Politik

Bundesagentur für Arbeit kann wieder Rücklagen anhäufen

Endlich kann die Bundesagentur für Arbeit über die Arbeitslosenversicherung wieder eine Rücklage bilden. Doch für die drohende Krise hat sie fast keine Mittel mehr übrig.
10.11.2023 17:08
Aktualisiert: 10.11.2023 17:08
Lesezeit: 2 min

Nach den Milliardenausgaben unter anderem für Kurzarbeitergeld in der Corona-Pandemie will die Bundesagentur für Arbeit ihre auf null zusammengeschrumpfte Rücklage wieder aufbauen. Zum Ende des Haushaltsjahres 2023 könne nicht nur ein Darlehen an den Bund in Höhe von 423 Millionen Euro zurückgezahlt, sondern auch mit dem Aufbau einer Rücklage in Höhe von 2,7 Milliarden Euro begonnen werden, teilte die Bundesagentur für Arbeit am Freitag nach einer Sitzung des Verwaltungsrates in Nürnberg mit.

„Wir haben dieses Jahr einen Haushalt, der solide ist und der auch ausgeglichen ist“, sagte die Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur, Andrea Nahles. Die Hälfte der geplanten Ausgaben 2024 in Höhe von 44,6 Milliarden Euro flössen in Zahlungen von Arbeitslosengeld, ein weiteres Viertel (10,4 Milliarden Euro) in Weiterbildung. Nahles nannte das eine «Investition in die Zukunft». Es gehe darum, inländische Potenziale bei der Suche nach Fachkräften zu heben. Es stehe damit im nächsten Jahr eine Milliarde Euro mehr zur Verfügung, um Menschen für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren oder weiterzubilden.

Die Bundesagentur geht auf der Grundlage der Herbstprognose der Bundesregierung davon aus, dass im nächsten Jahr 100 000 Menschen Kurzarbeitergeld erhalten. Für Insolvenzgeld ist mit einer Milliarde Euro etwas weniger Geld eingeplant als im laufenden Jahr.

Die Vizechefin des Verwaltungsrates der Agentur, Arbeitgebervertreterin Christina Ramb, warnte vor zu viel Optimismus. „Die Bundesregierung hat eine sehr optimistische Prognose aufgestellt. Wir wissen nicht, ob sich das bewahrheitet.“ Die Verwaltungsratsvorsitzende Anja Piel vom Deutschen Gewerkschaftsbund wies auf die hohe Arbeitsbelastung der 114 000 Bediensteten bei der Bundesagentur hin. Sie hätten in den vergangenen Jahren auch wegen der Bewältigung der Corona-Krise am Limit gearbeitet.

Im kommenden Haushaltsjahr 2024 soll die Rücklage um weitere 2,1 Milliarden Euro auf dann 4,8 Milliarden Euro aufgestockt werden. Ziel sei es, über die Jahre eine Rücklage in Höhe von mindestens 25 Milliarden Euro anzuhäufen, um für Krisen wie eine länger anhaltende Rezession gewappnet zu sein. Vor der Corona-Pandemie hatte die Bundesagentur eine Rücklage in Höhe von knapp 26 Milliarden Euro aufgebaut, die vor allem durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld und anderen Leistungen innerhalb von zwei Jahren aufgebraucht war.

Im Jahreshaushalt 2024 sieht die Bundesagentur insgesamt Einnahmen vor allem aus den Beiträgen der Arbeitslosenversicherung in Höhe von 44,6 Milliarden Euro und Ausgaben von 42,8 Milliarden Euro vor. Im Jahr 2023 stehen Einnahmen von 42,2 Milliarden Euro und Ausgaben von 39,5 Milliarden Euro zu Buche. Unter anderem rechnete die BA im Jahr 2024 mit Mehrausgaben in Höhe von rund einer Milliarde allein für die Zahlung von Arbeitslosengeld. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Aktien unter Druck und Renditen steigen an turbulentem Handelstag
09.09.2026

Erfahren Sie, welche geopolitischen Ereignisse und überraschenden Kursbewegungen die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Chinas plötzliche Ölwende nach ungewöhnlichem Preisgefälle
09.09.2026

Der Ölpreis steigt nach neuen Spannungen am Persischen Golf. Gleichzeitig erhöht China wieder seine Rohölimporte und exportiert mehr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzins-Prognose: Lagarde droht der Fehler von 2011
09.09.2026

Die nächste Zinserhöhung der EZB gilt beinahe als ausgemacht. Doch ausgerechnet die Erfahrung von 2011 zeigt, wie riskant ein solcher...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ist Axelera AI Europas Antwort auf Nvidia? Gründer Fabrizio Del Maffeo fürchtet, dass der Kontinent wieder denselben Fehler macht
09.09.2026

Europa mangelt es weder an Forschern, Ingenieuren noch an guten Ideen, meint Fabrizio Del Maffeo. Das Problem entsteht, wenn daraus große...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Carlsberg setzt auf Pepsi: Bier allein reicht nicht mehr
09.09.2026

Bei Carlsberg steht ausgerechnet eine amerikanische Limonade inzwischen vor der eigenen Kernmarke. Pepsi ist zum zweitgrößten Brand des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zollstreit zwischen USA und Kanada eröffnet deutschen Firmen neue Chancen
09.09.2026

Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada spitzt sich zu und zwingt Ottawa zur wirtschaftlichen Neuorientierung. Deutsche Unternehmen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gefährliche Mängel: Rund 20 Prozent der Nutzfahrzeuge fallen beim TÜV durch
09.09.2026

Fast 3,9 Millionen Nutzfahrzeuge sind in Deutschland angemeldet. Das Durchschnittsalter ist in den vergangenen Jahren gestiegen – mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Salus-Aktie: Dieser Börsenstar muss sein Wachstum erst beweisen
09.09.2026

Mehr als 2.000 Prozent Rendite in zehn Jahren, stark steigende Gewinne und eine beeindruckende Übernahmebilanz: Die Salus-Aktie gehört zu...