Politik

Bundesregierung plant neue Steuervorteile für Elektroautos

Freie Fahrt für freie Bürger - aber eigentlich nur mit einem neuen E-Auto. Weil der Absatz stockt, soll Christian Lindner (FDP) jetzt mit Steuergeschenken aushelfen - auch für große Dienstwagen bis 95.000 Euro. Das finden nicht alle gut
04.09.2024 15:57
Aktualisiert: 04.09.2024 15:57
Lesezeit: 2 min
Bundesregierung plant neue Steuervorteile für Elektroautos
Freie Fahrt für freie Bürger - aber am besten nur mit einem neuen E-Auto. Weil der Absatz stockt, soll Christian Lindner (FDP) jetzt mit Steuergeschenken aushelfen - auch für große Dienstwagen bis 95.000 Euro. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Mit neuen Steuervorteilen will die Bundesregierung den schleppenden Absatz von Elektroautos ankurbeln. Konkret geht es um stärkere steuerliche Anreize für E-Autos als Dienstwagen. Das Kabinett brachte die geplanten Maßnahmen jüngst auf den Weg.

Im vorliegenden Gesetzentwurf heißt es, die Bundesregierung habe sich zum Ziel gesetzt, die Elektromobilität in Deutschland deutlich voranzubringen. "Für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Ziels bedarf es auch weitreichender steuerlicher Maßnahmen." Die Nachfrage nach E-Autos war nach dem Stopp der staatlichen Förderung eingebrochen. Die Bundesregierung hatte den sogenannten Umweltbonus im Dezember abrupt beendet. Grund waren Sparzwänge im Haushalt.

Maßnahme aus Wachstumsinitiative

Im Juli verständigte sich die Ampel-Koalition im Zuge der Haushaltsverhandlungen auf eine "Wachstumsinitiative". Eine der Maßnahmen ist die steuerliche Förderung von E-Autos als Dienstwagen.

Konkret geht es darum: Für Unternehmen soll rückwirkend zum 1. Juli 2024 eine Sonder-Abschreibung für neu zugelassene vollelektrische und vergleichbare Nullemissionsfahrzeuge eingeführt werden. Außerdem soll bei der Dienstwagenbesteuerung für E-Fahrzeuge der sogenannte Deckel für den Brutto-Listenpreis von 70.000 Euro auf 95.000 Euro angehoben werden.

Regierung will E-Mobilität stärken

Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte bereits von einem Schub gesprochen, um die Nachfrage nach E-Mobilität wieder hochzuziehen. Er erwarte einen "Nachfrage-Push". Im Gesetzentwurf heißt es zu den geplanten neuen Maßnahmen, damit würden "deutliche steuerliche Anreize" insbesondere für den Markthochlauf der Elektromobilität im betrieblichen Bereich gesetzt. Die Regelung umfasse ausschließlich neu angeschaffte, rein elektrisch betriebene Fahrzeuge. Sie soll für Anschaffungen im Zeitraum von Juli 2024 bis Dezember 2028 befristet eingeführt werden. "Die temporäre Begrenzung setzt Anreize für zügige Investitionsentscheidungen."

Kosten für den Staat

Die Steuermindereinnahmen werden im Gesetzentwurf für das Jahr 2024 als geringfügig bezeichnet. Im Jahr 2025 werden die Steuermindereinnahmen auf 480 Millionen Euro beziffert, sie sollen bis 2028 auf 540 Millionen Euro steigen.

Kritik an Plänen

BSW-Chefin Sahra Wagenknecht sagte: "Wir lehnen Habecks Steuergeschenke ab, die besonders lukrativ für die teuersten E-Autos sind. Es braucht keine neuen Pampers für E-Autos, sondern Technologieoffenheit." Sie sprach sich erneut gegen das Aus für Neuwagen mit Verbrennermotoren ab 2035 in der Europäischen Union aus.

Für den Umweltverband BUND erklärte der Verkehrsexperte Jens Hilgenberg, eine Erhöhung der Abschreibungen für batterieelektrische Dienstwagen in den ersten Jahren könne durchaus sinnvoll sein, um E-Fahrzeuge dann gebraucht in den Markt zu bringen. "Hier bedarf es aber klaren Vorgaben was Preis, Größe, Energie- und Ressourcenverbrauch betrifft." Die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller, nannte die Pläne der Regierung ein wichtiges und richtiges Signal. Dadurch werde in der Folge auch der Gebrauchtwagenmarkt für vollelektrische Pkw gestärkt werden, weil Firmenwagen nach Ablauf der Leasingzeit von in der Regel drei Jahren zu einem günstigen Preis als Gebrauchtwagen zur Verfügung stehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa unter Zugzwang: Was im globalen KI-Wettlauf auf dem Spiel steht
06.05.2026

Europas Rückstand im KI-Wettlauf wird für Wirtschaft und Politik zunehmend zu einem strategischen Risiko. Kann der Kontinent seine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...