Deutschland

Urteil: Bundestag muss bei Militäroperationen frühzeitig informiert werden

Das Verfassungsgericht hat entschieden, dass die Regierung den Bundestag über Militäroperationen informieren muss. Im Jahr 2015 wurde dies dem Urteil zufolge versäumt.
26.10.2022 16:13
Lesezeit: 1 min
Urteil: Bundestag muss bei Militäroperationen frühzeitig informiert werden
Der Zweite Senat beim Bundesverfassungsgericht verkündet das Urteil zu den Informationspflichten der Bundesregierung gegenüber dem Bundestag in EU-Fragen. (Foto: dpa) Foto: Uli Deck

Das Bundesverfassungsgericht hat die Informationsrechte des Bundestages bei europäischen Militäroperationen gestärkt. Nach einem am Mittwoch verkündeten Urteil verletzte die damalige Bundesregierung die Mitwirkungsrechte des Parlaments, weil sie 2015 den Bundestag nicht frühzeitig über eine geplante europäische Militäroperation im Mittelmeer gegen Schlepper unterrichtete. Auch hätte der Bundestag Einblick in ein Schreiben des türkischen Ministerpräsidenten an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erhalten müssen, das die Aufnahme von Flüchtlingen in der Türkei betraf.

Die Linke hatte das Schreiben angefordert, was aber mit der Begründung abgelehnt wurde, es handele sich um ein persönliches Schreiben an die Kanzlerin. Mit dieser pauschalen Begründung habe der Einblick nicht verwehrt werden dürfen, urteilte der Zweite Senat. Damit hatten die Klagen der Grünen und der Linken Erfolg. Die Entscheidung ist auch für künftige Mitwirkungsrechte des Bundestages in der europäischen Sicherheitspolitik von Bedeutung. (AZ: 2 BvE 3/15 und 2 BvE 7/15)

Der sogenannte Europaartikel im Grundgesetz legt fest, dass Bundestag und Bundesrat in EU-Angelegenheiten mitwirken. "Die Bundesregierung hat den Bundestag und den Bundesrat umfassend und zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu unterrichten", heißt es dort. Diese Informationspflicht gelte auch in der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik der EU, erklärte das Bundesverfassungsgerichts in seinem Urteil. Grenzen der Unterrichtungspflicht könnten sich nur aus dem Staatswohl ergeben oder wenn der "Kernbereich" der Eigenverantwortung der Bundesregierung betroffen sei. Dies müsse die Bundesregierung dann aber gegenüber dem Bundestag substanziell begründen. Weiter gelte das Informationsrecht für den gesamten Bundestag, nicht nur für einzelne Abgeordnete in den Ausschüssen.

2015 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der EU, die die Militärpräsenz im Mittelmeerraum zur Bekämpfung von Schleppern zu erhöhen. Nach dem Beschluss zur sogenannten Operation Sophia im Mai 2015 konnten nur Mitglieder verschiedener Bundestagsausschüsse die Entwürfe in der sogenannten Geheimschutzstelle lesen. Dem gesamten Bundestag wurden die Pläne nicht zugeleitet. Im September 2015 brachte die Bundesregierung dann den Antrag auf Zustimmung des Parlaments zum Einsatz der deutschen Marine in den Bundestag ein. Die Zustimmung wurde am 1. Oktober mehrheitlich erteilt. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen BMW-Aktie: Münchener Autobauer setzt auf KI – jede fünfte Führungsposition soll wegfallen
05.10.2026

Der deutsche Automobilkonzern BMW plant, mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) bis Mitte kommenden Jahres jede fünfte Führungsposition...

DWN
Politik
Politik Merz trotz russischer Warnungen in Kiew: „Vom Ausgang dieses Krieges hängt auch Deutschlands Sicherheit ab“
05.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz ist gemeinsam mit einer Delegation deutscher Wirtschaftsvertreter am gestrigen Sonntag in Kiew eingetroffen....

DWN
Panorama
Panorama Tankrabatt verpufft teilweise: Spritpreise ziehen nach Steuersenkung wieder an
05.10.2026

Seit dem 1. Oktober gilt die neue Entlastung bei der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. An der Zapfsäule war der Effekt zunächst...

DWN
Finanzen
Finanzen Stablecoins: Amerikas neue Waffe im Kampf um die Macht des Dollars
05.10.2026

Stablecoins sollen Geld schneller, einfacher und stabiler machen. Doch hinter dem Boom der digitalen Dollar könnte weit mehr stecken als...

DWN
Politik
Politik Analyse: Putin will einen ewigen Krieg und lässt sich weder militärisch noch wirtschaftlich brechen
05.10.2026

Russlands Wirtschaft kollabiert nicht, und Wladimir Putin zeigt nach Einschätzung mehrerer Russland-Experten keinerlei Bereitschaft, den...

DWN
Finanzen
Finanzen E-Auto-Prämie erreicht 100.000 Antragsteller: Wer von der Förderung profitiert
05.10.2026

Hohe Spritpreise machen den Umstieg auf ein Elektroauto für viele Haushalte interessant. Die Bundesregierung unterstützt Kauf und Leasing...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Warum der Kurssprung nach den US-Jobdaten verpufft
05.10.2026

Der schwache US-Arbeitsmarkt schob den Goldpreis am Freitag kräftig an, doch der Kurssprung erwies sich als kurzlebig. Zum Wochenstart...

DWN
Finanzen
Finanzen Amazon Prime-Preiserhöhung: BGH kippt Amazon-Klausel – wie Kunden Geld zurückbekommen
05.10.2026

Nach dem BGH-Urteil zur Amazon Prime-Preiserhöhung bewegt sich etwas bei den Mitgliedsbeiträgen. Doch zwischen einer günstigeren...