Wirtschaft

Sorge um Weltwirtschaft: Kupfer fällt auf tiefsten Preis seit November

Der Kupferpreis setzt seinen bedrohlichen Rückgang weiter fort. Hintergrund ist der stockende Aufschwung in China, der die Sorgen um die Weltwirtschaft anfacht.
Autor
24.05.2023 10:09
Aktualisiert: 24.05.2023 10:09
Lesezeit: 2 min

Der Kupferpreis ist zum ersten Mal in diesem Jahr unter die Marke von 8.000 Dollar pro Tonne gefallen. Das Industriemetall ist zuletzt stark unter Druck geraten, weil die Erholung in China stockt, das etwa die Hälfte des weltweit geförderten Kupfers verbraucht. Zudem deuten jüngste Äußerungen von Beamten der Federal Reserve auf weitere Zinserhöhungen, was die Kupfernachfrage in den USA weiter untergraben würde.

Der Kupferpreis ist in diesem Quartal bereits um rund 11 Prozent gesunken. Kupfer ist das am meisten gehandelte Industriemetall. Denn aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften findet es in nahezu jedem Industriezweig vielfältige Verwendung. Auf Grund seiner Konjunkturabhängigkeit gilt es als wichtiger Indikator für die Weltwirtschaft.

Im Verlauf des letzten Jahres verzeichnete Kupfer einen Preisrückgang um 14 Prozent, auch weil die strengen Corona-Beschränkungen in China die Wirtschaft behinderten. Doch dann war der Kupferpreis im Januar dieses Jahres plötzlich stark angestiegen und durchbrach sogar die Marke von 9.000 Dollar. Denn die Chinas Abkehr von der Null-Corona-Politik schürte die Erwartung, dass die Nachfrage in dem Land stark steigen wird.

Doch in den letzten Wochen hat eine Reihe von Daten gezeigt, dass der Aufschwung in China nach dem Ende der Corona-Beschränkungen ins Stottern geraten ist. Anders als bei früheren Konjunkturabschwächungen tätigt die Regierung - anders als bei früheren Konjunkturabschwächungen - keine größeren Ausgaben für Infrastruktur oder Immobilien. Damit fehlt eine wichtige Stütze bei der Kupfernachfrage.

Die Nachfrageschwäche zeigt sich auch in den Lagerbeständen der Londoner Metallbörse (LME), die sich seit Mitte April fast verdoppelt haben. Das Risiko eines größeren Kupferangebots verstärkt den Abwärtsdruck auf die Preise, zitiert Bloomberg Jiang Hang, den Leiter des Handels bei Yonggang Resources. "Die Preise werden noch weiter sinken", sagte er.

Ein wichtiger Spread signalisiert ebenfalls, dass das Angebot die Nachfrage deutlich übersteigt. Der Kassapreis für Kupfer liegt um 66 Dollar pro Tonne unter dem Preis für Dreimonats-Futures an der LME. Das ist der größte sogenannte "Contango" (wenn Futures mit einem Aufschlag auf den Kassapreis gehandelt werden) in den Daten, die bis ins Jahr 1994 zurückreichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik S.EU im Gesetzgebungsprozess: Neue EU-Unternehmensform mit 1 Euro Mindestkapital
21.03.2026

Die EU-Kommission plant mit der S.EU eine einheitliche Unternehmensform mit 1 Euro Mindestkapital und schneller Online-Gründung. Wird sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Pentagon und Anthropic im Konflikt: KI im Militäreinsatz entfacht Debatte
21.03.2026

Der Konflikt zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und dem Pentagon zeigt, wie eng Technologieunternehmen inzwischen in militärische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Der Bosch-Dominoeffekt: Wie Deutschland seine Industrie verliert
21.03.2026

Was bei Bosch in Waiblingen beginnt, endet in einer existenziellen Zerreißprobe für den gesamten Industriestandort. Wir erleben gerade...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Rückgang der US-Aktien verschärfte sich die vierte Woche in Folge
20.03.2026

Die US-Aktien gaben am Freitag weiter nach und die Ölpreise stiegen, da der seit fast drei Wochen andauernde Nahostkonflikt keine...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Spritpreise im Vergleich: Deutschland verliert Sonderrolle
20.03.2026

Lange galt Deutschland als Spitzenreiter bei steigenden Spritpreise – doch das Blatt scheint sich zu wenden. In vielen EU-Staaten ziehen...

DWN
Politik
Politik Straße von Hormus bleibt blockiert: 40.000 Seeleute ohne Ausweg
20.03.2026

Tausende Seeleute sitzen im Persischen Golf fest, während der Iran-Krieg zentrale Handelsrouten blockiert und die Lage auf See weiter...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Bulthaup: Brauchen wir noch Küchen im Zeitalter künstlicher Intelligenz?
20.03.2026

Der Name Bulthaup steht seit Jahrzehnten für Luxus-Küchen aus Deutschland. In Zeiten der Digitalisierung und künstlichen Intelligenz...

DWN
Politik
Politik Krieg gegen Iran: Wie erfolgreich ist Israels Strategie? Und was ist das Ziel?
20.03.2026

Der Konflikt zwischen Israel, Iran und der Hisbollah erreicht eine neue Eskalationsstufe. Militärische Erfolge stehen wachsenden...