Deutschland

Deutsche Exporte sinken - trotz schwachem Euro

Die deutschen Exporte sind rückläufig. Denn die Nachfrage aus anderen EU-Staaten, aus den USA und China schwächelt. Aber noch stärker ist der Rückgang der Importe.
05.01.2023 10:08
Aktualisiert: 05.01.2023 10:08
Lesezeit: 2 min

Das deutsche Exportgeschäft lahmt wegen der sinkenden Nachfrage aus der EU, den USA und China. Die Ausfuhren schrumpften im November um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf 135,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent gerechnet.

Allerdings korrigierte das Statistikamt nachträglich das Oktober-Ergebnis nach oben: Aus einem Rückgang von 0,6 Prozent wurde ein Wachstum von 0,8 Prozent. Die Importe fielen im November bereits den dritten Monat in Folge, und zwar um 3,3 Prozent und damit so stark wie seit Anfang 2022 nicht mehr. "'Made in Germany' ist in Zeiten einer schwächeren globalen Wirtschaft kein Zugpferd mehr", sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

"Der Handel ist kein Wachstumsmotor mehr", pflichtete ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski bei. Die Auslandsaufträge hätten sich zuletzt deutlich abgeschwächt, da die weltweite Konjunkturabkühlung, die hohe Inflation und die große Unsicherheit angesichts globaler Krisen wie dem russischen Krieg gegen die Ukraine ihre Spuren hinterlassen würden. "Die kurzfristigen Aussichten sind alles andere als rosig", sagte Brzeski. "Es könnte mindestens bis zum nächsten Frühjahr dauern, bis eine Entlastung der globalen Lieferketten und eine sich erholende Weltwirtschaft die deutschen Exporte wiederbeleben."

Die Ausfuhren in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) sanken diesmal um 0,4 Prozent auf 73,0 Milliarden Euro. Das Geschäft mit dem wichtigsten Kunden USA schrumpfte sogar um 1,5 Prozent auf 13,7 Milliarden Euro. Die Exporte in die Volksrepublik China gaben ebenfalls um 1,5 Prozent nach und summierten sich auf 8,8 Milliarden Euro.

"Da China und die USA schwächeln, wird die Exportdynamik vorerst eher verhalten bleiben", sagte der Chefvolkswirt von Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. Dagegen zogen die Ausfuhren nach Großbritannien um 16,1 Prozent auf 7,4 Milliarden Euro an. Die Lieferungen nach Russland wuchsen um 12,3 Prozent zum Vormonat auf 1,1 Milliarden Euro.

Von Januar bis November 2022 erhöhten sich die Ausfuhren um 15,0 Prozent auf 1435,3 Milliarden Euro. Die deutsche Wirtschaft rechnet im neuen Jahr allerdings nicht mehr mit großen Sprüngen. "Beim Export wird es 2023 nicht zu einem Einbruch kommen, aber wir können auch keinen Höhenflug erwarten", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, kürzlich der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wäre schon ein Erfolg, wenn wir real eine schwarze Null schaffen."

Sorgen bereitet vor allem China. Die Abkehr von der Null-Covid-Politik helfe zwar auf mittlere Sicht, doch drohe zunächst der Krankenstand durch die Decke zu gehen. "Kommt es zu einer großen Infektionswelle, würde China wirtschaftlich schwächeln", sagte Jandura. "Ich fürchte Schlimmes, wenn die Pandemie so durchschlagen sollte wie befürchtet." Experten zufolge droht eine gigantische Corona-Welle mit Hunderten Millionen Infizierten in der Volksrepublik binnen Wochen - und Millionen Toten. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie crasht: Wie tief kann es noch gehen?
24.06.2026

Milliarden-Schock für Rheinmetall: Berlin stoppt das größte deutsche Kriegsschiff-Projekt seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Aktie stürzt...

DWN
Politik
Politik Khamenei ist tot, doch das Regime lebt weiter: Warum die Iran-Krise Europa erreicht
24.06.2026

Khameneis Tod ließ viele Exil-Iraner kurz an den Sturz des Regimes glauben. Doch der neue Frieden bringt vorerst vor allem Ernüchterung,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Playmobil wandert ins Ausland: Aus für Produktion in Deutschland
24.06.2026

Fast jedes Kind kennt die ewig lächelnden Spielfiguren. Produziert werden diese jetzt nur noch im Ausland. Ein unausweichlicher Schritt,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Megastörung bei der Deutschen Bahn: Nach Zugfunk-Ausfall läuft die Fehlersuche
24.06.2026

Nach dem bundesweiten Zugfunk-Ausfall suchen IT- und Sicherheitsexperten nach der Ursache. Ein Angriff gilt bisher als unwahrscheinlich. Im...

DWN
Politik
Politik USA: Senat stimmt gegen Trumps eigenmächtige Iran-Kriegsführung
24.06.2026

Der US-Kongress will Trump beim Krieg gegen den Iran Grenzen setzen. Die auch von einigen Republikanern getragene Resolution gilt vor...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Vom Hoffnungsträger zum Problemflieger: Behörde zwingt 16 Airbus A380 zum Check
24.06.2026

Risse an den Tragflächen: 16 Airbus A380 von Emirates und Qantas müssen auf Anordnung der EASA kurzfristig überprüft werden. Fünf...

DWN
Politik
Politik Bundestag: Ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat Nebeneinkünfte
24.06.2026

Mehr als ein Drittel der Bundestagsabgeordneten hat in der laufenden Legislaturperiode meldepflichtige Nebeneinkünfte bezogen - neben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Unternehmer Dräger fordert klare Kante statt Kurswechsel
24.06.2026

Ständige Richtungswechsel schaden nach Ansicht von Unternehmer Stefan Dräger dem Standort Deutschland und untergraben Vertrauen bei...