Politik

Schießübungen schüren ernste Spannungen auf der koreanischen Halbinsel

Auf der koreanischen Halbinsel steigen die Spannungen. Inzwischen feuern beide Seiten im Rahmen von Schießübungen in grenznahe Gebiete.
05.01.2024 12:02
Aktualisiert: 05.01.2024 12:02
Lesezeit: 2 min
Schießübungen schüren ernste Spannungen auf der koreanischen Halbinsel
März 2023: Diese von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA zur Verfügung gestellte Aufnahme zeigt nach Angaben von KCNA eine Artillerieübung an einem ungenannten Ort. (Foto: dpa) Foto: ---

Inmitten bedrohlich wachsender Spannungen haben Süd- und Nordkorea jeweils Schießübungen nahe ihrer umstrittenen Seegrenze abgehalten. Nordkoreas Militär habe am Freitag an der Westküste mehr als 200 Granaten ins Gelbe Meer abgefeuert, teilte der Generalstab in Seoul mit. Sie seien nördlich der Seegrenzlinie in einer militärischen Pufferzone ins Wasser gefallen.

Die Schüsse lösten auf grenznahen südkoreanischen Inseln Alarm aus. Südkoreas Militär reagierte unter Einsatz von Panzerhaubitzen und anderer Geschütze mit eigenen Schießübungen auf zwei der Inseln.

Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist so angespannt wie seit Jahren nicht mehr. Die selbst ernannte Atommacht Nordkorea hat nach einer beispiellosen Raketentestserie 2022 auch im vergangenen Jahr wieder mehrfach unter Verstoß von UN-Verbotsbeschlüssen atomwaffenfähige Raketen getestet. Die USA und Südkorea bauten ihre gemeinsamen Militärmanöver aus. Beide Länder versteht Nordkorea als Feindstaaten - ein Erbe des Koreakriegs.

Die neuen Schießübungen Nordkoreas wurden auch als Antwort auf ein gemeinsames Artillerietraining der Streitkräfte der USA und Südkoreas nahe der Landesgrenze gesehen. Das Training hatte nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag begonnen und sollte am Freitag fortgesetzt werden.

Nach Berichten südkoreanischer Sender rief Südkoreas Militär die Bewohner der grenznahen Inseln Yeonpyeong und Baengnyeong auf, sich wegen der Schießübungen Nordkoreas in Schutzräume zu begeben. Yeonpyeong war 2010 Ziel eines Angriffs der nordkoreanischen Artillerie gewesen. Vier Menschen wurden damals getötet.

Wegen des nordkoreanischen Starts eines Spionagesatelliten vor zwei Monaten hatte Südkorea ein bilaterales Militärabkommen von 2018 über Entspannungsmaßnahmen an der Grenze in Teilen ausgesetzt. Nordkorea kündigte daraufhin an, sich an das komplette Abkommen nicht mehr halten zu wollen.

Das Gebiet um die Seegrenze ist in der Vergangenheit wiederholt Schauplatz von Gefechten zwischen Kriegsschiffen beider Länder gewesen. Die sogenannte Nördliche Grenzlinie (NLL) wird von Nordkorea nicht anerkannt. Sie wurde nach dem Korea-Krieg (1950-53) einseitig von einem UN-Kommando gezogen.

Die staatlich kontrollierten Medien Nordkoreas berichteten am Freitag, Machthaber Kim Jong Un habe beim Besuch einer Rüstungsfabrik dazu aufgerufen, die Produktion mobiler Raketenstartrampen auszubauen. Die Verteidigungsfähigkeiten müssten gestärkt werden, «um für eine militärische Machtprobe mit dem Feind» vorbereitet zu sein, wurde Kim zitiert.

Solche Rampen können für den Abschuss ballistischer Raketen einschließlich Interkontinentalraketen (ICBM) benutzt werden. Die ICBM in seinem Arsenal können nach Angaben Nordkoreas auch Atomsprengköpfe bis in die USA befördern. Jüngst hatte Kim das Militär und die Rüstungsindustrie zu verstärkten Vorbereitungen für den Fall eines Kriegs aufgerufen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik AfD: Parteigründer Lucke fordert AfD-Grundsatzbeschluss
22.06.2026

Der frühere Vorsitzende Bernd Lucke kritisiert den Umgang mit seiner ehemaligen Partei - fordert aber auch einen großen Schritt der AfD....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Betriebsbedingte Kündigung wegen Stellenabbau: Die wichtigsten Fakten
22.06.2026

Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage erleben viele deutsche Arbeitnehmer derzeit eine Kündigungswelle. Häufig begründen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung: Warum die Euphorie am Goldmarkt kippte
22.06.2026

Was ist das: Es steigt mit dem Dröhnen eines Düsenflugzeugs in die Höhe, fällt aber lautlos wie ein Segelflugzeug? Es war in aller...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand am Limit: Mit Lean Management und KI aus der Produktivitätsfalle
22.06.2026

Fachkräftemangel, Kostendruck, Bürokratie: Warum der Mittelstand jetzt umdenken muss. Und wie Lean Management und KI 2026 zum stärksten...

DWN
Politik
Politik Litauen-Brigade: Verteidigungsminister Pistorius hält Verpflichtungen für möglich
22.06.2026

Für die neue Brigade in Litauen setzt die Bundeswehr auf Freiwillige. Doch weil sich nicht genügend Freiwillige für die Litauen-Brigade...

DWN
Politik
Politik Großbritannien: Britischer Premierminister Starmer kündigt Rücktritt an
22.06.2026

Der Labour-Chef Keir Starmer hatte sich zuletzt von einer Krise zur nächsten gehangelt. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Kreditklemme 2026: Wird Finanzierung zum Problem?
22.06.2026

Nicht der abgelehnte Kredit ist das größte Risiko für Deutschlands Mittelstand – sondern der Antrag, der gar nicht mehr gestellt wird....

DWN
Politik
Politik Auf dem Weg zur Volkspartei? Wie es für die Linke weitergeht
22.06.2026

Neues Spitzenduo, alte Streitfragen und viel Wut auf Schwarz-Rot: Die Linke will mit Protesten Millionen bewegen. Kann sie wirklich zur...