Politik
Anzeige

Vorbild Kroatien? Warum das Land für die EU so wichtig ist

Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der Interessen Russlands und Chinas an der Region stecken die Europäer nun in einem Dilemma. Erweitert man zu schnell, könnte daran die EU zerbrechen, erweitert man zu langsam, riskiert man die potenziellen Beitrittsländer zu verlieren. Der Schlüssel scheint derzeit in Kroatien zu liegen.
20.09.2023 12:27
Lesezeit: 2 min
Vorbild Kroatien? Warum das Land für die EU so wichtig ist
Kroatien kommt in der EU-Erweiterungspolitik eine Schlüsselrolle zu. (Foto: almir1968/iStock.com) Foto: almir1968

Traumhaft schöne Küsten und Naturparks, bezaubernde Weltkulturerbe-Städtchen, entspannte Menschen – den Deutschen ist Kroatien seit vielen Jahren vor allem als Urlaubsziel ein Begriff. Das jüngste EU-Beitrittsland ist aber sehr viel mehr. Nach einer schweren Rezession befindet sich Kroatien seit seinem Beitritt 2013 – nur einmal durch die Corona-Pandemie unterbrochen – im Aufschwung. Es kommt sehr viel Geld ins Land, Wirtschaft und Infrastruktur werden modernisiert und ausgebaut, der Tourismus boomt. Trotz einiger mit dem Wandel verbundenen Verwerfungen ist die Zustimmung für die EU in der Bevölkerung groß. Das Land sieht sich inzwischen als Vorbild für die Westbalkan-Region und ist in dieser Rolle auch für die EU enorm wichtig. Kroatien erhofft sich dadurch ein stabileres Umfeld und eine Befriedung der Krisenherde, sowie gute Wirtschaftsbeziehungen untereinander. Bis heute sind nicht alle nationalen, ethnischen und territorialen Konflikte unter den Nachfolgestaaten Jugoslawiens gelöst.

Auch für die EU, die schon nach der überhasteten Aufnahme von Rumänien und Bulgarien 2007 erweiterungsmüde erschien, ist es wichtig, dass Kroatien zum Erfolgsmodell wird. Das Land ist Teil der europäischen Nord-Süd-Achse und ein Energietransitland.

Beitrittsländer seit Jahren in der Warteschleife

Die Westbalkanländer drängen in die EU, hängen jedoch seit Jahren in der Warteschleife. Alle fünf Westbalkanländer und Albanien sind offizielle Beitrittskandidaten der EU: Nordmazedonien bereits seit 2005, Montenegro seit 2010, Serbien (2012) Albanien (2014), Bosnien und Herzegowina (2022). Kosovo hat Ende 2022 seinen Antrag auf einen EU-Kandidatenstatus eingereicht. Am weitesten mit den Beitrittsverhandlungen sind Montenegro und Serbien, denen die EU einen Beitritt bis 2025 in Aussicht gestellt hatte. Ob das klappt, steht noch in den Sternen. Schon ist von 2030 die Rede. Doch allzu lang darf die EU nicht mehr warten. Es drohen Gefahren – und auch der Balkan selbst scheint ein echtes Problem für die Eliten der westeuropäischen Gründerländer. Und das Glückspiel „Beitritt ja, Beitritt nein, Beitritt vielleicht“ spricht nicht unbedingt für eine glamouröse Zukunft der EU.


DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...