Politik

G7-Gipfel auf Capri: Militärische Signale für Ukraine und Nahost

Inmitten eskalierender Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten kommen die G7-Außenminister auf Capri zusammen, um gemeinsam Strategien für Frieden zu entwickeln - und setzen ein deutliches Zeichen der Solidarität und Unterstützung.
18.04.2024 14:18
Aktualisiert: 18.04.2024 19:18
Lesezeit: 3 min
G7-Gipfel auf Capri: Militärische Signale für Ukraine und Nahost
G7-Gipfel auf Capri: Deutliches Zeichen der Solidarität und Unterstützung (Foto: dpa). Foto: Gregorio Borgia

Angesichts der Kriege in der Ukraine und Nahost will die Siebenergruppe großer westlicher Industrienationen (G7) ein Zeichen der Unterstützung setzen. Bei ihrem Frühjahrstreffen auf der italienischen Mittelmeerinsel Capri berieten die G7-Außenminister am Donnerstag über weitere militärische Unterstützung für Kiew gegen russische Luftangriffe. Zudem ging es nach dem iranischen Großangriff auf Israel um weitere Sanktionen gegen Teheran - auch mit dem Ziel, Ministerpräsident Benjamin Netanjahu von einem großangelegten Gegenschlag abzuhalten.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) warb bei dem noch bis Freitag dauernden Treffen bei den Partnern dafür, der Ukraine weitere Systeme zur Luftabwehr zur Verfügung zu stellen. Deutschland bereitet gerade die Lieferung eines dritten Patriot-Systems vor.

Italien hat in der Gruppe derzeit den Vorsitz. Weitere Mitglieder sind die USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich und Japan. Die EU ist bei allen Treffen vertreten. Erstmals war auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg als offizieller Gast dabei. Er forderte die Bündnispartner zur Lieferung weiterer Luftabwehrsysteme für die Ukraine auf.

Beim zweiten großen Thema des Treffens, der Lage in Nahost, warb Baerbock für einen härteren Kurs gegen Teheran. "Der Iran muss isoliert sein. Und zugleich darf es zu keiner weiteren Eskalation kommen." Sie fügte hinzu: "Das wäre für die Menschen fatal: in Israel, im Westjordanland, im Libanon, in der gesamten Region." Israel, das die Attacke am Wochenende auch mithilfe von Partnern in der Region abgewehrt hatte, habe einen "Defensivsieg" errungen. "Und den gilt es jetzt diplomatisch abzusichern."

Der Gastgeber des Treffens, Italiens Außenminister Antonio Tajani, versicherte Israel im Namen aller G7-Staaten Unterstützung. Zugleich mahnte er beide Seiten zur Deeskalation. Befürchtet wird, dass es bei einem großen israelischen Gegenschlag in der Region zu einem Flächenbrand kommt, weit über den seit sechs Monaten laufenden Gaza-Krieg hinaus.

In der Debatte um weitere Sanktionen gegen den Iran sprach sich der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell dafür aus, bestehende Strafmaßnahmen wegen der Lieferung von Drohnen an Russland endlich umzusetzen beziehungsweise auszuweiten. Die USA und Großbritannien verhängten bereits Sanktionen gegen Teheran. Die US-Strafmaßnahmen zielen auf das iranische Drohnenprogramm, die Stahlindustrie und Automobilhersteller. Die EU könnte nächste Woche weiteren Sanktionen folgen lassen.

Baerbock warb auch bei einem Zweiertreffen mit ihrem US-Kollegen Antony Blinken für die Lieferung zusätzlicher Patriots an die angegriffene Ukraine. Sie sagte zuvor: "In diesen stürmischen Zeiten ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass es jetzt aus den USA Signale gibt von den Republikanern, dass die Unterstützung für die Ukraine weiter intensiv fortgesetzt werden kann." Das US-Repräsentantenhaus wird voraussichtlich am Samstag über ein lange von den Republikanern blockiertes Hilfspaket über 61 Milliarden US-Dollar (etwa 57 Milliarden Euro) abstimmen.

Blinken kam auch mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba zusammen. Es sei "dringend erforderlich, dass alle Freunde und Unterstützer der Ukraine ihre Anstrengungen maximieren, um der Ukraine das zu geben, was sie braucht, um sich weiterhin wirksam gegen diese russische Aggression zu verteidigen". Kuleba berichtete, man habe besprochen, so schnell wie möglich mehr Patriot-Luftverteidigungssysteme und -Raketen in die Ukraine zu bringen. Ans US-Parlament appellierte er, das Hilfspaket zu verabschieden. "Dies wird ein Zeichen der Stärke und des Vertrauens sein und es der Ukraine ermöglichen, Leben zu retten und die Situation auf dem Schlachtfeld zu verbessern."

Stoltenberg sagte, angesichts der Lage nach mehr als zwei Jahren russischem Angriffskrieg bestehe "dringender Bedarf an mehr Luftverteidigung". Er sprach von "ermutigenden Signalen" innerhalb der Nato zugunsten der Ukraine. Damit bezog sich Stoltenberg auf die Bundesregierung, aber auch auf neue Hilfszusagen aus den Niederlanden und Dänemark. Mit dem Appell zu weiteren Lieferungen bezog er sich auch auf G7-Staaten wie Frankreich und Italien.

Borrell mahnte: "In den nächsten Tagen müssen konkrete Entscheidungen getroffen werden, um der Ukraine mehr Luftabwehr zu schicken." Dabei dürfe sich die EU nicht allein auf Washington verlassen, sondern müsse Verantwortung übernehmen. "Wir haben Patriots. Wir haben Anti-Raketen-Systeme. Wir müssen sie aus unseren Kasernen holen, wo sie sich befinden, und sie in die Ukraine schicken, wo der Krieg tobt."

Die G7-Außenminister kommen zwei oder drei Mal pro Jahr zu eigenen Treffen zusammen. Mitte Juni findet in Süditalien der alljährliche G7-Gipfel der Staats- und Regierungschefs statt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit der Ukraine: Deutschland vereinbart Rüstungsdeals mit Selenskyj
15.04.2026

Die finanzielle und militärische Hilfe für die Ukraine nimmt federführend durch Deutschland und Großbritannien an Fahrt auf. Nachdem...

DWN
Technologie
Technologie Novo Nordisk-Aktie: KI von OpenAI soll Pharmaentwicklung beschleunigen
15.04.2026

Novo Nordisk treibt den Einsatz von KI in der Pharmaindustrie voran und setzt dabei auf eine Kooperation mit OpenAI. Kann künstliche...

DWN
Politik
Politik Deutschlands Photovoltaik-Ausbau: Wie Solarstrom Europas Energiemarkt stabilisiert
15.04.2026

Deutschlands Photovoltaik-Ausbau gewinnt in einem angespannten geopolitischen Umfeld strategisch an Bedeutung für den europäischen...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...