Technologie

Airlines: Massive Dekarbonisierungskosten für Passagiere

Die Uhr tickt, Führungskräfte müssen den Flugverkehr von fossilen Brennstoffen abkoppeln. Jetzt ist klar, dass Fluggäste die Kosten dafür tragen werden. Wird das Fliegen unbezahlbar werden?
18.08.2023 16:51
Aktualisiert: 18.08.2023 16:51
Lesezeit: 3 min

Frisch nach der Pandemie werden Passagiere bald Kosten in Höhe von mehreren Billionen US-Dollar tragen müssen, damit die globale Luftfahrtindustrie bis zum Jahr 2050 ihre Dekarbonisierungs-Ziele erreichen wird.

Der Sektor hat sich verpflichtet, durch einen Mix aus neuen Technologien - insbesondere alternative Kraftstoffe sowie Kohlenstoffkompensationen und effizienteren Flugzeugen, Triebwerken und Flugverkehrsmanagement - bis 2050 eine Netto-Null-Emission zu erreichen. Fluggesellschaften werden von beiden Seiten unter Druck gesetzt: Regierungen setzen Fristen und Aktivisten kleben sich an Start- und Landebahnen, um auf die globale Erwärmung aufmerksam zu machen.

Massive Kapitalinvestitionen erforderlich

Laut Bloomberg ist die Dekarbonisierung der Airlines-Branche eine Mission von unwahrscheinlichem Ausmaß: Es handelt sich um die Neutralisierung der Kohlenstoffemissionen von etwa 25.000 Flugzeugen in der weltweiten kommerziellen Flotte, die jährlich etwa vier Milliarden Menschen befördern und fast 100 Milliarden Gallonen Kerosin verbrauchen.

Für die Fluggäste bedeutet der Sanierungsschub wenig Aussicht auf Entlastung von erheblichen Preissteigerungen nach der Pandemie. Nach Angaben von McKinsey & Co. könnten rund Fünf Billionen US-Dollar an Kapitalinvestitionen erforderlich sein, damit der Sektor bis 2050 kohlenstoffneutral ist. Fast der gesamte Betrag würde in die nachhaltige Kraftstoffproduktion und die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen fließen, so die Unternehmensberatungsfirma.

Bloomberg zufolge fangen führenden Vertreter der Branche an, ganz klar zu sagen, dass die Dekarbonisierungs-Kosten von Passagieren getragen werden müssen: „Daran führt kein Weg vorbei“, so Willie Walsch, Generaldirektor der International Air Transport Association, die wichtigste globale Lobbygruppe der Branche.

Christian Bennett, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit bei Virgin Australia Airlines in Brisbane, betonte: „Wir müssen den Fluggästen ganz offen sagen, was das alles bedeuten wird“. Die Kosten der Dekarbonisierung seien der "Elefant im Raum".

In der EU werden Vorschriften in Kraft treten, die die Ticketpreise fast sofort in die Höhe treiben werden. Die neue RefuelEU-Regelung verpflichtet die Fluggesellschaften, ihre Flugzeuge bis 2025 mit einer Mischung aus zwei Prozent nachhaltigem Flugbenzin zu betanken. Bis 2030 soll dies auf sechs Prozent und bis 2050 auf 70 Prozent ansteigen.

Klima-Auswirkungen auf die Branche: Nicht mehr eine theoretische Frage

Der globale Flugverkehr ist zwar nur eine der vielen Arten, wie der Mensch den Planeten aufheizt, doch der Anteil der Branche am CO2-Ausstoß wird drastisch steigen wenn andere Sektoren dekarbonisiert werden.

Laut Bloomberg sind sich Regierungen zunehmend bewusst, dass der ungebremste Klimawandel große wirtschaftliche und menschliche Kosten verursachen wird. Nach einem Sommer mit tödlichen Hitzewellen, in dem Touristen in Griechenland und auf Hawaii vor verehrenden Waldbränden evakuiert werden mussten, sind die Auswirkungen auf die Luftfahrtindustrie nicht mehr eine theoretische Frage.

Zukunfts-Blick: Große Herausforderungen

Führungskräfte von Fluglinien müssen sich mit schwierigen Themen auseinandersetzen: Wie können sie ihren CO2-Fußabdruck senken, ohne Gewinne zu zerstören, und Forderungen abwehren, einfach weniger zu fliegen.

Da sie weder die Flugzeuge herstellen noch den Treibstoff liefern, sind die Fluggesellschaften von anderen Akteuren wie Flugzeugbauern, Triebwerksherstellern und Energieunternehmen abhängig.

Nach Angaben von Bloomberg sind die Möglichkeiten begrenzt. Verkehrsflugzeuge, die heute ausgeliefert werden, fliegen vielleicht noch im Jahr 2050. Auch wird es Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern, bis neue, batterie- oder wasserstoffbetriebene Flugzeuge entwickelt werden. „Momentan ist es am besten, konventionelle Flugzeuge mit weniger umweltschädlichen Nachahmungstreibstoffen zu betanken, für die keine weiteren Ölbohrungen erforderlich sind", so das finanzielle Nachrichtenunternehmen. „Aber auch das wird eine gewaltige Anstrengung erfordern, um ein Produktionssystem für alternative Kraftstoffe aufzubauen, das heute kaum existiert“.

Bloomberg kommt zu dem Schluss, dass auf der Jagd nach der 2050-Kohlenstoffneutralität einige Airlines dem Ziel näherkommen werden als andere. Fluggesellschaften mit dem höchsten Schadstoffausstoß werden in Zukunft möglicherweise Flüge zu Zielen, die strenge Auflagen oder Steuern auf fossile Brennstoffe haben, ganz aufgeben müssen.

In Deutschland hat der Reisekonzern TUI vor Kurzem eine starke Reise-Nachfrage gemeldet sowie den ersten Nettogewinn seit der Corona-Krise verzeichnet. Die Nachfrage nach Urlaubsreisen sei weiter hoch und die hohe Inflation hätte die Reiselust kaum gedämpft, so der Konzern.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...