Finanzen

EZB bereitet Märkte auf weiter steigende Zinsen vor

Die Europäische Zentralbank wird die Leitzinsen weiter anheben.
19.06.2023 16:56
Aktualisiert: 19.06.2023 16:56
Lesezeit: 2 min
EZB bereitet Märkte auf weiter steigende Zinsen vor
Die EZB dürfte die Leitzinsen weiterr anheben. (Bild: istockphoto.com/peshkov) Foto: peshkov

Trotz der jüngsten Zinspause in den USA wird die EZB ihre Erhöhungsserie voraussichtlich im Juli fortsetzen. Entsprechende Signale kamen zu Wochenbeginn aus der Führungsetage der Europäischen Zentralbank (EZB).

Chefvolkswirt Philip Lane sagte am Montag, eine weitere Anhebung erscheine für Juli angemessen. Mit Blick auf die übernächste Sitzung wollte er sich allerdings noch nicht aus dem Fenster lehnen. Die EZB lasse sich bei ihren Entscheidungen von der Datenlage leiten und der September sei noch „weit weg“. Wegen der hartnäckig hohen Inflation gilt es laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel, den Straffungskurs mit Weitsicht voranzutreiben. Die Zinsen müssten weiter steigen.

Die US-Notenbank Federal Reserve hatte vorige Woche nach zehn Zinsschritten in Folge erstmals eine Pause eingelegt, um Zeit zum Sichten weiterer Konjunktur-Daten zu gewinnen. Nach der Rast auf dem Weg zum Zinsgipfel könnte sich die Fed allerdings noch weiter nach oben bewegen. Die EZB hat ihrerseits gerade ihren achten geldpolitischen Schritt in Folge gemacht und den an den Finanzmärkten richtungsweisenden Einlagesatz um 0,25 Prozentpunkte auf 3,50 Prozent angehoben.

Die Fortsetzung der Serie dürfte am 27. Juli folgen. Schnabel verwies darauf, dass auch der Internationale Währungsfonds (IWF) eine klare Empfehlung abgegeben habe: Wenn die Dauer der Inflation ungewiss sei, sprächen Überlegungen zum Risikomanagement für einen strafferen geldpolitischen Kurs. Dieser wirke praktisch wie eine Versicherung gegen die Gefahr, dass sich die Inflation im späteren Verlauf verfestige.

Weg zur Preisstabilität „risikobehaftet“

Es sei damit in der Güterabwägung günstiger, jetzt geldpolitisch mehr zu tun, damit die Zentralbank nicht später gegen einen verfestigten Preisdruck ankämpfen müsse. Mit einem entschlossenen Vorgehen könne man solche „teuren geldpolitischen Fehler“ vermeiden. Aus Sicht mehrerer Währungshüter müssen die Zinsen womöglich auch nach der bereits von EZB-Chefin Christine Lagarde in Aussicht gestellten Anhebung im Juli weiter steigen.

Die Inflationswelle ist trotz der Serie von Zinserhöhungen noch längst nicht gebrochen. Die Verbraucherpreise stiegen im Euroraum im Mai binnen Jahresfrist um 6,1 Prozent, nach 7,0 Prozent im April. Das EZB-Inflationsziel liegt bei nur zwei Prozent.

Die Kernrate sank im Mai nur leicht von 5,6 auf 5,3 Prozent. Sie gilt als guter Indikator für die zugrundeliegenden Inflationstrends und wird daher von der EZB besonders beobachtet. „Trotz der erfreulichen Trendwende in der Inflationsentwicklung bleibt der Weg zu nachhaltiger Preisstabilität ungewiss und mit Risiken behaftet“, so Schnabels Fazit.

Die EZB muss die geldpolitischen Zügel vor diesem Hintergrund laut Ratsmitglied Peter Kazimir ohne Wenn und Aber weiter anziehen. „Eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung ist der einzige vernünftige Weg nach vorn“, erklärte der slowakische Notenbankchef in einem Blog. Alles andere komme nicht infrage. Im Juli müsse der Leitzins weiter erhöht werden. Es gelte, weiter auf restriktives geldpolitisches Niveau vorzudringen - also eine Höhe der Leitzinsen, die die Wirtschaft und damit auch den Preisauftrieb bremse.

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