Wirtschaft

Energiewende nein danke: Globale Nachfrage nach Tankschiffen steigt massiv an

In Europa werden die Raffinerien geschlossen. Doch in Asien und Arabien steigert man die Produktion massiv. In der Folge braucht die Welt zahlreiche neue Tankschiffe.
Autor
31.03.2023 14:07
Aktualisiert: 31.03.2023 14:07
Lesezeit: 2 min

Beim Bau von Schiffen für den Transport von Treibstoffen rund um den Globus gibt es derzeit einen massiven Boom. Dies spiegelt nicht nur die Erholung der Weltwirtschaft vom Corona-Kampf wider. Vielmehr zeigt der wachsende Transport von Treibstoffen auch, dass viele Staaten jenseits des Westens sich nur wenig um eine Energiewende bemühen. Offenbar wollen sie nicht gemeinsam mit dem Westen gegen das Klima kämpfen.

Nach Angaben des Schiffsmaklers Braemar wurden in diesem Jahr bereits 38 Tanker mittlerer Größe in Auftrag gegeben. Das erste Quartal war eines der geschäftigsten Quartale seit 2013, wie Bloomberg berichtet. Die Zahl der Schiffe, denen internationale Seriennummern zugewiesen wurden liegt in diesem Jahr schon bei 28 und nähert sich damit bereits der Gesamtzahl von 31 für das gesamte Jahr 2022, meldet der Schiffsmakler Simpson Spence Young.

Ineffiziente Raffinerien in den USA und Europa wurden geschlossen, nachdem der Corona-Kampf die Nachfrage nach Benzin, Diesel und Düsentreibstoff einbrechen ließ. In Asien und Arabien hingegen wurden neue Raffinerien gebaut. Und nun, da die Nachfrage also wieder angezogen hat, kommen größere Mengen an Treibstoffen auf den Markt und wollen transportiert werden.

Geografische Verschiebung der Raffinerie-Branche

Die wachsende Nachfrage nach Treibstoff-Tankern hat die Preise für die bestehende Flotte in die Höhe getrieben, was die Schifffahrt rentabler macht und den Bau neuer Schiffe beschleunigt. "Die wichtigste strukturelle Veränderung, die die Transportnachfrage bei Raffinerieprodukten mittel- und langfristig stützen wird, ist die geografische Verschiebung zwischen neuen Raffinerien und Großverbrauchern", zitiert Bloomberg die Braemar-Analystin Alexandra Alatari.

Schon jetzt nehmen die Käufer an der US-Ostküste mehr Kraftstofflieferungen aus Arabien und Asien an, da die Exporte aus Europa versiegen. Australien, wo einige Raffinerien schließen mussten, zieht mehr Ladungen aus Nord- und Südostasien an. Indien exportiert mehr Produkte nach Lateinamerika. Und die Raffinerien an der US-Golfküste werden in den nächsten Jahren mehr Produkte nach Westafrika und Europa verschiffen, so John Auers vom Beratungsunternehmen RBN Energy.

Der Ukraine-Krieg hat das Phänomen noch verstärkt und die Schifffahrtsraten in den letzten Monaten in die Höhe schnellen lassen, da die Sanktionen die globalen Handelsströme durcheinander bringen. Die Produkte verbringen mehr Zeit auf den Schiffen für längere Strecken. Zudem warten sie auf den Umschlag auf andere Schiffe oder in schwimmende Lager. Tanker im Atlantik verdienen etwa 40.000 Dollar pro Tag, so viel wie seit mindestens 2013 nicht mehr zu dieser Jahreszeit.

Mehr Schiffe werden gebaut

Die zunehmenden Schiffsbestellungen könnten den steigenden Preisen irgendwann entgegenwirken. Daten von Schiffsmaklern zufolge sind die Kosten für Schiffsneubauten auf rund 45 Millionen Dollar pro Schiff gestiegen, das sind 14 Prozent mehr als im Vorjahr und der höchste Stand seit 2008. Dieser Boom spiegelt auch einen starken Nachholbedarf wider.

Viele Schiffseigner haben in den letzten Jahren Aufträge zurückgehalten, um abzuwarten, ob sie wegen nationaler und internationaler Vorschriften sogenannte Öko-Tanker in Auftrag geben müssen, die sowohl mit Kraftstoffen als auch mit Methanol betrieben werden können. Als die Energiepreise im letzten Jahr in die Höhe schnellten, zerstreuten sich einige dieser Zweifel.

Ein Großteil der neuen Aufträge betrifft Schiffe mit konventionellem Treibstoff, zitiert Bloomberg Claire Grierson, Leiterin der Tankerforschung bei Simpson Spence Young. Selbst mit den neuen Aufträgen, durch die bis zum Jahr 2025 rund 60 Schiffe hinzukommen könnten, wird die Verfügbarkeit von Schiffen immer noch unter dem langfristigen Durchschnitt liegen, sagt Alatari von Braemar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: „Blaue Welle“ lässt Aktienmärkte steigen – Ölpreise auf Talfahrt
04.11.2026

Erfahren Sie, wie die neuesten politischen Entwicklungen in den USA die Finanzmärkte bewegen und welche Branchen jetzt im Fokus stehen.

DWN
Politik
Politik Stromumlage ab 2031 geplant: Stromverbraucher sollen neue Gaskraftwerke finanzieren
04.11.2026

Elf Kraftwerksprojekte erhalten Geld dafür, Strom für Dunkelflauten bereitzuhalten. Die Kosten sollen auf alle Stromverbraucher umgelegt...

DWN
Technologie
Technologie Digitale Souveränität: Wie Trump Europas Cloud-Abhängigkeit offenlegt
04.11.2026

Europäische Unternehmen speichern ihre Daten in heimischen Rechenzentren und verlassen sich auf deren Sicherheit. Doch der...

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...