Immobilien

Vonovia dreht das Blatt: Gewinn nach Milliardenverlust

Nach einem harten Jahr meldet Deutschlands Immobiliengigant Vonovia einen beeindruckenden Gewinn – ein Wendepunkt. Seine Aktie springt im DAX.
30.04.2024 10:21
Aktualisiert: 30.04.2024 10:21
Lesezeit: 2 min
Vonovia dreht das Blatt: Gewinn nach Milliardenverlust
Der Wohnimmobilienkonzern Vonovia erholt sich erfolgreich von einem Milliardenverlust (Foto: dpa). Foto: Annette Riedl

Deutschlands größter Wohnimmobilienkonzern Vonovia hat nach einem Milliardenverlust im Vorjahr im ersten Quartal wieder einen Gewinn eingefahren. „Eine Neubewertung des Portfolios wie im vergangenen Jahr war nicht erforderlich“, sagte Unternehmenschef Rolf Buch am Dienstag in einer Telefonkonferenz. Die Talsohle der Wertentwicklung sei greifbar. Eine Rückkehr des Wachstumskurses sei in Sicht. Es gebe im Moment wieder aus allen Wirtschaftsräumen, insbesondere aus dem angelsächsischen Raum und Asien, Nachfrage nach Portfolios. Die Aktie war im frühen Handel mit einem Plus von rund 5 Prozent der größte Gewinner im deutschen Leitindex Dax.

Vonovia hatte im vergangenen Jahr wegen der Immobilienkrise sein Immobilienportfolio mehrfach abwerten müssen und damit Milliardenverluste erlitten. In den ersten drei Monaten bis Ende März machte das Unternehmen laut einer Mitteilung vom Dienstag einen Gewinn in Höhe von 335,5 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte Vonovia einen Verlust von knapp 2,1 Milliarden Euro eingefahren. Der Wert des Immobilienportfolios blieb mit knapp 83,7 Milliarden Euro Ende März im Vergleich zum Jahresende 2023 annähernd stabil.

Operativ lief es für das Unternehmen im ersten Quartal 2024 noch nicht so rund. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ging im Jahresvergleich um 3,3 Prozent auf 607 Millionen Euro zurück. Dies hing vor allem mit geringeren Einnahmen aus dem Geschäft mit Dienstleistungen rund um die Immobilien und dem Verkauf von Wohnungen zusammen.

Mietwachstum in Ballungszentren: Prognosen steigen für 2024

Besser lief es in der Vermietung aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage nach Wohnraum in den Ballungsgebieten. Die Miete stieg per Ende März im Schnitt auf 7,78 Euro pro Quadratmeter - das waren 3,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In Deutschland betrug die durchschnittliche Monatsmiete per Ende März bei Vonovia 7,67 Euro pro Quadratmeter.

Im laufenden Jahr rechnet das Unternehmen nun mit einem Mietwachstum aus eigener Kraft von 3,8 bis 4,1 Prozent. Zuvor war das Unternehmen hier von einem Plus von 3,4 bis 3,6 Prozent ausgegangen. Langfristig rechnet Vonovia mit einem jährlichen Mietwachstum von vier Prozent. Dazu sollen zwei Prozent aus dem normalen Mietspiegel und zwei Prozent aus energetischen Sanierungen beitragen, erläuterte Buch. Die Jahresziele bestätigte das Unternehmen.

Von 2024 an soll das bereinigte Vorsteuerergebnis - dabei werden unter anderem Wertanpassungen ausgeklammert - den FFO als zentrale Kennzahl ablösen. Für das laufende Jahr erwartet Vonovia ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 2,55 bis 2,65 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte das Ergebnis 2,58 Milliarden Euro betragen. Der bereinigte Vorsteuergewinn soll zwischen 1,7 und 1,8 Milliarden Euro liegen nach 1,87 Milliarden Euro im Vorjahr. Im ersten Quartal schrumpfte die Ergebnisgröße wegen höheren Zinsaufwendungen um 7,3 Prozent auf 416,5 Millionen Euro.

Wohnungen für 700 Millionen Euro verkauft

Derweil kommt Vonovia bei den Immobilienverkäufen voran. Erst jüngst veräußerte Vonovia rund 4500 Wohnungen in Berlin für insgesamt 700 Millionen Euro an zwei kommunale Berliner Wohnungsunternehmen - und dies zum Buchwert. Seit Jahresbeginn habe das Unternehmen Immobilien im Wert von rund 1,1 Milliarden Euro verkauft, hieß es. Darunter seien auch Pflegeheime gewesen, sagte Buch. Da sich der Verkauf des gesamten Pflegeheimgeschäfts schwierig erweise, veräußert die Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen dies in einzelnen Paketen.

Um die Schulden abzubauen, will Vonovia-Chef Rolf Buch im laufenden Jahr Wohnungen im Wert von rund drei Milliarden Euro verkaufen. Bis Ende 2024 soll der sogenannte LTV, das Verhältnis des Kreditbetrags zum Verkehrswert des Immobilienportfolios, auf 45 Prozent sinken, so der Firmenlenker. Ende März betrug er 45,9 Prozent.

2023 erzielte das Unternehmen durch Wohnungsverkäufe und die Veräußerung von Minderheitsanteilen an Immobilienportfolios Erlöse von rund vier Milliarden Euro. Insgesamt, so hatte der Konzern Mitte 2022 angekündigt, sollen Wohnungen und Häuser im Wert von 13 Milliarden Euro veräußert werden. Aktuell besitzt Vonovia gut 543 000 eigene Wohnungen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Rechnungshof schlägt Alarm: Milliarden bei EU-Geldern fehlerhaft
08.10.2026

Milliarden Euro fließen jedes Jahr aus dem EU-Haushalt – doch ein erheblicher Teil davon wird nicht vorschriftsgemäß ausgegeben. Der...

DWN
Politik
Politik TotalEnergies-Chef: „Ich bevorzuge eine Welt in Unruhe“
08.10.2026

Der Krieg zwischen Iran und Israel hat die Energiemärkte durcheinandergebracht und TotalEnergies zugleich hohe Gewinne beschert....

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Warum ich bei der Moderna-Aktie trotz 130 Prozent Kurssprung noch genau hinschaue
08.10.2026

Die großen Gewinner der ersten Jahreshälfte geraten ins Hintertreffen, während plötzlich Pharma-, Energie- und Industriewerte die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Berufestudie: Viele Menschen arbeiten nur noch fürs Geld
08.10.2026

Wer sich mit seiner Arbeit identifiziert, ist in der Regel motiviert bei der Sache. Doch laut einer neuen Umfrage empfindet eine steigende...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
08.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Renditen von US-Staatsanleihen belasten die Wall Street
07.10.2026

Steigende Renditen und neue Zinsängste bringen die US-Märkte ins Wanken – erfahren Sie, welche Schwergewichte es besonders hart trifft.

DWN
Finanzen
Finanzen Beitragsbemessungsgrenzen 2027: Millionen Bürger müssen mehr vom Lohn abgeben
07.10.2026

Für Gutverdiener steigen kommendes Jahr die maßgeblichen Beitragsgrenzen in der Kranken- und Rentenversicherung. Besonders deutlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Fiskalischer Spitzenreiter: Wie Deutschland seinen Bürgern am meisten abknöpft
07.10.2026

Eine Analyse zur Steuerbelastung in Europa zeigt für das Jahr 2026 eine bittere Wahrheit für deutsche Steuerzahler: Die Bundesrepublik...