angriffe auf die ukrainische Energie-Infrastruktur führten zu „massiven Stromausfällen im ganzen Land“, wie Selenskyj bei Twitter schrieb. In Kiew wurde laut Klitschko zudem die Wasserversorgung getroffen. Der Bürgermeister rief alle Bewohner auf, Elektrizität zu sparen und Trinkwasservorräte anzulegen. Nach Einschätzung der britischen Geheimdienste sind diese Attacken Russlands eine Reaktion auf die jüngsten militärischen Rückschläge. Es gebe nun einen höhere Bereitschaft, neben militärischen Zielen auch zivile Infrastruktur in der Ukraine anzugreifen, hieß es in einem Lagebericht der Experten.

Nach vielen Rückschlägen in den vergangenen Wochen erzielte die russische Armee eigenen Angaben zufolge wieder einen kleineren Erfolg im Osten der Ukraine. Im Gebiet Charkiw sei die Siedlung Gorobiwka erobert worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow. Unabhängig konnte das zunächst nicht überprüft werden, die Ukraine bestätigte das nicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Panorama
Panorama Google löscht Online-Bewertungen: Was sind die Sterne noch wert?
21.07.2026

Die Sterne bei Google entscheiden mit darüber, welches Restaurant oder Hotel Kunden wählen – doch wie verlässlich sind sie noch? Immer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mercedes-Aktie: Warum ausgerechnet die C-Klasse über Europas Autozukunft entscheidet
21.07.2026

Mercedes verabschiedet sich von der Idee, Elektroautos wie eine eigene Produktwelt zu verkaufen. Die neue elektrische C-Klasse soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Edelmetall über Marke von 4.000 Dollar – Zinsausblick bleibt Belastungsfaktor
21.07.2026

Der Goldpreis erholt sich am Dienstag spürbar. Eine Feinunze Gold kostete im frühen Handel annähernd 4.060 US-Dollar. Damit bleibt das...

DWN
Panorama
Panorama DAK-Auswertung: Weniger Krankmeldungen – psychische Leiden rücken in den Fokus
21.07.2026

Weniger Krankschreibungen, aber neue Herausforderungen: Eine aktuelle Auswertung zeigt überraschende Entwicklungen bei den Fehlzeiten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Automarkt kollabiert: Deutsche Autobauer zahlen den Preis
21.07.2026

China war jahrzehntelang die Gewinnmaschine der deutschen Autoindustrie. Nun brechen dort die Verkäufe westlicher Marken ein, während...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Ölpreis steigt auf 91 Dollar, während Trump erklärt, der Iran werde für US-Todesopfer „um ein Vielfaches zahlen“
20.07.2026

Welche Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten und wo Anleger jetzt genau hinschauen sollten.

DWN
Technologie
Technologie Atem-Biometrie: Wird unser Atem bald zum neuen Passwort?
20.07.2026

Passwörter lassen sich ändern, ein Atemmuster nicht. Forscher wollen Menschen künftig daran erkennen, wie sie ein- und ausatmen, und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Median-Entgelt: Einkommen steigen, doch die Lohnlücke besteht weiter
20.07.2026

Mehr Geld auf dem Gehaltszettel, sinkende Unterschiede zwischen Frauen und Männern und deutliche regionale Abweichungen: Die aktuellen...