Politik

US-Regierung verstärkt militärische Zusammenarbeit mit Japan und Südkorea

Die Biden-Administration will Japan und Südkorea gegen China in Stellung bringen. Am Freitag sind beide Staaten zu einem Besuch in Washington geladen.
15.08.2023 09:46
Aktualisiert: 15.08.2023 09:46
Lesezeit: 3 min
US-Regierung verstärkt militärische Zusammenarbeit mit Japan und Südkorea
Yoon Suk Yeol (r), südkoreanischer Präsident, spricht mit Joe Biden (l), Präsident der USA, und Fumio Kischida, Premierminister von Japan. (Foto: dpa) Foto: -

Beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der USA, Japans und Südkoreas am Freitag in Camp David sollen nach US-Angaben eine Reihe gemeinsamer Initiativen in den Bereichen Technologie und Verteidigung auf den Weg gebracht werden. Dies kündigten hochrangige Vertreter der US-Regierung am Montag an.

Obwohl es unwahrscheinlich sei, dass auf dem Gipfel ein formelles Sicherheitsabkommen unterzeichnet werde, werde man sich auf ein gegenseitiges Verständnis der regionalen Verantwortlichkeiten einigen und eine Drei-Wege-Hotline für die Kommunikation in Krisenzeiten einrichten, sagten die Regierungsvertreter, die anonym bleiben wollten.

Das Treffen von US-Präsident Joe Biden mit dem japanischen Premierminister Fumio Kischida und dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol soll die zerrütteten diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden asiatischen Staaten verbessern. Südkorea und Japan hielten im März dieses Jahres ihr erstes gemeinsames Gipfeltreffen seit zwölf Jahren ab und unternahmen Schritte zum Abbau der Spannungen nach jahrelangen Streitigkeiten, die unter anderem auf die japanische Besetzung Koreas zwischen 1910 und 1945 und den Massenmord an Koreanern durch die japanischen Truppen zurückgehen.

Kooperation im Militärbereich

Japan und seine Schutzmacht USA wollen einem Medienbericht zufolge gemeinsam moderne Raketen zum Abfangen von Hyperschallgeschossen entwickeln. Kischida dürfte sich bei seinem Besuch in den USA in dieser Woche mit US-Präsident Joe Biden auf diesen Plan einigen, erfuhr die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Montag aus Regierungskreisen. Hyperschall-Waffen, wie sie nach eigenen Angaben Nordkorea, aber auch die USA, China und Russland entwickeln, lassen sich wegen ihrer hohen Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit bislang nur schwer abfangen.

US-Präsident Biden trifft am 18. August in Camp David nahe Washington mit Kishida und dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol zu einem Gipfeltreffen zusammen. Bei dem Treffen der drei Verbündeten dürfte es um Nordkoreas wiederholte Raketenabschüsse sowie um China gehen.

Die US-Regierung versucht, China mithilfe einer Reihe von Vasallen und Verbündeten wie Japan, Südkorea, Taiwan und den Philippinen geografisch einzuhegen. Zudem führt sie seit 2018 einen Wirtschaftskrieg gegen das Reich der Mitte, welchen sie zuletzt noch einmal mit Investitionsverboten für amerikanische Firmen in China forciert hatte. Japan hat inzwischen seine in der Verfassung verankerte außenpolitische Ausrichtung auf Gewaltverzicht aufgegeben und rüstet massiv auf. Sowohl in Südkorea als auch in Japan sind zehntausende US-Soldaten stationiert.

Entspannung mit Südkorea

Japans Ministerpräsident Fumio Kischida hat zum 78. Jahrestag der Kapitulation des Landes im Zweiten Weltkrieg dem umstrittenen Kriegsschrein Yasukuni in Tokio eine Opfergabe zukommen lassen. Seine national-konservative Ministerin für wirtschaftliche Sicherheit, Sanae Takaichi, pilgerte am Dienstag stattdessen so wie auch im Vorjahr selbst in das Shinto-Heiligtum, wo der in Kriegen für das japanische Kaiserreich Gestorbenen gedacht wird - darunter auch verurteilte und hingerichtete Kriegsverbrecher. Für Kritiker ist der Yasukuni-Schrein in Tokio ein Symbol des ehemaligen Militarismus.

