Wirtschaft

Standort Deutschland – zu großes Geschäftsrisiko?

Laut einer Studie der Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) sehen immer mehr Unternehmen die Geschäftsbedingungen in Deutschland als wachsendes Risiko. Besonders im Industriesektor steigt der Pessimismus.
26.10.2023 10:11
Aktualisiert: 26.10.2023 10:11
Lesezeit: 1 min
Standort Deutschland – zu großes Geschäftsrisiko?
Martin Wansleben (l-r), Hauptgeschäftsführer DIHK, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Peter Adrian, DIHK-Präsident, nehmen am Festakt nach Gründungsvollversammlung der DIHK teil. (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Unternehmen bewerten die Standortbedingungen in Deutschland als immer größeres Geschäftsrisiko. 51 Prozent der Firmen klagen derzeit über die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, nach zuvor 43 Prozent, wie die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) am Donnerstag mitteilte. Dazu wurden zuletzt 24.000 Betriebe aus allen Branchen und Regionen befragt. „Als Hemmschuh dominiert hier die Bürokratie“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Die Auflagen und Berichtspflichten seien in den Krisenjahren deutlich angewachsen. Es brauche ein Umdenken. Vor allem in der Industrie nimmt der Pessimismus zu, zahlreiche Firmen stellen Investitionen zurück und zögern auch mit Einstellungen.

Konjunkturprognose

Nach Auswertung der Umfrage kürzte der Verband seine Konjunkturprognose für dieses Jahr auf minus 0,5 Prozent. Im Frühjahr hatte die DIHK noch mit einer Stagnation gerechnet. Diese wird nun für 2024 vorausgesagt. „Wir sehen bislang keine Anzeichen für einen sich selbst tragenden Aufschwung“, so Wansleben. Die Inflationsrate dürfte allmählich geringer ausfallen - nach 6,2 Prozent in diesem Jahr 3,0 Prozent 2024.

Größtes Geschäftsrisiko bleiben die hohen Energie- und Rohstoffpreise, allerdings mit abnehmender Tendenz. Diese nennen noch 61 Prozent nach 65 Prozent im Frühjahr. Auch der Fachkräftemangel behindert weiterhin viele Betriebe, die maue Inlandsnachfrage wird wichtiger.

Positive Rückmeldungen

Positive Rückmeldungen verzeichnete die DIHK unter anderem aus der Pharma- und Energiebranche sowie von IT-Dienstleistern. Insgesamt schätzen 30 (Frühjahr: 34) Prozent der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“ ein, 21 (Frühjahr: 15) Prozent als „schlecht“. „Die Unternehmen blicken aber sorgevoll in die Zukunft“, sagte Wansleben. Bei den Geschäftsaussichten für die nächsten zwölf Monate überwögen in fast allen Branchen die negativen Erwartungen. Insgesamt rechnen 35 (23) Prozent der Betriebe mit einer Verschlechterung, nur 13 (18) Prozent mit einer Verbesserung.

„Unternehmen brauchen Verlässlichkeit für mindestens zehn Jahre, besser mehr“, warnte Wansleben. Nur noch 24 (28) Prozent planen aber mit zusätzlichen Investitionen. 31 (24) Prozent gaben an, Investitionen reduzieren zu wollen. In der Industrie sei der Wert noch höher. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Die harte Realität holt die Wall Street ein
12.05.2026

Zwischen neuen Sorgen und großen Erwartungen: Was die Märkte jetzt in Atem hält

DWN
Finanzen
Finanzen Carl Zeiss Meditec-Stellenabbau: Bis zu 1.000 Jobs betroffen – was das für die Aktie bedeutet
12.05.2026

Carl Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte mit einem drastischen Sparprogramm. Der geplante Stellenabbau betrifft bis zu 1.000...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD baut mit sechs Prozentpunkten Vorsprung zur Union aus
12.05.2026

Die Zustimmung zur AfD wächst weiter: AfD klettert auf 28 Prozent und zieht der Union davon. Die Union und der Kanzler selbst verlieren...

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Labour verliert, Reform UK gewinnt - trotzdem hält Starmer am Amt fest
12.05.2026

Der angezählte britische Premierminister Keir Starmer bemüht sich nach den historisch schlechten Wahlergebnissen bei den Kommunalwahlen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Autos als Kostenrisiko: Wie die Kfz-Steuer Käufer in Europa belastet
12.05.2026

Importierte US-Autos werden durch Kfz-Steuer, CO₂-Werte und Einzelgenehmigung für viele Käufer zu einer finanziellen Belastung. Warum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
12.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Fusionsregeln: Wie Brüssel Europas Wirtschaft stärken will
12.05.2026

Brüssel will die Fusionsregeln neu ausrichten und Europas Unternehmen mehr Spielraum im globalen Wettbewerb geben. Kann die EU ihre...

DWN
Politik
Politik Monopolkommission: Tankrabatt kommt an - Spritpreis steigt
12.05.2026

Auch das Ifo-Institut errechnet eine höhere Weitergabe als zu Beginn. Die Monopolkommission sieht allerdings bereits im Vorfeld des...