Wirtschaft

Naturkatastrophen: Über 100 Milliarden Euro Schaden im ersten Halbjahr

Anfang Juni überschwemmten die Donau und ihre Zuflüsse zahlreiche Gemeinden in Süddeutschland - das ist aber nur ein kleiner Teil des weltweiten Bilds. Im ersten Halbjahr kam es insgesamt zu Schäden durch Umweltkatastrophen in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro, wie der Rückversicherer Munich Re ermittelt hat.
31.07.2024 11:13
Aktualisiert: 31.07.2024 13:56
Lesezeit: 2 min

Überschwemmungen, Unwetter und weitere Naturkatastrophen haben im ersten Halbjahr weltweite Schäden von 120 Milliarden Dollar (knapp 111 Milliarden Euro) angerichtet und 4500 Menschenleben gekostet. Die Schäden sind nach der halbjährlichen Katastrophenbilanz des Rückversicherers Munich Re zwar niedriger als im ersten Halbjahr 2023, aber höher als sowohl im zehnjährigen als auch im dreißigjährigen Schnitt. Für Versicherer bedeutet die Entwicklung höhere Kosten für Schadenszahlungen.

Die genauen Daten: Von den 120 Milliarden Dollar volkswirtschaftlicher Gesamtschäden waren laut Munich Re 62 Milliarden versichert. Teuerstes Ereignis war das Neujahrs-Erdbeben der Stärke 7,5 in Japan, das geschätzte Gesamtschäden von rund 10 Milliarden Dollar verursachte. Im ersten Halbjahr 2023 waren die von Naturkatastrophen verursachten weltweiten Gesamtschäden mit 140 Milliarden Dollar laut Munich Re höher, die versicherten Schäden hingegen mit 60 Milliarden Dollar etwas niedriger. Ein maßgeblicher Faktor dabei war das verheerende Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023 mit mehr als 50.000 Todesopfern. In der dortigen Erdbebenregion sind nur vergleichsweise wenige Menschen und Firmen gegen Naturkatastrophen versichert.

Im langjährigen Mittel steigende Katastrophenschäden

„Wenn man das in einen längeren Zeitraum einordnet, sind die Gesamtschäden deutlich steigend“, sagte Chefklimatologe Ernst Rauch. Auffällig im ersten Halbjahr waren demnach sowohl große Überschwemmungen als auch die Serie schwerer Unwetter in den USA.

Die Munich Re dokumentiert seit vielen Jahrzehnten die weltweiten Naturkatastrophenschäden, da dies für die Berechnung der Versicherungsbeiträge von großer Bedeutung ist. „Der Zehnjahresdurchschnitt der volkswirtschaftlichen Schäden liegt bei knapp unter 90 Milliarden Dollar“, sagte Rauch. „Die Summen der versicherten Schäden zeigen die Tendenz noch deutlicher: den 62 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr dieses Jahres stehen im Zehnjahresdurchschnitt nur 37 Milliarden gegenüber. Wir sehen also fast schon eine Verdopplung.“

Unwetter treten häufiger auf und werden stärker

Dass die Schäden im längerfristigen Schnitt steigen, hängt nach Einschätzung nicht nur der Munich Re mit der steigenden Häufigkeit und Stärke von Unwettern zusammen - ein Phänomen, das der Wissenschaft zufolge auf den Klimawandel zurückzuführen ist. Rauch nannte zwei Auffälligkeiten in der ersten Jahreshälfte: „Wir hatten nicht nur die Überschwemmungen hier vor der Haustür in Bayern und Baden-Württemberg. Die Besonderheit waren Überschwemmungen in Ländern, in denen große Überschwemmungen atypisch sind wie die Vereinigten Arabischen Emirate, vor allem Dubai, aber auch angrenzende Regionen wie Oman.“

Man müsse 70 Jahre in der Statistik zurückschauen, um überhaupt vergleichbare Ereignisse zu finden. „Ähnliches war zu beobachten in Brasilien mit Regenmengen und Überschwemmungen in einem Ausmaß, die beispiellos sind in den letzten 70, 80 Jahren.“

Nordamerika besonders schwer getroffen

Die zweite Auffälligkeit sieht der Wissenschaftler bei den vielen schweren Gewittern in den USA, dort wurden von Anfang Januar bis Ende Juni allein 1250 Tornados gezählt. „Vier der fünf teuersten Versicherungsereignisse im ersten Halbjahr 2024 waren schwere Unwetter in den USA.“

Eine große Rolle für das zweite Halbjahr spielt der Verlauf der Hurrikansaison im Nordatlantik, die erst im Herbst endet. Ein Element dabei sind die seit längerem ungewöhnlich hohen Wassertemperaturen im Nordatlantik.

„Rekordtemperaturen der Wasseroberfläche sind ein wesentlicher Faktor für die Auslösung und Stärke tropischer Wirbelstürme“, sagte der Klimatologe Rauch. „Der zweite Faktor wird vom amerikanischen Wetterdienst NOAA prognostiziert, der Beginn einer sogenannten La-Niña-Phase.“ Beides erhöhe die Wahrscheinlichkeit für eine überdurchschnittliche Häufigkeit von Hurrikanen im Nordatlantik.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Die wirtschaftlichen Aspekte von kostenlosen Testversionen und wiederkehrenden Zahlungen

Kostenlose Testversionen sind der erste Schritt im Marketing. Damit können Nutzer einen Dienst ausprobieren, bevor Geld fließt und die...

DWN
Finanzen
Finanzen Frankreich zieht Goldreserven aus den USA ab: Welche Folgen hat das für Europa?
08.04.2026

Frankreich ordnet seine Goldreserven neu und verlagert zentrale Bestände aus den USA nach Europa. Steht Europa damit vor einer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreis-Entlastung: Streit in der Koalition verschärft sich
08.04.2026

Die Hoffnung auf sinkende Energiepreise nach geopolitischer Entspannung erfüllt sich bislang nicht. Stattdessen rückt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Ölpreis aktuell unter Druck: Märkte reagieren auf Feuerpause
08.04.2026

Nach politischen Signalen der Entspannung fällt der Ölpreis aktuell deutlich. Anleger reagieren nervös, während Unsicherheiten weiter...

DWN
Politik
Politik Trump droht mit 50-Prozent-Zöllen gegen Iran-Partner – das könnten die Folgen sein
08.04.2026

Mit drastischen 50-Prozent-Zöllen erhöht Donald Trump den Druck auf Irans Unterstützer. Gleichzeitig kündigt er weitreichende...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor entscheidenden Wahlen: Orbán setzt gleichzeitig auf die USA und Russland
08.04.2026

Viktor Orbán verschärft im Wahlkampf seinen außenpolitischen Kurs und setzt zugleich auf Unterstützung aus Washington und Moskau....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Netflix verliert Verfahren in Italien: Drohen Milliarden-Rückforderungen?
08.04.2026

Das Urteil eines italienischen Gerichts setzt Netflix in Europa unter juristischen Druck. Könnte der Fall eine Welle neuer Verfahren...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto-Wallet-Vergleich: So verwalten Sie Bitcoin & Co. sicher – die besten digitalen Geldbörsen
08.04.2026

In digitalen Geldbörsen verwalten Nutzer Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether und bewahren sie sicher auf. Doch welches Krypto-Wallet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Exporteure: Wachstum erwartet – doch Risiken für Exporte steigen
08.04.2026

Die deutsche Exportwirtschaft trotzt internationalen Konflikten und blickt weiterhin nach vorn. Doch steigende Risiken in Lieferketten und...