Besuche japanischer Politiker und Opfergaben in dem Schrein lösten in der Vergangenheit wiederholt Spannungen mit China und Südkorea aus, gegen die Japans Aggressionen im Zweiten Weltkrieg gerichtet waren. In seiner Rede bei einer zentralen Gedenkzeremonie in Tokio für die etwa 3,1 Millionen gefallenen Soldaten und zivilen Opfer bekräftigte Kischida im Beisein von Kaiser Naruhito und Kaisergemahlin Masako den Entschluss seines Landes, das «Unheil von Krieg» nie zu wiederholen.

Aus Südkorea kamen versöhnliche Töne: Japan und Südkorea seien Partner, die universelle Werte teilten und gemeinsame Interessen hätten, sagte Präsident Yoon Suk Yeol in Seoul in seiner Rede zum 78. Tag der Befreiung Koreas von japanischer Kolonialherrschaft (1910-45), wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete.

Yoon bekräftige auch die Bedeutung der Sicherheitszusammenarbeit mit Japan und den USA angesichts der Bedrohung durch Nordkoreas Raketen- und Atomprogramm. "Als Partner, die in den Bereichen Sicherheit und Wirtschaft zusammenarbeiten, werden Südkorea und Japan gemeinsam zu Frieden und Wohlstand auf der ganzen Welt beitragen können, indem sie zukunftsorientiert zusammenarbeiten und sich austauschen", sagte Yoon.

In jüngster Zeit haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten wieder deutlich verbessert. Die beiden Länder hatten sich im März bei einem Besuch Yoons in Tokio auf einen Neubeginn in den schwierigen Beziehungen geeinigt. Die Gedenkzeremonie in Japans Hauptstadt fand auch in diesem Jahr aus Schutz vor dem Coronavirus in verkleinerter Form statt. Zudem konnten Angehörige der Kriegsopfer aus mehreren Präfekturen wegen eines Taifuns nicht nach Tokio kommen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW-Chef Marcel Fratzscher: Hohe Teilzeitquote von Frauen kostet Wohlstand
15.06.2026

Deutschlands Arbeitsmarkt leidet unter Fachkräftemangel, gleichzeitig bleibt ein enormes Potenzial weitgehend ungenutzt. Nach...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs steigt nach Iran-Abkommen: Erholung oder nur technische Gegenbewegung?
15.06.2026

Der Bitcoin-Kurs hat nach der überraschenden Einigung zwischen den USA und dem Iran kräftig zugelegt und wichtige Marken zurückerobert....

DWN
Politik
Politik Rahmenabkommen im Iran-Krieg erzielt: Hoffnung auf Frieden – viele Fragen bleiben
15.06.2026

Ein Durchbruch im Iran-Krieg scheint greifbar: Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen verständigt. Die Straße von...

DWN
Politik
Politik EU-Sanktionen gegen Russland: Teurere Fischstäbchen im Supermarkt drohen
15.06.2026

Das geplante neue Sanktionspaket der Europäischen Union gegen Russland könnte spürbare Auswirkungen auf den deutschen Lebensmittelmarkt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Baumaschinen-Markt im Wandel: Asiens Griff nach der Premiumklasse
15.06.2026

Die Ära der großen Übernahmen in Europas Baumaschinenindustrie flaut ab. Doch das asiatische Kapital zieht sich nicht zurück:...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Welche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft am meisten wert ist
14.06.2026

Die teuersten Teams bei der Fußball-WM 2026 kommen überwiegend aus Europa. Doch die Marktwerte zeigen vor allem eines: Geld erhöht die...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Blase wird zum Test für Anleger
14.06.2026

Die Kurse von KI-Aktien steigen rasant, doch die Warnungen vor einer neuen Blase werden lauter. Wer jetzt aus Angst alles verkauft, kann...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Mittelstand verzweifelt an Regierung: Warum Unternehmer frustriert sind
14.06.2026

Deutschlands mittelständische Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen in die Lösungskompetenz der Bundesregierung. Wie eine falsche...