Immobilien

Bessere Laune im Bausektor, aber Auftragsmangel immer noch zentrales Problem

Lesezeit: 2 min
22.05.2024 11:56  Aktualisiert: 22.05.2024 11:56
Auf dem ZIA-Finance Day letzte Woche ging es - unter anderen Schlüsselthemen - um die sich stabilisierende makroökonomische Lage in Deutschland und die Auswirkungen für die Immobilienbranche. Gibt es nun tatsächlich einzelne Lichtblicke in dem krisengeschüttelten Sektor? 
Bessere Laune im Bausektor, aber Auftragsmangel immer noch zentrales Problem
In Deutschland gibt es ein großes Potenzial für Sanierungen in den kommenden Jahren. (Foto: dpa)
Foto: Monika Skolimowska

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Trotzt des andauernden Mangels an Aufträgen in der Baukonjunktur und dem aktuellen Streik erholt sich die Stimmung im Bausektor langsam - im Einklang mit einer generellen Stabilisierung in der Konjunktur.

„Die Konjunkturerholung ist da, aktuelle Umfragen lassen hoffen. Man sollte jetzt die Chancen und nicht nur die Risiken sehen“, so Helaba Bank Chefvolkswirtin Gertrud Traud in ihrer Keynote-Präsentation bei dem ZIA-Finance Day letzte Woche. „Selbst in der Bauwirtschaft erholt sich die Stimmung wieder, aber die Wohnungsbautätigkeit geht immer noch weiter zurück.“ Traub betonte, dass die Rahmenbedingungen im Bausektor sowie für die gesamte Volkswirtschaft unbedingt verbessert werden müssen: „Wir brauchen jetzt Strukturpolitik und nicht Konjunkturpolitik. Bessere Rahmenbedingungen für alle.“

Laut dem jüngsten ifo-Geschäftsklimaindex hebt sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft weiter. Der ifo-Index ist im April wieder gestiegen – zum dritten Mal in Folge. Firmen in Deutschland waren zufriedener mit laufenden Geschäften und Erwartungen haben sich aufgehellt. „Die Konjunktur stabilisiert sich, vor allem durch die Dienstleister“, kommentierte das Münchener Institut letzten Monat.

Dem Institut zufolge hat sich das Geschäftsklima auch im Bauhauptgewerbe das dritte Mal in Folge verbessert aufgrund spürbar weniger pessimistischer Erwartungen. Die aktuelle Lage wurde jedoch etwas schlechter beurteilt, weil viele Firmen immer noch über Auftragsmangel klagen.

Büromarkt hinkt hinterher: Wie weiter mit Home-Office?

Mit Blick auf den Immobilienmarkt sagte Traud, es gebe eine Trendwende nach dem 2023-Zinsschock– zumindest auf dem Wohnungsmarkt. „Im Büromarkt hingehen ist es aktuell sehr schwierig, weil im Moment niemand abschätzen kann, wie es mit dem Home-Office wird.“ Sie sagte, die zwei wichtigsten Faktoren für die Büro-Zukunft seien zum einen die Lage und zum anderen der Nachhaltigkeitsfaktor.

Die klassische Büroarbeit hat es spätestens seit Corona schwer, sich gegen das Home-Office zu behaupten. Immer mehr Arbeitnehmer stimmen mit den Füßen ab, während Arbeitgeber und Firmen sich zunehmend fragen, warum sie teure Gewerberäume in der Innenstadt vorhalten sollen und ob man nicht mit verkleinerten Co-Working-Spaces Platz und Geld sparen könnte.

Bestandsimmobilien: Viel ungenutztes Potenzial

Die Nachfrage nach Bestandsimmobilien fängt jetzt wieder an zu steigen, nach einem Preisverfall bei weniger energieeffizientem Bestand im Jahr 2022 und 2023. In Deutschland gäbe es viele alte Wohnungen mit vielen alten Heizungen und daher ein großes Potenzial für Sanierungen in den kommenden Jahren. Im Jahr 2018 heizten mehr als 31 Millionen Wohnungen in Deutschland noch mit Öl und Gas verglichen mit erneuerbaren Energien oder sonstigen Beheizungsarten.

Bausektor: Erster bundesweiter Streik seit 2002

Seit dem 13. Mai wird zum ersten Mal seit 17 Jahren bundesweit in der Baubranche wieder gestreikt. Los ging es in Niedersachsen nach langen Tarifrunden, in denen die Arbeitgeberverbände einen Schlichterspruch abgelehnt haben. Zuletzt war es 2007 auf dem Bau zum Ausstand gekommen, damals regional begrenzt auf Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Das Bauhauptgewerbe ist einer der größten Arbeitgeber in Deutschland und, mit einem Umsatz von rund 162 Milliarden Euro 2023 laut des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, eine wichtige Säule für die deutsche Wirtschaft. Im Immobilienboom hatte die Branche jahrelang die Konjunktur gestützt, nun ist sie jedoch wegen der Krise im Wohnungsbau zum Sorgenkind geworden.

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.


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