Finanzen

UBS warnt: Frankfurt und München in hoher Immobilienblasen-Risiko-Zone

In beiden Städten haben sich die nominalen Immobilienpreise in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das Risiko ist sehr hoch, sagt die Bank.
22.10.2022 17:39
Aktualisiert: 22.10.2022 17:39
Lesezeit: 2 min

Frankfurt und München befinden sich in einer hohen Immobilienblasen-Risiko-Zone. Beide Städte sind, neben Zürich und Amsterdam in der Eurozone, am stärksten von einem möglichen Zusammenbruch des Immobilienmarkts bedroht.

Laut einem neuen Bericht der Schweizer Bank UBS, haben sich die Immobilienpreise in Frankfurt und München in den letzten zehn Jahren nominal mehr als verdoppelt, obwohl sich das Wachstum zwischen Mitte 2021 und Mitte 2022 von zweistelligen Werten abgekühlt hat.

Der UBS Global Real Estate Bubble Index Bericht hat 25 Weltstädte nach dem Risiko eines Zusammenbruchs des Immobilienmarkts eingestuft und gewarnt, dass Frankfurt und München, nach Toronto (an erster Stelle), ein stark erhöhtes Risiko aufweisen.

In Toronto haben sich Hauspreise in den letzten 25 Jahren mehr als verdreifacht.

„Die Ungleichgewichte auf den globalen Wohnungsmärkten der Hauptstädte sind stark erhöht und die Preise sind nicht synchron mit den steigenden Zinssätzen“, so die Bank.

Spitzenreiter: Kanada und Deutschland

In dem jährlichen Bericht werden die Wohnungsmärkte in 25 Städten mit einem Indexwert bewertet, wobei ein Wert von über 1,5 bedeutet, dass eine Stadt wahrscheinlich eine Immobilienblase erlebt. Toronto (2,24) und Frankfurt (2,21) führen, gefolgt von Zürich (1,81), München (1,80), Hong Kong (1,71), Vancouver(1,70), Amsterdam (1,62), Tel Aviv (1,59), Tokyo (1,56) und Miami (1,39).

Was ist eine Immobilienblase?

Zu einer Blase kommt es, wenn die lokalen Immobilienpreise aufgrund hoher Nachfrage und Spekulation schnell ansteigen, bis zu einem Punkt, an dem sie nicht mehr von den wirtschaftlichen Grundlagen des Landes gestützt werden.

Preisblasen sind ein immer wiederkehrendes Phänomen auf Immobilienmärkten. Zu den typischen Anzeichen von Immobilienmarkt Übertreibungen gehören eine Abkopplung der Preise von den lokalen Einkommen und Mieten, sowie Ungleichgewichte in der Wirtschaft, wie zum Beispiel eine übermäßige Kreditvergabe und Bautätigkeit.

Der UBS Global Real Immobilienblasen-Index misst das Risiko einer Immobilienblase aufgrund solcher Muster, sagt aber nicht voraus, ob und wann eine Korrektur einsetzen wird.

Frankfurt

Die zweistelligen Preissteigerungen auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt sind zum Stillstand gekommen. Die jüngste Abkühlung verbirgt einen phänomenalen Anstieg: Die nominalen Wohnungspreise in Frankfurt liegen derzeit noch mehr als 60 Prozent über dem Niveau von vor fünf Jahren. In diesem Zeitraum hat der Preisanstieg Einkommens- und Mietwachstum deutlich übertroffen.

Die Investitionsnachfrage hat eine entscheidende Rolle beim rasanten Preisanstieg gespielt. Zwar haben die Marktungleichgewichte leicht abgenommen, aber der Frankfurter Wohnungsmarkt bleibt im Bereich des Blasenrisikos.

München

In München wird der Wohnungsmarkt durch eine extrem niedrige Leerstandsquote und einer wachsenden Zahl von Arbeitskräften unterstützt, aber die gedämpften deutschen Konjunkturaussichten belasten die Wohnungsnachfrage stark.

