Politik

Lagebericht Ukraine: USA und Russland führen erstes Krisen-Telefonat seit Monaten

Der Drohnen-Vorfall im Schwarzen Meer hat eine seltene Abstimmung beider Seiten erfordert.
16.03.2023 14:00
Aktualisiert: 16.03.2023 14:06
Lesezeit: 2 min

Hochrangige Beamte der USA und Russlands haben erstmals seit vergangenem Oktober wieder direkt miteinander telefoniert. Nach dem Zusammenstoß eines russischen Kampfflugzeugs und einer amerikanischen Kampfdrohne über dem Schwarzen Meer telefonierten US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu miteinander.

„Ich habe gerade ein Telefongespräch mit meinem russischen Gegenpart, Minister Schoigu, geführt. Wie ich schon mehrfach sagte ist es wichtig, dass Großmächte Vorbilder für Transparenz und Kommunikation sind und die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin fliegen und operieren, wo immer internationales Recht dies erlaubt“, zitiert der Blog Zerohedge Austin.

Das Telefonat Austins mit Schoigu ist der zweite direkte Kontakt zwischen Vertretern beider Länder innerhalb weniger Tage. Vergangene Woche sprachen US-Außenminister Anthony Blinken und der russische Außenminister Sergej Lawrow am Rande des G20-Gipfels kurz miteinander.

Das US-Militär hat inzwischen Bildmaterial von dem Vorfall veröffentlicht. Darauf ist zu sehen, wie ein russisches Kampfflugzeug beim Anflug auf die US-Drohne Treibstoff ablässt und dann extrem nah heranfliegt. Bei einem zweiten Anflug ließ der russische Su-27-Jet erneut Treibstoff ab und stieß mit der Drohne zusammen, wie die US-Kommandozentrale für Europa am Donnerstag erklärte. Der Zusammenstoß ist in dem Video jedoch nicht zu sehen. Nach US-Angaben fiel die Kamera rund eine Minute aus. Im Anschluss ist in dem Video der teils beschädigte Propeller der Drohne zu sehen.

Washington untermauert damit die Darstellung, wonach ein russischer Kampfjet die Drohne rammte, weswegen diese nicht mehr manövrierfähig war und das US-Militär sie zum Absturz bringen musste. Moskau hat diese Darstellung bestritten.

Der Zwischenfall und der nachfolgende Disput befeuerten Sorgen vor einer Eskalation zwischen Washington und Moskau. Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine ist die Lage besonders angespannt und die Angst groß, dass die beiden Großmächte USA und Russland in eine direkte militärische Konfrontation geraten könnten.

Nach US-Angaben war die Drohne vom Typ MQ-9 am Dienstag im internationalen Luftraum über dem Schwarzen Meer unterwegs gewesen, als zwei russische Kampfjets ein Abfangmanöver begonnen. Dabei habe einer der Jets den Propeller der Drohne beschädigt. Die beiden Jets hätten sich 30 bis 40 Minuten in der Nähe der Drohne aufgehalten und bereits vor der Kollision Treibstoff über dieser abgelassen, auch seien sie mehrfach direkt vor ihr hergeflogen, erklärte das US-Militär.

Russlands Verteidigungsministerium dagegen wies jede Verantwortung für den Absturz von sich. „Die russischen Kampfflugzeuge haben keine Bordwaffen eingesetzt, sind nicht in Kontakt mit dem unbemannten Flugapparat geraten und kehrten sicher zu ihrem Heimatflughafen zurück“, hieß es in einer von der Staatsagentur Tass verbreiteten Mitteilung. Jets vom Typ Su-27 der Luftwaffe seien aufgestiegen, um einen unbekannten Eindringling über dem Schwarzen Meer zu identifizieren. Der Bordfunk sei ausgeschaltet gewesen und die Drohne habe Kurs auf Russlands Grenze genommen, hieß es. Bei einem scharfen Ausweichmanöver habe sie rapide an Höhe verloren und sei abgestürzt.

Der Zwischenfall über dem Schwarzen Meer hatte die ohnehin großen Spannungen zwischen beiden Ländern zuletzt weiter vergrößert. Das US-Außenministerium stellte unmittelbar nach der Aktion aus Protest den russischen Botschafter in Washington ein. Es folgten gegenseitige Schuldzuweisungen auf offener Bühne. Russland warf den USA dabei unter anderem vor, sie hätten Geheimdienstinformationen mit der Drohne gesammelt, die im Ukraine-Krieg von Kiew genutzt würden, „um unsere Streitkräfte und unser Territorium anzugreifen.“

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