Höhere Hypothekenzinsen haben die Chancen eine Immobilie zu kaufen bereits deutlich verschlechtert: im Durchschnitt kann sich heutzutage ein/eine qualifizierter/e Facharbeiter*in aus dem Dienstleistungssektor in München eine Wohnung mit einem Zimmer weniger leisten als in Zeiten vor der Pandemie.

Düstere Aussichten

In den 25 Städten stiegen dem UBS-Bericht zufolge die nominalen Immobilienpreise von Mitte 2021 bis Mitte 2022 um durchschnittlich 10 Prozent, der größte jährliche Anstieg seit 2007.

Höhere Zinssätze, Inflation, Turbulenzen auf den Finanzmärkten und die Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen setzen den weltweiten Immobilienboom weiter unter Druck. In der Eurozone ist die Inflationsrate Ende September erstmals auf 10 Prozent gestiegen, angetrieben durch einen massiven Preisschub bei Energie.

Nach Angaben der UBS bleibt der robuste Arbeitsmarkt die letzte Stütze für den Markt für selbstgenutztes Wohneigentum in den meisten Städten. Mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen droht auch dieser ins Wanken zu geraten.

Der Bericht kommt zu folgendem Schluss: „In der Tat erleben wir, dass der weltweite Eigenheimboom jetzt nach langer Zeit unter Druck gerät, und in der Mehrzahl der hoch bewerteten Städte Preiskorrekturen in den kommenden Quartalen zu erwarten sind“.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Twitch, Kick & Co. die Unterhaltungsbranche prägen

Das Bild der Unterhaltungsbranche hat sich dramatisch gewandelt. Dabei wurde aus einer Einbahnstraße eine Autobahn mit unzähligen Spuren...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen Trade Republic attackiert Europas Banken mit sechs Prozent Zinsen
02.06.2026

Sechs Prozent Zinsen, Brad Pitt im Werbespot und ein deutscher Anbieter, der in Polen plötzlich klassische Banken herausfordert. Trade...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit schnappt sich offenbar mehr als 30 Prozent von Commerzbank
02.06.2026

Unicredit kommt ihrem Ziel bei der Commerzbank einen entscheidenden Schritt näher. Mit dem Überschreiten der 30-Prozent-Marke stärkt die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mythos Fachkräftemangel beendet: Deutschlands Arbeitsmarkt bricht langfristig ein
02.06.2026

Schwache Frühjahrsbelebung, keine Trendumkehr: Der deutsche Arbeitsmarkt kippt langfristig in eine neue Massenarbeitslosigkeit. Warum es...

DWN
Politik
Politik Nukleare Abschreckung wird zur Machtprobe für Europa
02.06.2026

Norwegen rückt an Frankreichs Atomschirm heran, und plötzlich wirkt Europas Sicherheitsarchitektur weniger stabil als lange behauptet....

DWN
Finanzen
Finanzen Konsumdruck im Alltag: Wie Sparen dennoch funktionieren kann
02.06.2026

Ob online oder im Alltag: Konsumreize lauern überall und machen es schwer, den Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten. Wer...

DWN
Panorama
Panorama Kölner Dom kostet ab Juli zwölf Euro Eintritt
02.06.2026

Alles wird teurer. Selbst der Kölner Dom kostet ab Juli nun zwölf Euro Eintritt. Warum das so ist - und welche Ausnahmen gelten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ölpreise sprengen Europas Wirtschaft
02.06.2026

Die Ölpreise verhalten sich auf den ersten Blick erstaunlich ruhig, doch die Puffer des Weltmarkts verschwinden in gefährlichem Tempo....

DWN
Finanzen
Finanzen Bayer-Aktie stürzt ab: Glyphosat-Angst wächst
02.06.2026

Die Bayer-Aktie gerät erneut unter Druck: Wachsende Zweifel an einem Glyphosat-Vergleich und eine wichtige Entscheidung des...